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Aus: Ausgabe vom 10.04.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Iran-Krieg

Kein Aufatmen

Weltwirtschaft steht wegen Iran-Krieg weiterhin Kopf. Globaler Mangel an Erdöl und Petrochemikalien
Von Susanne Knütter
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In Irland protestierten dieser Tage geprellte Kraftfahrer gegen die hohen Spritpreise (Dublin, 9.4.2026)

Etwas mehr als einen Monat Krieg gegen den Iran und die Weltwirtschaft steht Kopf. In Irland sorgen Proteste gegen die durch den Iran-Krieg gestiegenen Kraftstoffpreise bereits den dritten Tag in Folge für Einschränkungen. Lkw und Traktoren blockieren unter anderem Straßen und Treibstofflager, darunter etwa die wichtige Raffinerie Whitegate in Cork. Auch am Hafen von Galway kommt es zu Blockaden. Inzwischen soll den Angaben nach auch die irische Armee eingesetzt werden, um große Fahrzeuge, die kritische Infrastruktur blockierten, zu entfernen, wie der irische Justizminister Jim O’Callaghan laut Medien am Donnerstag erklärte.

In Hongkong haben fast 80 Prozent der Fischer ihren Betrieb eingestellt. Das machen sie zwar immer wegen des Fischereimoratoriums zum ersten Mai, dieses Jahr aber fast einen Monat früher, wie die South China Morning Post berichtete. Grund ist die Verdopplung der Preise für das industrielle »Red Oil« seit Kriegsbeginn.

Die Preise essentieller Roh- und Zusatzstoffe gehen durch die Decke. Die Spotpreise für primäres LDPE (Low-Density Polyethylen), was der Grundstoff für etwa Plastetüten ist, stiegen zwischen Februar und März 2026 um nahezu 50 Prozent, wie das Branchenportal K-Zeitung am Dienstag berichtete. Dabei ist ein Mangel noch nicht einmal eingetreten. Laut dem Gesamtverband der Kunststoffverarbeitenden Industrie weisen 39 Prozent der befragten Betriebe die gegenwärtig erhobenen Preisforderungen strikt zurück, 28 Prozent verlangen detaillierte Nachweise für die Kostensteigerungen. 37 Prozent der Unternehmen prüfen derzeit die Substitution ihrer Rohstoffe, insbesondere durch Regranulate.

Was eine Verlängerung des Krieges gegen Iran wirtschaftlich bedeuten würde, machte der angegriffene Staat zum Beispiel am Dienstag klar. Einen Tag, nachdem Israel Irans größten petrochemischen Komplex in Asalujeh angegriffen hatte, reagierte die Islamische Republik ihrerseits, indem sie die petrochemischen Industrieanlagen im saudiarabischen Dschubail angriff. Nach schweren Detonationen sei in den Anlagen von Saudi Basic Industries Corporation (SABIC) ein Brand ausgebrochen, wie Nachrichtenagenturen berichteten. Das saudiarabische Verteidigungsministerium hatte zuvor erklärt, die Armee habe sieben ballistische Raketen abgefangen.

SABIC ist ein weltweit führender Chemiekonzern mit Sitz in Riad und zu 70 Prozent im Besitz des Ölgiganten Saudi Aramco. Das Unternehmen ist einer der größten Petrochemieproduzenten der Welt, spezialisiert auf Kunststoffe, Chemikalien und Dünger. Damit ist er ein Schlüsselakteur in Branchen wie Automobilindustrie, Bauwesen und Verpackung. Auch das Industriegebiet von Dschubail selbst ist eines der größten der Welt. Dort befinden sich Stahlwerke, Erdölraffinerien und Fabriken für weitere Erdölprodukte, Schmieröl und Kunstdünger. Hier sind milliardenschwere Joint Ventures zwischen Saudi Aramco und SABIC sowie westlichen Energiekonzernen angesiedelt.

Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erklärten in einer Stellungnahme, sie hätten den Sadara-Komplex – ein 20-Milliarden-US-Dollar-Joint-Venture zwischen Aramco und Dow, das vergangene Woche stillgelegt wurde – sowie weitere Anlagen in Jubail, darunter eine von Exxon Mobil, »mit Mittelstreckenraketen und mehreren Selbstmorddrohnen effektiv angegriffen«. Die Aktienmärkte stellten am Donnerstag zwar Unsicherheiten über künftige Produktionskapazitäten in Rechnung. Im Falle von Exxon Mobil war aber vor allem von den beschädigten Anlagen in Katar die Rede.

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