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Aus: Ausgabe vom 24.01.2026, Seite 6 / Ausland
Ukraine-Krieg

Kiews Neonazis greifen nach der Macht

In der ukrainischen Armee werden Faschisten in Schlüsselpositionen gehievt
Von Reinhard Lauterbach
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Ukrainer Präsident (M.) und Oberkommandierender (l.) posieren mit Armee-Einheit (Kupjansk, 12.12.2025)

Seit einigen Tagen wird in der Ukraine wieder einmal über eine mögliche Ablösung von Armeechef Olexander Sirskij spekuliert. Das ist an sich nur mäßig interessant. Sirskij ist in der Truppe unbeliebt, er gilt als Soldatenschinder, der mit seinen Durchhaltebefehlen nicht einmal messbare Erfolge erzielt. Aber als Nachfolger wird nicht irgend jemand gehandelt, sondern Andrij Bilezkij, derzeit Kommandeur des 3. Armeekorps. Das ist die sozusagen aufgebohrte Version seines faschistischen »Asow«-Regiments aus den ersten Tagen nach dem »Euromaidan« 2014. Bilezkij verhehlt auch nicht seine politischen Ambitionen: Er kommt aus der Charkiwer Ultraszene und ist Anhänger der »White Supremacy«-Bewegung – die Ukrainer seien »die einzige arische Rasse der Welt« und dergleichen ist von ihm überliefert.

In seiner Tätigkeit als Kommandeur des 3. Korps hat er sich – abgesehen davon, dass seine Truppe als Ausputzer überall dort eingesetzt wird, wo es für die Ukraine brenzlig wird – durch Säuberungen seines Offizierskorps hervorgetan. Wo er glaubt, Anhaltspunkte für »fehlende militärische Effizienz« zu sehen – und Anzeichen dafür gibt es in einer in die Defensive gedrängten Armee ja zwangsläufig reichlich –, ersetzt er Offiziere vom Bataillonschef aufwärts durch Kameraden aus der Neonaziszene – etwa einen Hooligananführer aus Winnizja, den er zum Divisionschef machte. Ukrainische Kommentatoren spekulieren, dass Wolodimir Selenskij Bilezkij protegieren könnte, um bei früher oder später unumgänglichen Neuwahlen ein im rechten Teil der Wählerschaft populäres Gegengewicht zum früheren Armeechef Walerij Saluschnij – der nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft die Zerstörung von Nord Stream angeordnet haben soll – in seiner Mannschaft zu haben.

Aber dahinter könnte mehr stehen. Am Freitag meldete das proukrainische Portal Kiew Independent, der neue Verteidigungsminister Michailo Fedorow – der als Ziel ausgab, monatlich 50.000 Russen zu töten – wolle sich künftig von Sergij Sternenko »beraten« lassen. Angeblich über Drohnenkriegführung, aber mit der hat sich Fedorow als ehemaliger Digitalisierungsminister schon selbst befasst. Was soll ihm Sternenko also raten? Der frühere Chef des »Rechten Sektors« und nachweisliche Mörder eines »separatistischen« Journalisten im Jahr 2015 hat sich den Krieg über in Kiew herumgedrückt und Immobiliengeschäfte gemacht. Jetzt greifen Faschisten wie er nach den Exekutivorganen. Vielleicht, um Selenskij einen Friedensschluss unmöglich zu machen.

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