Kollaborateure helfen Israel
Von Gerrit Hoekman
. Mit etwa 70 Schiffen und mehr als 1.000 Aktivisten aus über hundert Ländern an Bord ist es der bisher größte Konvoi, der die israelische Seeblockade brechen will. Sein Name: »Global Sumud Flotilla«. »Sumud« ist Arabisch und bedeutet Standhaftigkeit. Die Initiatoren gehen allerdings davon aus, dass die israelische Marine die Schiffe weit vor Erreichen der Küste Gazas abfangen wird.
Humanitäre Hilfe wäre in Gaza nötiger denn je. Neben Wasser und Lebensmitteln fehlt es an vielen anderen Dingen, wie WAFA, die amtliche Nachrichtenagentur der Palästinensischen Nationalbehörde in Ramallah, am Montag meldete. Dringend gebraucht werden zum Beispiel Generatoren und der dafür nötige Treibstoff. »Der beispiellose Mangel hat zu einem drastischen Anstieg der Wartungs- und Transportkosten sowie der Strompreise für privat erzeugten Strom geführt«, so WAFA. Als Folge droht, dass die Anlagen zur Meerwasserentsalzung ausfallen. Die Abwasserpumpen stehen ebenfalls vor dem Kollaps, wodurch das Gesundheitsrisiko rasant steigt.
Die wenigen noch vorhandenen Krankenhäuser benötigen die Generatoren für die Stromerzeugung am meisten. Medizinische Quellen warnen WAFA zufolge, dass die israelischen Behörden weiterhin die Einfuhr von Öl und Ersatzteilen verhindern. Dies stelle eine ernsthafte Bedrohung für das ohnehin schon überlastete Gesundheitssystem dar. Da Motoröl, Autoreifen und andere Ersatzteile kaum noch zu bekommen sind, können Krankenwagen nicht mehr ausreichend gewartet werden.
Für die wenigen noch vorhandenen Ersatzteile würden Mondpreise verlangt, die Normalsterbliche kaum bezahlen könnten, sagte ein Automechaniker gegenüber WAFA. Ein Liter Motoröl hat vor dem Krieg höchstens 15 israelische Schekel gekostet, umgerechnet 4,22 Euro. Aktuell koste ein Liter fast 200 Euro. Der Transportsektor sei fast komplett zusammengebrochen, stellte ein Lkw-Fahrer laut WAFA fest. Beschädigte Autoreifen würden notdürftig zusammengenäht oder mit Gummistücken geflickt.
Experten schätzen, dass für den Wiederaufbau des Gazastreifens rund 70 Milliarden US-Dollar nötig sein werden. Wie der Möchtegernfriedensengel Donald Trump diese immense Summe beschaffen will, steht in den Sternen. Zehn Staaten haben bislang insgesamt 17 Milliarden US-Dollar zugesagt. Davon soll aber laut Reuters erst weniger als eine Milliarde überwiesen worden sein, und zwar von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Marokko und den USA selbst. Der von Trump initiierte »Friedensrat« für Gaza betonte allerdings am Freitag, er habe kein Finanzierungsproblem.
Das Geld war unter anderem für das Nationale Komitee für die Verwaltung des Gazastreifens (NCAG) bestimmt, eine Gruppe palästinensischer Experten, die von der Hamas die Regierungsgeschäfte und die Polizei übernehmen soll und unter Aufsicht des »Friedensrats« steht. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel konnte die NCAG aber bis jetzt überhaupt nicht nach Gaza einreisen. Der frühere Beamte der Palästinensischen Nationalbehörde in Ramallah, Ali Schaath, der das NCAG leiten soll, sowie die 14 weiteren Mitglieder des Komitees warten laut Reuters in einem Hotel in Kairo auf ihren Einsatz.
Die Hamas hat wiederholt erklärt, die Regierungsgeschäfte an die NCAG zu übergeben. Nur ihre Waffen will sie bis jetzt nicht aushändigen, solange sich Israel nicht aus Gaza zurückzieht. Aus Sicht der Hamas und ihrer Verbündeten ist das verständlich, weil Israel fast täglich die vereinbarte Waffenruhe bricht. Seit dem Beginn der vermeintlichen Feuerpause im Oktober sind in dem Konflikt immer noch weit mehr als 700 Palästinenser und vier israelische Soldaten getötet worden. WAFA zufolge wurden erst am Dienstag bei einem Angriff auf ein Fahrzeug in Gaza-Stadt vier Zivilisten getötet, darunter ein Kind.
Palästinensische Kollaborateure beteiligen sich an den Attacken. Am 6. April waren im Flüchtlingslager Al-Marasi mindestens zehn Tote und Dutzende Verletzte zu beklagen, als die Miliz von Schauki Abu Nasira, einem früheren Offizier der Nationalbehörde, der nun der Hamas den Krieg erklärt hat, das Lager überfiel. Al-Marasi befindet sich nur wenige Meter von der »gelben Linie« entfernt, hinter die sich Israel im Oktober zurückziehen musste. Hinter sie fliehen auch die Milizionäre nach jedem Angriff.
Die Jerusalem Post berichtete im November, dass inzwischen mehrere der Hamas gegenüber feindliche Milizen im Gazastreifen mit Israel zusammenarbeiten. »Sie versorgen uns mit Waffen, Nahrungsmitteln und Kleidung, und wir stimmen uns in Sicherheitsfragen eng mit ihnen ab«, gab Abu Nasira im Dezember in einem Interview mit dem israelischen Channel 14 offenherzig zu. »Die Beziehung zwischen uns und den Israelis ist eng und von tiefer Freundschaft geprägt.« In Al-Marasi habe Israel die Freischärler aus der Luft unterstützt, berichteten Augenzeugen gegenüber Drop Site News.
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