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Aus: Ausgabe vom 18.04.2026, Seite 4 / Inland
Deutsche Waffen in der Ukraine

Deutsche Wertarbeit für Kiews Faschisten

Ukrainische Neonazis posieren mit Waffen von Heckler & Koch und »Leopard«-Panzern
Von Susann Witt-Stahl
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Wie hier in Norwegen lassen sich ukrainische Soldaten auch in der Heimat gern mit deutschem Kriegsgerät ablichten (Heia, 14.3.2026)

Dmitro Kortschinskij legt großen Wert auf die Ästhetik seines »Spielzeugs« für den Kampfeinsatz. »Eine Waffe sollte nicht nur praktisch sein, sondern auch attraktiv oder ungewöhnlich, damit man mit ihr angeben kann«, sagte der Gründer des Sabotagebataillons »Bratstwo« (Bruderschaft), während er in einer Sendung eines ukrainischen Militärfreak-Kanals ein HK 433 in die Kamera hielt. Das Sturmgewehr des deutschen Rüstungsunternehmens Heckler & Koch gehört laut Kortschinskij zur Standardausstattung seiner »Armee Gottes«, wie er seine Horde von fanatischen Christen nennt, die in die Spezialeinheit »Timur« des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR) angegliedert ist. Kortschinskij, ehemaliger Vorsitzender der faschistischen Partei »Ukrainische Nationalversammlung« und ihres bewaffneten Arms »Ukrainische Nationale Selbstverteidigung«, berichtet von Operationen weit hinter den Linien der »Orks«, die eines Tages bis nach Moskau führen sollen.

Weitere in der deutschen Öffentlichkeit tabuisierte Fakten, die sich mutmaßlich durch die am Dienstag verkündete strategische Partnerschaft mit der Ukrai­ne mehren werden: Diverse von Faschisten durchsetzte Truppen des HUR verfügen über Maschinengewehre und Granatwerfer von Heckler & Koch, einige sogar über schweres Kriegsgerät aus Deutschland: Wie Fotos belegen, ist die Spezialkräfteeinheit »Kraken«, die 2022 aus Veteranen des Neonaziregiments »Asow« der Nationalgarde gebildet wurde, mit dem Pionier- und Minenräumpanzer »Wisent 1« und dem Bergepanzer 2 ausgerüstet.

Die »Asow«-Militärs, die als 12. Spezialbrigade den Kern des mittlerweile zwischen 40.000 und 80.000 Kämpfer zählenden 1. Korps der Nationalgarde bilden, haben »Leopard 2«-Panzer – wahrscheinlich bereits seit Mai 2025. Im Dezember veröffentlichte die 12. Spezialbrigade Stellenausschreibungen für »Leo«-Fahrer und -Mechaniker. Rund zwei Monate vorher hatte die Nationalgarde einen Wettbewerb unter anderem mit dem prestigeträchtigen deutschen Panzer aus dem Hause KNDS Deutschland (ehemals Krauss-Maffei Wegmann) veranstaltet. Der Sieger wurde durch die Disziplinen Fahren, Aufspüren getarnter Ziele sowie Schießtraining mit dem Typ »Leopard 2 A4« ermittelt: Team »Asow« gewann die Gold- und Bronzemedaille mit seinen Brigaden »Burevij« und »Kara-Dah«.

Die Mannschaft letzterer posierte stolz vor den Panzern mit der Fahne ihrer Kompanie, auf der Himmlers schwarze SS-Sonne zu sehen ist. Ob es an der Nazivergangenheit der Gründer des heute zu den Big Five der Infanteriewaffenhersteller weltweit gehörenden Unternehmens liegt oder nur an der deutschen Wertarbeit: Auch bei den »Asowzy« in der Nationalgarde sind Gewehre von Heckler & Koch heiß begehrt. Kürzlich wurden die zukünftigen Besitzer von neun frisch bereitgestellten HK 416 durch ein Wettschießen ausgemacht. Bis Mitte April 2025 hatte Deutschland bereits 4.750 Exemplare im Rahmen der sogenannten Ertüchtigungsinitiative an die Ukraine übergeben (seitdem hält die Merz-Regierung alle weiteren Lieferungen geheim).

Deutsche Waffen finden sich offenbar auch schon in den Händen der »Asow«-Einheit, die die intensivste Pflege der Traditionen der Waffen-SS-Division »Galizien« betreibt und engste Verbindungen zu der militanten Neonaziorganisation »Centuria« unterhält: Die 3. Sturmbrigade des 3. Korps unter dem Kommando von Andrij Bilezkij, dem mächtigsten Naziführer der Ukraine, veröffentlichte Fotos von ihren Kämpfern mit dem HK G3, bis 1997 Standardwaffe der Bundeswehr. Im März bot sie in Lwiw eine Ausbildungswoche für Zivilisten an. In dem Lehrgang enthalten war auch eine Einführung in die Bedienung des HK 416 und von Haenel-Gewehren. Laut der seit nunmehr einem Jahr nicht mehr aktualisierten Liste der Bundesregierung wurden 5.800 MK-556-Sturmgewehre sowie 500 HLR-338-Scharfschützengewehre des Herstellers aus Suhl an die ukrainischen Streitkräfte geliefert.

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