Zum Inhalt der Seite

Keine Friedenspartei

Rücktritt des AfD-Politikers Lucassen

Foto: IMAGO/HärtelPRESS
2023 in Chemnitz beteiligten sich auch AfD und faschistische »Freie Sachsen« an einem Ostermarsch (10.4.2023)

Der verteidigungspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Rüdiger Lucassen, hat hingeschmissen. Auch als Obmann im Verteidigungsausschuss sowie als Sprecher des fraktionsinternen Arbeitskreises Verteidigung trat der Oberst a. D. am Montag abend zurück. Damit kam er einem fraktionsinternen Misstrauensantrag zuvor, der dem Berufssoldaten sein soldatisches Auftreten ankreidete und inhaltliche »Alleingänge« rügte.

Zuvor scheiterte Lucassens Vorstoß im Bundestag für eine sofortige Einführung der Wehrpflicht am Einspruch der ostdeutschen AfD-Landechefs unter dem Titel »Keine Wehrpflicht für fremde Kriege«. Einer Annäherung an Russland widersetzt sich der frühere NATO-Referent als Transatlantiker aus Prinzip.

Anzeige

Der Zeitpunkt seines Rücktritts war gut gewählt. Die Landtagswahlen im Westen der Republik, wo viele Rechtswähler traditionell eher russlandfeindlich und NATO-freundlich gestimmt sind, waren gelaufen. Im Herbst wählen dann neben Berlin auch Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihre Landesparlamente, wo sich die AfD Chancen auf den ersten Platz ausrechnet. Doch Wehrpflicht und Konfrontationskurs mit Russland – der sich für viele zudem bereits negativ im Geldbeutel niedergeschlagen hat – kommen bei der ostdeutschen Wählerschaft nicht gut an. Darauf muss die AfD Rücksicht nehmen.

Zur Friedenspartei, als die sich die Partei für Faschisten vor allem mit Blick auf den Ukraine-Krieg zu inszenieren sucht, wird sie damit keineswegs. Die AfD, deren Chefin Alice Weidel als erste deutsche Spitzenpolitikerin fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Aufrüstung forderte, steht für ein waffenstarrendes Deutschland. Sie befürwortet Auslandseinsätze der Bundeswehr, wenn sie im Interesse des deutschen Kapitals sind. Die Wiedereinführung der Wehrpflicht findet sich in ihrem Grundsatzprogramm. Doch heute setzt die AfD darauf, mit verlogener Friedensrhetorik Wahlen zu gewinnen. So gestärkt an die Schalthebel staatlicher Macht gelangt, will sie dann mitbestimmen, in welche Kriege die zwangsverpflichteten Arbeiter in Uniform entsandt werden. Man täusche sich daher nicht: Ob mit Stahlhelm oder Friedensfahne – die AfD bleibt eine Schrittmacherin des deutschen Militarismus.

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 15.04.2026, Seite 1, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!