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Tappen im dunkeln

Treibstoffkrise und Politik

EU
Foto: Qatar News Agency/Handout via Reuters

Giorgia Meloni meldet sich vor Ostern auf ihrem Youtube-Kanal vom Besuch auf der arabischen Halbinsel: Sie sei dort, weil auch in Italien die gesamte benötigte Energieversorgung ausbleiben könne. Am Dienstag schlug der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Pirol, im französischen Le Figaro Alarm: Die aktuelle Krise sei »schwerwiegender als die von 1973, 1979 und 2022 zusammen«. Die Weltwirtschaft stehe vor einem »schwarzen April«, weil »nicht nur Öl und Gas, sondern auch Düngemittel, Petrochemikalien, Helium und vieles mehr« aus der Golfregion ausblieben. In Indien verringerte sich im März der Import von Speiseöl um neun Prozent, weil viele wegen der hohen Gaspreise nicht mehr kochen können. Andere Staaten Asiens schränken Luft- und Taxiverkehr ein.

Die Zeichen stehen auf Sturm, Donald Trump bemüht sich, einen Wirtschaftstornado über den gesamten Globus ziehen zu lassen. Im Moment bilden sich zwei Inseln relativer Ruhe heraus: China und die EU. Die Volksrepublik hat sich offenbar langfristig auf eine Krise fossiler Energieträger eingerichtet und ihren Bedarf daran relativ durch Elektrifizierung, Ausbau der Nutzung von Wind-, Solar- und Wasserkraft gesenkt. Die EU ist derweil in Schockstarre. Die zuständigen EU-Minister treffen sich ab Donnerstag – nach fast sechs Wochen Krieg.

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Die Bundesregierung macht sich mit ihrer Tankpreisregelung lächerlich und lässt den Mineralölkonzernen freie Hand. Die Wirtschaftsministerin, vor einem Jahr noch Vorstandsvorsitzende der Eon-Tochter Westenergie, kommt am Dienstag mit einem Gastbeitrag auf faz.net aus der Versenkung, konstatiert »eine der schwersten Energiekrisen der Geschichte«, schreibt aber nicht, was sie tun will, sondern setzt lediglich ihren Kampf gegen die sogenannte Energiewende fort. Das ganze Wendeunternehmen wurde in der Rückschau mit Habeck und Baerbock spätestens 2022 eine Autarkiehalluzination, um Kriegstüchtigkeit gegen Russland zu erreichen. Der Schuss ins Knie der deutschen Industrie hat gesessen: Rezession, Stagnation und Deindustrialisierung. Da hat Reiche schlechte Karten von den »grünen« Strategen und ihren SPD-Helfern in die Hand gedrückt bekommen.

Nur zart melden sich daher Lars Klingbeil mit EU-Kollegen sowie andere SPDler mit dem Ansinnen zu Wort, die EU möge doch eine Übergewinnsteuer für Abzockerkonzerne erwägen. Eine Antwort bekamen sie nicht. Am Dienstag knackte dafür der Dieselpreis im BRD-Durchschnitt die Marke von 2,50 Euro. Im französischen Nantes blockierten aus Protest Bauunternehmen die Stadtautobahn, Fischer die wichtigsten Häfen Korsikas. In der Bundesrepublik passiert das nicht. Bundesregierung und Spritverbraucher bleiben ruhig. Denn Ölkonzerne sind unantastbar, und an den Tankstellen scheint die Schmerzgrenze nicht erreicht. Den Rest erledigt Trump – eventuell in der Nacht zum Mittwoch mit der Drohung: »Eine ganze Zivilisation wird sterben.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.04.2026, Seite 3, Ansichten

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  • Istvan Hidy aus Stuttgart 8. Apr. 2026 um 09:59 Uhr
    Die Weltwirtschaft steht nicht nur vor einem »schwarzen April«, sondern womöglich vor einem ganzen schwarzen Jahr. In Indien und weiten Teilen Ostasiens – selbst in China – verschärft sich die Lage deutlich. China hat nach Venezuela inzwischen auch den Iran als wichtigen Öllieferanten verloren und muss, mit Ausnahme Russlands, weiterhin in Petrodollar für Energieimporte zahlen. Auch die EU und Deutschland haben im globalen Öl-Poker schlechte Karten. Dennoch scheint sich zumindest perspektivisch eine mögliche Lösung im Hintergrund abzuzeichnen – etwa im geopolitischen Spannungsfeld zwischen Alaska, Trump und Putin. Es zeichnet sich ab: Die USA bringen die wichtigsten Öl- und Gasleitungen unter ihre Kontrolle – ob über die Ukraine oder die Nordsee –, während russische Energie zukünftig wieder in die EU fließt, bezahlt in Petrodollar. Für die USA wäre es schließlich ebenfalls keine attraktive Option, die EU wirtschaftlich vollständig austrocknen zu lassen.
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