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Aus: Ausgabe vom 18.04.2026, Seite 9 / Schwerpunkt
Unblock Cuba

Die erste Niederlage des Imperialismus in Amerika

Kuba: Vor 65 Jahren scheiterte die US-Invasion in der Schweinebucht am Widerstand unter Fidel Castros Führung
Von Volker Hermsdorf
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Angehörige der revolutionären Miliz feiern ihren Sieg über die US-unterstützten Invasoren

Kubas Bevölkerung leidet Tag für Tag unter den Folgen der dramatischsten und gefährlichsten Krise seiner jüngeren Geschichte. US-Präsident Donald Trump versucht mit einer totalen Energieblockade zu erreichen, woran zwölf seiner Vorgänger seit dem Sieg der Revolution im Jahr 1959 gescheitert sind: die erneute Unterwerfung des rebellischen Volkes unter Washingtons Diktat. Ende März erklärte der Machthaber im Weißen Haus, Kuba sei nach den Angriffen auf Venezuela und den Iran das nächste Land, um das sich sein Militär kümmern werde.

Für die Menschen dort ist Trumps Würgegriff schon jetzt eine Realität. Der Treibstoffmangel führt zu täglichen Stromausfällen, der Transport von Nahrungsmitteln und der öffentliche Verkehr sind lahmgelegt, in Altenheimen und Kindertagesstätten fehlt Essen, Betriebe, Verwaltungen und Schulen müssen schließen. Der zunehmende Mangel trifft Kinder, Kranke und ältere Menschen am härtesten. Donald Trump hat die von Israel in Gaza praktizierte Methode, ein ganzes Volk auszuhungern, auf Kuba übertragen. Ziel der Blockade, so hieß es bereits vor 60 Jahren in einem Memorandum der US-Regierung, sei es, »Kuba Geld und Versorgung zu rauben, um Hunger, Elend und Verzweiflung zu erzeugen und den Sturz der Regierung herbeizuführen«.

Doch im Kampf für die Unabhängigkeit und Souveränität ihres Landes haben die Kubaner seit Jahrhunderten gelernt, zu überleben, ohne aufzugeben, zu widerstehen und zu kämpfen. Auch angesichts von Trumps jüngsten Drohungen sei der Kampf des Volkes alternativlos, versicherte die Kinderärztin Aleida Guevara. »Was sollen wir tun? Aufgeben? Nein, das ist unmöglich«, sagte die Tochter des Che, als sie am vergangenen Wochenende in Berlin den Rosa-Luxemburg-Preis dieser Zeitung entgegennahm. Sie zitierte dazu den in ihrer Heimat als »Bronzener Titan« bezeichneten General der kubanischen Unabhängigkeitskriege gegen Spanien, Antonio Maceo, der Großgrundbesitzern, die damals eine Annexion der Insel durch die USA forderten, entgegenhielt: »Wer versucht, sich Kuba anzueignen, wird den Staub seines blutgetränkten Bodens auflesen, wenn er nicht im Kampf umkommt.«

Invasion

Der heute martialisch und pathetisch wirkende Ausspruch des Freiheitskämpfers aus dem 19. Jahrhundert wurde vor 65 Jahren zur Realität, als eine von den USA ausgebildete und finanzierte Söldnertruppe kläglich mit einem Invasionsversuch scheiterte. Als in den frühen Morgenstunden des 17. April 1961 bewaffnete Männer an den Stränden der Playa Girón und Playa Larga landeten, sollte nach dem Willen ihrer Auftraggeber nur ein kurzer Feldzug beginnen. Innerhalb weniger Tage, so die Kalkulation in Washington, würden die revolutionäre Regierung gestürzt, eine neue, sich den Interessen der USA unterordnende Führung eingesetzt und die soziale Umgestaltung der Insel rückgängig gemacht werden. Doch es kam anders. Die Invasion endete in einer vernichtenden Niederlage der Eindringlinge – militärisch, politisch und moralisch. Für Kubas Bevölkerung wurde Girón zum Symbol des erfolgreichen Widerstands gegen die mächtigste Militärmacht der Welt und für die Verteidigung der nationalen Souveränität. Für die US-Regierung und ihren Geheimdienst CIA hingegen wurde die Operation zum Waterloo.

Die »Operation Pluto« wurde bereits zwei Tage zuvor gestartet. In den Morgenstunden des 15. April 1961 hoben von einem Stützpunkt in Nicaragua acht US-Bomber vom Typ B-26 ab und nahmen Kurs auf Kuba. Die Besatzung bestand aus US-Amerikanern und von der CIA ausgebildeten Piloten des gestürzten kubanischen Diktators Fulgencio Batista. Um den Eindruck zu erwecken, es handle sich um einen Aufstand innerhalb der Streitkräfte, waren die Maschinen mit Hoheitszeichen der kubanischen Luftwaffe versehen worden. Die Täuschung sollte der internationalen Öffentlichkeit vorgaukeln, die Regierung in Havanna verliere die Kontrolle über das Land. Bei Tagesanbruch bombardierten die Angreifer Flugplätze in Kuba. Acht Menschen werden getötet, zahlreiche verletzt.

Auf der Begräbnisfeier für die Opfer warnte Fidel Castro am 16. April vor einer bevorstehenden Invasion. »Was uns die Imperialisten nicht vergeben können«, rief er, »ist, dass wir vor ihrer Nase eine sozialistische Revolution gemacht haben.« Mit den Worten »Dies ist die sozialistische und demokratische Revolution der einfachen Menschen, mit den einfachen Menschen und für die einfachen Menschen. Für sie sind wir bereit, das Leben hinzugeben« erklärte Castro unter Beifall die kubanische zu einer »sozialistischen Revolution«. Kuba wurde damit zum ersten sozialistischen Staat auf dem amerikanischen Kontinent.

¡Patria o Muerte!

In der Nacht zum 17. April erreichte die Invasionsflotte ihr Operationsgebiet an den Stränden der Playa Girón und der Playa Larga in der Schweinebucht. Die CIA-Instrukteure hatten den Söldnern versichert, dass die Kubaner sie als Befreier empfangen und unterstützen würden. Der Plan sah vor, dass die Invasoren eine provisorische Regierung ausrufen, um Hilfe von außen bitten und den USA so einen Vorwand für eine militärische Intervention liefern sollten. Bei ihrer Landung trafen die Söldner zunächst auch nur auf wenige, schlecht bewaffnete Milizionäre, die sie aus der Entfernung aufforderten, gemeinsam mit ihnen »gegen die kommunistische Tyrannei Castros zu kämpfen«. Die Antwort bestand aus Gewehrsalven und dem Ruf »¡Patria o Muerte! Venceremos!«.

Doch die Invasoren wurden von 16 B-26-Bombern unterstützt, die unter dem Geleitschutz von US-Jagdfliegern Ortschaften bombardierten und aus Maschinengewehren das Feuer auf die Bewohner eröffneten. Bei den Angriffen wurden zahlreiche Zivilisten, darunter Kinder, Frauen und Alte, getötet. Nach 72 Stunden war der Spuk vorbei. Die Söldner wurden von Milizen, der Bevölkerung und den revolutionären Streitkräften unter Leitung Fidel Castros zurückgedrängt. Innerhalb weniger Stunden hatte sich der geplante Blitzkrieg in eine verzweifelte Abwehrschlacht der Angreifer verwandelt, die am 19. April schließlich kapitulierten. Die militärische Niederlage war vollständig.

Die gescheiterte Invasion forderte auf seiten des revolutionären Kuba 176 Tote und über 300 Verletzte. Die Aggressoren verzeichneten mehr als 200 Opfer. 1.200 Söldner der »Brigade 2506« wurden festgenommen. Unter ihnen waren 100 Plantagenbesitzer, 67 Eigentümer von Mietshäusern, 35 Besitzer von Fabriken, 112 Geschäftsleute und 194 Exmilitärs von Batista. Vor der Revolution hatten sie insgesamt 923.000 Morgen Land, 9.666 Gebäude und Mietshäuser, 70 Fabriken, 12 Nachtklubs, zehn Werke zur Zuckerverarbeitung, fünf Bergwerke und drei Banken besessen.

Verhör von Havanna

Fidel Castro verwandelte die live im Fernsehen übertragenen Verhöre der gefangenen Söldner in ein Lehrstück über Motive und Ziele der Invasoren sowie die Rolle der USA. Die einst herrschende Klasse, die kubanische Bourgeoisie, musste, bekleidet mit US-Fallschirmjägeruniformen, Rede und Antwort stehen. In den Kämpfen sei viel Blut vergossen worden, sagte Castro. »Das kubanische Volk soll wissen, warum dieses Blut vergossen wurde.« Das Verhör von Havanna, urteilte der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, wurde zum »entlarvenden Selbstbildnis der herrschenden Klasse und ihrer Konterrevolution«, von Figuren, die, wenn sie von »Heimat« sprechen, nicht an Kuba denken. »Ihre Heimat ist der Mehrwert«, schrieb Enzensberger.

Trotz ihrer Toten und Verwundeten forderten die kubanischen Sieger weder Vergeltung noch Rache. »Wozu sollten wir 1.200 Gefangene hier behalten, die sie in Miami zu Märtyrern erklärt hätten?« schilderte Castro seine Überlegungen. »Hätten wir tausend und mehr US-Amerikaner rekrutiert, um die Vereinigten Staaten zu überfallen, hätten sie dort lebenslänglich bekommen, wenn man nicht gleich einige erschossen hätte.« Für Kuba sei das keine Option. Nach monatelangen Verhandlungen wurden die Söldner im Austausch für Medikamente und Nahrungsmittel im Wert von rund 52 Millionen US-Dollar an die USA überstellt. Die Entschädigungsleistungen waren das öffentliche Schuldanerkenntnis der USA. Fidel Castro machte die Invasion für Washington sowohl militärisch als auch moralisch zum Fiasko. Nach dem Sieg über die Invasoren verkündete am Strand der Schweinebucht eine riesige Plakatwand: »Girón – Die erste Niederlage des Imperialismus auf dem amerikanischen Kontinent!«

Washingtons Irrtum

Die vereitelte US-Aggression war indes kein isolierter Zwischenfall, sondern sowohl das Ergebnis einer systematischen Vorbereitung als auch das einer gigantischen Fehleinschätzung. Seit dem Sieg der Revolution hatten die USA versucht, Kubas neue Regierung wieder zu stürzen. Die sozialen Reformen – insbesondere die Agrarreform und die Verstaatlichung großer Unternehmen – trafen die Interessen mächtiger US-Konzerne und wohlhabender Eliten. Washington ging davon aus, Kubas Bevölkerung würde sich gegen die Regierung erheben, sobald die Invasion begonnen hatte.

Doch die Wirklichkeit sah anders aus. Viele Kubaner hatten erstmals Zugang zu Land, Bildung und medizinischer Versorgung erhalten. Als die Invasion begann, sahen sie darin nicht eine Befreiung, sondern eine Bedrohung ihrer Unabhängigkeit. Der Widerstand war nicht nur militärisch, sondern auch gesellschaftlich erfolgreich. Die Verteidigung Kubas wurde zur Aufgabe des ganzen Volkes, und gegen die Söldner kämpften nicht nur die Soldaten der Revolutionären Streitkräfte, sondern Hunderttausende organisierte Bürger. Girón gilt in Kuba und im globalen Süden bis heute als Beispiel dafür, dass ein Volk, das seine Souveränität verteidigt, jeder Invasionsarmee überlegen ist.

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