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24.04.20261 Leserbrief
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Israel beseitigt Zeugen
Libanon: Wieder wurde eine Journalistin gezielt getötet. Präsident macht Einhaltung der Waffenruhe zur Bedingung für Gespräche
Nicht allein Libanon und die gesamte arabische Welt sind entsetzt über den Tod der Journalistin Amal Khalil. Die Reporterin der libanesischen Tageszeitung Al-Akhbar und eine Kollegin wurden am Mittwoch von der israelischen Armee im Südlibanon beschossen. Der libanesische Präsident Joseph Aoun spricht von einem Kriegsverbrechen, berichtete der TV-Sender Al-Majadin am Donnerstag. Israels Armeeführung behauptete einmal mehr, der Angriff habe der Hisbollah gegolten, und kündigte eine Untersuchung an.
Es spricht allerdings einiges dafür, dass Amal Khalil und die sie begleitende Fotografin Sainab Faradsch gezielt von Israel ins Visier genommen wurden. Faradsch überlebte verletzt. Der RT-Kriegsberichterstatter Ali Rida Sbeiti beschrieb die Ereignisse auf der Onlineplattform X wie folgt: Am Mittwoch um 14.30 Uhr waren in der Nähe des Dorfs Al-Tiri zwei Zivilfahrzeuge von einer israelischen Drohne attackiert worden – trotz der bestehenden Feuerpause. Während in dem einen Auto zwei Personen starben, konnten sich die beiden Frauen, die in dem zweiten Wagen unterwegs waren, zunächst unter einem Baum in Sicherheit bringen. »Mir geht es gut. Das Auto vor mir wurde gezielt angegriffen«, zitierte Al-Akhbar am Donnerstag die letzte Nachricht Khalils.
Um 16 Uhr erfolgte der nächste Angriff, der direkt das Auto der Journalistinnen traf. Die beiden Frauen versteckten sich in einem Haus, wo sie auf das Eintreffen eines Rettungswagens des Roten Kreuzes warteten. Israels Armee wollte den Sanitätern aber anscheinend kein freies Geleit zusichern. Sie warnte offenbar auch die UNIFIL-»Blauhelm«-Truppen, die seit 1978 im Südlibanon den Frieden sichern sollen, die Straße nach Al-Tiri zu befahren. Wenig später habe Israel auch das Haus, in dem die beiden Frauen ausharrten, unter Beschuss genommen, so Sbeiti.
Das Rote Kreuz, dessen Wagen von der israelischen Armee mit Blendgranaten und scharfer Munition beschossen wurde, was den Einsatz um Stunden verzögerte, gab am späten Abend den Tod der erfahrenen Journalistin bekannt. Amal Khalil sei unter den Trümmern des zerstörten Gebäudes gestorben. Das libanesische Gesundheitsministerium bestätigte am Donnerstag den von Sbeiti geschilderten Hergang. Für den Reporter ist klar: »Es handelt sich eindeutig um Mord, da der Feind genau wusste, wer anwesend war, und der libanesische Staat, die Rettungsdienste und die Medien öffentlich erklärt hatten, dass es sich bei den Belagerten um Journalisten handelte.« Die schusssichere Weste mit der Aufschrift »Presse« schütze nicht mehr, schloss Al-Akhbar. »Im Gegenteil, sie ist zu einer Bedrohung für das Leben von Journalisten geworden. Das ist Teil einer systematischen israelischen Aggressionspolitik, die darauf abzielt, jeden zum Schweigen zu bringen, der versucht, die Verbrechen und Praktiken der Besatzung aufzudecken.«
Der tödliche Angriff belastet das zweite Treffen zwischen den Botschaftern Israels und Libanons in den USA. Die Gespräche sollten am Donnerstag in Washington stattfinden. Libanons Präsident Aoun hatte bereits vorab erklärt, dass Beirut erst dann in Verhandlungen eintrete, wenn ein dauerhafter Waffenstillstand in Kraft sei, berichtete die Tageszeitung Al-Schark Al-Ausat gleichentags. Aoun habe ferner die Notwendigkeit betont, eine Rückkehr der von Israel aus dem Südlibanon Vertriebenen zu ermöglichen. Außerdem soll laut Al-Akhbar der israelische Krieg gegen Libanon ein zentrales Thema in künftigen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran bleiben.
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Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus Berlin 24. Apr. 2026 um 11:25 UhrDarauf wäre ich ja niemals nicht gekommen, dass ich gar nicht so falsch lag. Mit meiner Vermutung, dass die israelische Regierung dann doch nicht vorhatte, an allen palästinensischen und beduinischen Menschen dermaßen viel extreme Gewalt zu praktizieren, dass sie für immer nur noch weit, weit weg wollen. Ist mir vollkommen neu. Darf ich jetzt noch nach Nantes? Denn ich bin neuerdings Terrorismusbefürworter? Weil ich schreiben kann, gilt das auch für meine Frau, alle Kinder und Freunde und Nachbarn und jede Person, die uns zu nahe kommt: Aus unserer Familie haben zwei Frauen und zwei Töchter überlebt. Beide hat mein Opa in der Diedenhofer Straße 4 gerettet. Meine Oma wollte nicht mehr strenggläubig sein, aber übers Fenster in der Damentoilette in der Gaststätte Am Wasserturm (heute PASTERNAK) am Religiösen, am Beten, Segnen, Weihen und am Festhalten festhalten. Sie starb am 9.9.49, als meine Mutter 14 war. Ihre Schwester Anita, meine Lieblingstante, war zu jener Zeit erst elf. Und niemals wollten wir ins gesegnete Land, denn es war seit »Der Judenstaat« klar, dass das Hoffen auf die Wiederkehr der Jüdischen eben früher oder später zum selben Prinzip wie seit 1946 führt und führen muss: Gott ist Judäa ist heiliges Land ist Pflicht zum Kampf gegen wen auch immer. Ich gehe davon aus, dass es in Kürze eine aufrechte Person ans Licht der Öffentlichkeit schafft und uns bestätigt, was in der israelischen Öffentlichkeit flächendeckend bekannt ist: Mit dem 7.10.2023 ist für immer geklärt, dass alle außer uns gegen uns und Terroristische sind.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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