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Streik bei Lufthansa

Abgehoben zur Tarifflucht

Lufthansa reagiert auf Ausstand mit Aussperrung, mauert gegenüber den Spartengewerkschaften und gewinnt mit Verdi sozialpartnerschaftlicheren Tarifpartner. Streiks halten an

Foto: Jan Woitas/dpa
Dem Kranich droht eine Bruchlandung

Während die Lufthansa ihr hundertstes Jubiläum feiert, sagen ihre Beschäftigten dem Sparkurs des Konzerns den Kampf an. Darum setzt der Konzern auf Erpressung: »Jeder Streik verkleinert die betroffene Fluggesellschaft«, drohte Personalvorstand Michael Niggemann via Tagesspiegel am Dienstag. Den Lohnabhängigen bleibt indes nichts als Arbeitskampf, wie am Freitag eine Meldung des Betreibers vom Drehkreuz Frankfurt am Main verdeutlicht hat, laut der 650 von 1.337 Flügen annulliert wurden.

Zum äußersten griff Lufthansa schon am Vorabend und kündigte mit der vorzeitigen Schließung ihrer Tochtergesellschaft City Line eine endgültige Aussperrung an. »Wer auf Absicherung besteht, soll Angst bekommen«, laute die »Botschaft an alle Beschäftigten«, mahnte die Spartengewerkschaft UFO (Unabhängige Flugbegleiter-Organisation), die dort seit Monaten vergeblich um einen Sozialplan für 800 Kabinenbeschäftigte ringt. Betroffen sind von der Schließung zudem die in der Vereinigung Cockpit (VC) organisierten Piloten. Verlassen kann sich der Kranich indes auf die Vögel von Verdi, die bei der schon 2023 eingerichteten Alternativgesellschaft City Airlines vor einer Woche einen Ersttarifvertrag mit schlechteren Arbeitsbedingungen akzeptiert haben.

»Gehaltssteigerungen von 20 bis 35 Prozent für Cockpit- und Kabinenpersonal« titelte Verdi, feierte »einen zusätzlichen freien Tag pro Monat mehr« und so weiter. Tatsächlich begünstige Verdi damit die Tarifflucht des Konzerns, kritisierte Harry Jaeger, Leiter Tarifpolitik bei UFO, am Freitag gegenüber jW: »Das Einstiegsgehalt ist zwar gut, die Vergütungsperspektive aber schlecht und der Manteltarifvertrag richtig schlecht.« 18 freie Tage weniger als bei Ryanair habe Verdi zugestanden; übersetzt für Bürojobs hieße das: »Jeder dritte Sonntag wird gearbeitet.« Diese Einigung sei »der Traum eines jeden Airline-Managers«.

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Weder UFO noch die VC hätten Tarifverträge bei City Airlines etabliert, konterte dazu befragt Marvin Reschinsky, Konzernbetreuer Lufthansa bei Verdi. Da dieser »tariflose Zustand« für die Beschäftigten »keine Alternative« gewesen sei, »haben sie sich mehrheitlich in Verdi zusammengeschlossen«. Der ausgehandelte Tarifvertrag habe »die Bedingungen deutlich verbessert und Tarifflucht unattraktiver gemacht«. Um letztere »grundsätzlich zu unterbinden«, brauche es Eingriffe des Gesetzgebers. Den Kranich dürfte freilich freuen, dass er mit Verdi einen sozialpartnerschaftlicheren Verhandlungspartner gefunden hat. Die vorzeitige Schließung der City Line verurteilte Reschinsky und forderte »einen guten Sozialplan für die Beschäftigten« sowie »Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten«.

Letztere könnte Lufthansa in den Verhandlungen mit UFO und VC fortan als Druckmittel einsetzen: Sollen eure Leute nicht in die Armut abstürzen, müsst ihr ein paar Zugeständnisse machen. Im Stammgeschäft der Lufthansa will UFO für 19.000 Beschäftigte bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen, darunter längere Kündigungsfristen, mehr Vorhersehbarkeit bei den Dienstplänen und entlastende Modifikationen der Arbeitszeiterfassung. VC, die unter anderem für bessere betriebliche Altersversorgung kämpft, sah sich am Freitag sogar genötigt, einen Angriff auf das Streikrecht durch den Lufthansa-Aktionär Karl Gernandt abzuwehren: Aktionäre, die vom Missbrauch des Streikrechts sprechen, seien vor allem eins, nämlich »wenig seriös«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.04.2026, Seite 1, Titel

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