Lufthansa am Boden
Von Gudrun Giese
Für Passagiere der Fluggesellschaften Lufthansa und Lufthansa-Tochter Cityline lief am Freitag wenig auf den deutschen Airports: Die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation (UFO) hatte nach einer Urabstimmung Ende März zu einem ganztägigen Streik aufgerufen.
Seit Wochen kämen die Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag bei der Lufthansa nicht vom Fleck, hieß es seitens UFO. Außerdem sei das Management der Fluggesellschaft bisher nicht bereit, über einen Sozialtarifvertrag für die rund 800 Beschäftigten bei der Regionaltochter Cityline zu verhandeln. Deren Flugbetrieb soll im kommenden Jahr eingestellt und durch eine neue Gesellschaft unter der Bezeichnung Lufthansa City Airlines ersetzt werden. Für die etwa 19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa geht es um bessere Arbeitsbedingungen. So fordert die Organisation eine bessere Planbarkeit der Einsätze und längere Kündigungsfristen. In keinem Bereich habe sich die Geschäftsleitung auf die Beschäftigtenvertreter zubewegt, kritisierte UFO. Solange kein verhandlungsfähiges Angebot vorliege, bleibe den Belegschaften als Druckmittel nur der Streik.
In der Urabstimmung hatten sich die Kabinenbeschäftigten der Lufthansa mit 94 Prozent, die der Regionaltochter Cityline mit knapp 99 Prozent für den Streik ausgesprochen. »Diese Situation wäre vermeidbar gewesen«, erklärte der UFO-Vorsitzende Joachim Vázquez Bürger. »Wir haben die Osterfeiertage bewusst von Arbeitskampfmaßnahmen ausgenommen, um die Auswirkungen für Reisende so gering wie möglich zu halten.« Dass es nun zu Beeinträchtigungen bei der Rückkehr aus den Ferien kommen könne, bedauere UFO ausdrücklich. Bereits Mitte Februar hatten UFO und die Pilotenvereinigung Cockpit am selben Tag die Lufthansa bestreikt. Die Piloten schlossen Mitte März einen weiteren zweitägigen Arbeitskampf an. Auch für diese Beschäftigtengruppe steht nach wie vor eine Tarifvereinbarung aus.
Die Lufthansa-Chefs versuchten, den Ball an die Gewerkschaft zurückzuspielen. Tragfähige Lösungen könnten nur im Dialog gefunden werden, teilte der Konzern am Mittwoch abend mit. Streiks müssten das letzte Mittel bleiben. UFO wurde aufgefordert, »die Gespräche mit uns wieder aufzunehmen. Wir sind jederzeit dazu bereit.« Die Beschäftigtenvertretung habe sich aber bisher nicht auf ernsthafte Verhandlungen über die von Lufthansa präsentierten Vorschläge zum von UFO gekündigten Manteltarifvertrag eingelassen. Vor allem der Zeitpunkt des Streiks am Ende der Osterferien machte dem Unternehmen zu schaffen. Dass mit Lufthansa und Lufthansa Cityline zwei Flugbetriebe gleichzeitig bestreikt würden, eskaliere den Konflikt und sei verantwortungslos, kritisierte Personalvorstand Michael Niggemann laut tagesschau.de am Donnerstag.
Betroffen vom Streik der Flugbegleiter waren am Freitag die Mehrzahl der Lufthansa-Abflüge von den Flughäfen Frankfurt am Main und München. Von ein Uhr nachts bis 22 Uhr wurden zudem Starts der Cityline von den Flughäfen Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart bestreikt. Nach Angaben des Flughafenverbandes ADV könnten über den Freitag insgesamt mehr als 520 Flüge entfallen.
Lufthansa hatte vorab angekündigt, als Reaktion auf den Arbeitskampf zusätzliche Flüge von nicht bestreikten eigenen Airlines anzubieten: Discover, Lufthansa City und Eurowings sollen dafür ebenso zum Einsatz gekommen sein wie die internationalen Töchter Austrian Airlines, Swiss, Brussels Airlines, Air Dolomiti und ITA Airways. Sie sollen zusätzliche Frequenzen anbieten und auf ihren Flügen von und nach Deutschland größere Flugzeuge einsetzen, berichtete tagesschau.de. Einen ganzen Sonderflugplan hat Lufthansa veröffentlicht, von dem allerdings, so der Konzern am Freitag mittag, nur ein Drittel umgesetzt worden sei.
Wie es nach dem Streik weitergehen wird, ist bisher offen. Immerhin hat sich die Lufthansa vor kurzem mit der Gewerkschaft Verdi auf einen neuen Tarifvertrag für die rund 20.000 Beschäftigten im Bodendienst geeinigt. Zudem gab der Konzern am Freitag bekannt, dass er sich mit Verdi ganz ohne Arbeitskampf, also sozialpartnerschaftlich wie eh und je, auf einen Tarifvertrag für die neue Münchener Tochtergesellschaft City Airlines geeinigt habe. Neben höheren Gehältern seien bei einer Laufzeit von drei Jahren demnach zusätzliche freie Tage, ein Tag mehr Urlaub und Regelungen zur Arbeitszeit vereinbart worden. Verdi fasst somit auf Kosten von UFO bei Lufthansa Fuß.
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
Wolfgang Simlinger/IMAGO28.03.2024Austrian Airlines blockiert Wiener Flughafen
Bihlmayerfotografie/IMAGO15.03.2024Auf dem Boden geblieben
Sven Hoppe/dpa02.07.2022Wann, wenn nicht jetzt?
Regio:
Mehr aus: Inland
-
Was macht diese Atombomben für die Region so gefährlich?
vom 11.04.2026 -
Ohne Kommentar
vom 11.04.2026 -
Aus welchem Grund wurde die Anklage nicht zugelassen?
vom 11.04.2026 -
Dialog oder Invasion
vom 11.04.2026 -
Schwerwiegende Gründe
vom 11.04.2026 -
Busse stehen still
vom 11.04.2026
