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Lawrence des Tages: Björn Uwe Höcke

Foto: IMAGO/Hanno Bode
Auffallend unamerikanisch: Björn Höcke

Mittlerweile gerichtsfest sagbar: Björn Höcke ist das Pseudonym, unter dem Landolf Ladig sich öffentlich zeigt. Kämpfer gegen Verwässerung des Volkskörpers, Amerikanismus, Genderwahn und Schuldkult, steht er selbst in der AfD am rechten Rand. Dem einen nämlich. Der andere rechte wird von Alice Weidel geführt. Dazwischen gibt es wenig. Weidelmänner und Höckeristen fremdeln eigentlich bloß in zwei Fragen: Erstere folgen der kapitalfreundlichen Hugenberg-Linie, letztere dem sozial getünchten Nationalismus der Strasser-Linie. Erstere schauen nach Westen, für Anschluss an rechte Netze in transatlantischen Staaten, letztere bevorzugen den Rundblick im eigenen Land, ihm alte Stärke zu verleihen.

Folgerichtig treibt Höcke die Frage um, was eigentlich deutsch sei, und wer so fragt, weiß die Antwort längst. Jetzt hat er sein Wissen mit der Weltwoche geteilt: »Im Osten sind die Menschen noch Deutsche, im Westen haben sie (…) sich von der amerikanischen Kultur völlig usurpieren lassen.« Ein Usurpator ist einer, der es in eine Machtposition geschafft hat, die ihm nicht zusteht. Einer wie Höcke nämlich. Im Westen geboren, hat er sich 2008 auf den neudeutschen Jakobsweg gemacht mit Endziel Dresden, Symbolstadt deutschen Leidens unter amerikanischer Tyrannei. In Thüringen ließ er sein Blut in den Boden, seit 2014 leitet er im Landtag dort die AfD-Fraktion. Die Grabinschrift dürfte feststehen: Höcke kam nur bis Bornhagen.

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Er wäre nicht der erste Besatzer, der die Wilden unter falscher Flagge führt. Ein White Savior, ein T. E. Lawrence, ein John Dunbar, ein Jake Sully. Alles englische Namen, verdammt. Das Geschäft der AfD besteht darin, ostdeutsches Missbehagen am sozialen Gefälle in nationalen Furor zu führen, und da die DDR die ostelbischen Junker weidlich vertrieben hat, müssen den Job heute westelbische Nichtjunker erledigen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.06.2026, Seite 3, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Onlineabonnent*in Marian R. aus B. 11. Juni 2026 um 23:49 Uhr
    Höckes Erfolg liegt zum Teil darin begründet, daß die AfD u.a. die Sprache verstehen, die AfD-Wähler sprechen bzw. in der sie angesprochen werden wollen. Viele 'Linke' artikulieren Gegenteiliges nur aus Prinzip und ohne Verstand, geschweige denn Analyse. Beispiele: 1. Multikultur und ihre Probleme: Statt internationalistischer Solidarität - Bleiberecht für Alle bzw. Masseneinwanderung 2. Gendervielfalt: Statt Gleichberechtigung für alle Menschen ohne Thematisierung ihrer Sexualität - Diversität ist grandios und jeder muß! sie gut finden. 3. Familienbild: Statt kritischer sozialistischer Familienpolitik - Patchwork u.ä. als Vorbild. 4. Abtreibung: Statt echter Gleichberechtigung von Frauen und Kindern - Abtreibung als harmlose Bagatelle. Die Erinnerung an den positiven, unspektakulären Umgang der DRR mit diesen 4 (exemplarischen) Punkten bietet der AfD vielfältigste Anknüpfungspunkte auf oberflächlicher Ebene - das reicht leider den meisten 'Ossis', die 1989 ihr Land verrieten und nun diesen positiven Seiten des von ihnen - in ihrer Gier nach Bananen und Westmark - verachteten Staates DDR nun hinterhertrauern.
  • Frank Lukaszewski aus Oberhausen 11. Juni 2026 um 12:00 Uhr
    Der offen als Faschist bezeichenbare, dumpf-deutsche Exgeschichtslehrer Björn Höcke, Westimport, will zeitnah in Thüringen die Machtergreifung orchestrieren. Nebenbei: Von neuerer deutscher Historie scheint bei ihm trotz Studium nicht viel hängen geblieben zu sein. Bevor das Rostbratwurstbundesland an der Reihe ist, gedenkt seine wirtschaftsliberale, kapitalfreundliche Partei AfD, sozusagen eine extrem braun gebrannte FDP, in Sachsen-Anhalt sowie Meck-Pomm die eigene Mehrheit zu erreichen. Kurz: Faschos ante Portas! Als eine der vielen diesbezüglichen Fragen, welche sich herauskristallisieren, gilt: Warum haben diese real existierenden Nachfolger des Deppen sowie Massenmörders aus Braunau am Inn solchen Erfolg? Wie kann es sein, dass jenes als in Teilen gesichert faschistisches, kapitalfreundliches Machtergreifungsinstrument namens AfD gerade bei Arbeitnehmerinnen und -nehmer, Renterinnen und Rentner, Grundsicherungsbezieherinnen und -bezieher, chronisch Kranken sowie Kleinunternehmerinnen und -unternehmer solch Anklang findet? Warum wählen genannte in nicht unerheblicher Zahl eine politische Gruppierung, die explizit, im Programm der Rechten nachzulesen, gegen eigene Interessen zu handeln versprechen? Wie wird dieser Spannungszustand der kognitiven Dissonanz eigentlich aufgelöst? Weil man es »den anderen« mal zeigen kann? Oder liegt dem eine eine morbide Grundeinstellung zugrunde? Übrigens: Frauen als auch Jungwählerinnen und -wähler machten bei der Bundestagswahl 2025 signifikant seltener das Kreuz bei den AfD-Dumpfbacken, als vielbeschworener Durchschnitt.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

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