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Geschmähter des Tages: Deus ex Machina

Foto: IMAGO/Dreamstime
Fuck off, clanker!

Jahrtausende ist die stille Hoffnung all jener inzwischen alt, deren Lohn fürs Tagewerk kaum über Unterkunft und Lebensmittel hinausreicht: Eines Tages möge eine göttliche Maschine auftreten, mächtig genug, dem Menschen alle lästige Arbeit zu ersparen, ihn endlich ins Reich jenseits der Notwendigkeit zu entlassen. Seit Talos, der Mythos blieb, schuf man zahlreiche Automaten, für einige Zeitalter aber überwiegend in Gestalt nutzloser Spielereien zur Erheiterung irgendwelcher Monarchen; andernfalls lief man Gefahr, der Hexerei bezichtigt und gerichtet zu werden.

Nur ging der Traum von weniger Arbeit auch dann nicht in Erfüllung, als die Maschinen, durch die Erkenntnisse moderner Physik belebt, tatsächlich seriell Eingang in die Produktionssphäre fanden. Wieder waren es die Herren, nun Kapitalisten, die, einmal in den Genuss der maschinell potenzierten Arbeitskraft gekommen, nicht genug von selbiger bekamen und darum jedes bisschen Erleichterung durch mehr Tempo, weitere Aufgaben oder schlicht weniger Lohn zunichtemachten – bis die Vision des Deus ex Machina von allen guten Geistern verlassen war.

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Heute lässt man Gott gemeinhin eine tote Frau sein und hat das Spiel der Automatisierung weitgehend durchschaut. Letztere wird eher mit Jobverlust und Arbeitslosigkeit assoziiert als mit Luxus und Müßiggang. Wer heute noch göttliche Maschinen fertigen will, leidet entsprechend unter Rechtfertigungsdruck. Darum haben Microsoft, Facebook und Google, allesamt Entwickler künstlicher Intelligenz (KI), ihre Vorfeldorganisation auf deutschem Boden, den Digitalverband Bitkom, beauftragt, ein bisschen Stimmung zu machen. »KI macht drei Vierteln seiner Nutzer Spaß«, teilte der am Dienstag mit und gestand dann ein: 42 Prozent der Bevölkerung würden trotzdem »lieber ohne KI leben«. Man kommt zur Besinnung – heureka!

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.05.2026, Seite 3, Ansichten

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