-
16.04.2026
- → Betrieb & Gewerkschaft
Ein toter Arbeiter und ein Brand
Ein weiterer Amazon-Beschäftigter stirbt während der Schicht. Ein Lagerhaus brennt – wohl aus Protest
Der Tod eines Arbeiters in einem Amazon-Vertriebszentrum in Troutdale, Oregon, versetzte die Belegschaft in Schock, darunter Auszubildende an ihrem zweiten Tag, die miterlebten, wie ein Kollege direkt neben ihnen zusammenbrach. Der Mann starb am Montag, dem 6. April, im zweiten Stock des Lagerhauses, während Maschinen der Laderampe weiterliefen. Um 13.55 Uhr setzte ein Mitarbeiter einen Notruf ab, der Dispatcher leitete ihn über Lautsprecher zur Nutzung eines Defibrillators an. Parallel schilderte ein weiterer Beschäftigter in einem zweiten Anruf die dramatische Lage: Der Kollege liege reglos am Boden, blute stark am Kopf und wirke bereits bläulich.
Sam, eine anonymisierte Angestellte vor Ort, berichtete gegenüber The Western Edge, dass kurz nach dem Zusammenbruch des Mannes eine Frau herbeieilte und weinend sowie um Hilfe rufend mit der Herzdruckmassage begann. Sam, die eine Erste-Hilfe-Ausbildung hat, bat ihre Vorgesetzte um Unterstützung, erhielt jedoch keine Antwort, während diese der Reanimation zusah. »Ich fing an zu schluchzen und sagte: ›Ich möchte helfen, bitte!‹ Ich weiß, dass sie irgendwann müde wird und abgelöst werden muss«, schilderte sie.
Die sichtlich geschockte Vorgesetzte habe lediglich entgegnet, dies müsse das Management oder das Sicherheitsteam übernehmen, und habe Sam aufgefordert, weiterzuarbeiten: »Dreh dich einfach um und schau nicht hin. Lass uns weiterarbeiten.« Erst später trafen Rettungskräfte ein und sperrten den Bereich des Lagers, in dem der Mann lag, ab.
Trotz des Vorfalls sei der Betrieb laut mehreren Beschäftigten noch über eine Stunde weitergelaufen. Mitarbeiter wurden angewiesen, weiterhin Waren zu kommissionieren und zu verladen, während der Mann tot dalag und die Leitung über das weitere Vorgehen beriet. Die Nachricht verbreitete sich rasch im Gebäude, doch eine sofortige Unterbrechung blieb aus. Auch eine Woche später wussten viele Beschäftigte noch nicht, woran der 46jährige gestorben war. Amazon erklärte schließlich, eine »Vorerkrankung« sei die Ursache gewesen.
Dies ist nicht der erste Vorfall in der Anlage im Raum Portland, die laut Daten der Arbeitsschutzbehörde zu den Amazon-Distributionszentren mit den höchsten Verletzungsraten zählt. 2018 erlitt mehr als ein Viertel der Beschäftigten im als PDX9 bekannten Gebäude eine Arbeitsverletzung. Beschäftigte beschrieben das große Lagerhaus zudem als stark vernachlässigt; regelmäßig träten Kakerlaken, Mücken und Motten auf, ohne dass dagegen wirksam vorgegangen werde.
Amazon ist das prominenteste Beispiel einer Branche, die von Überarbeitung, einem hohen Verschleiß von Angestellten und schlechter Bezahlung geprägt ist. Welche Konsequenzen diese Bedingungen haben können, zeigte sich zuletzt in Kalifornien, wo ein 29jähriger Mann im Zusammenhang mit einem Großbrand verhaftet wurde, der ein Kimberly-Clark-Verteilzentrum zerstört hatte. Bei dem Feuer, das rund 175 Feuerwehrleute im Einsatz erforderte, wurden Papierprodukte im Wert von etwa 500 Millionen US-Dollar vernichtet, und das 150 Millionen US-Dollar teure Lagerhaus wurde zerstört, jedoch wurde niemand verletzt. In einem auf Instagram veröffentlichten Video soll er laut den Ermittlungen gesagt haben: »Ihr hättet uns einfach genug zahlen müssen, um davon leben zu können«, während er Paletten mit Papierprodukten in Brand setzte und ergänzte: »Die haben es verdient … verdammte acht Stunden, sechs Tage … und müssen weiterhin Miete für eine beschissene Wohnung zahlen, die ich mir verdammt noch mal nicht leisten kann, um darin zu leben.« Der Mann soll sich zudem laut US-Staatsanwalt Bill Essayli in einem Telefonat nach der Tat mit einem Zeugen mit Luigi Mangione verglichen haben. Mangione ist Hauptverdächtiger im Mord an dem Multimillionär und United-Healthcare-Chef Brian Thompson.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 2,3
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
