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Besser allein

Foto: Ebrahim Noroozi/Pool AP/dpa

Der Franzos’ hat Schuld, ist doch klar. Ein deutsch-französisches Rüstungsprojekt ist beerdigt worden, und hierzulande schreiben Zeitungen, die auf sich halten, selbstverständlich nicht, was einen die Sache lehren könnte, sondern wahlweise von »Debakel« oder »Desaster« oder einem »verheerenden« Signal, das von der Absage an die Entwicklung eines gemeinsamen Kampfjets ausgeht. Versteht sich, dass niemand auch nur mit einem Halbsatz die Frage stellt, ob denn überhaupt Kriegsflugzeuge benötigt werden. Täte einer das, würde er in diesem Justemilieu wohl für geistesgestört erklärt werden.

Es sinkt also an diesem Tag für Sie: das Niveau. Das FCAS-Aus ist »für Europas Verteidigung ein schwerer Rückschlag«, klagt die Süddeutsche Zeitung. In diesen »geopolitisch äußerst gefährlichen Zeiten« ist das »ein erbärmliches Bild der Schwäche, das Europa hier abgibt«.

Nicht anders das Lamento in der Welt: »ein Desaster – politisch jedenfalls«. Da haben die Verantwortlichen schlicht die Zeichen der Zeit nicht erkannt. »Mit Blick auf die Spannungen im westlichen Bündnis (…) ist es verheerend, dass Paris und Berlin mit ihrer Zusammenarbeit nicht zurande kommen.« Ganz einfach deshalb, weil »das Gefühl der Schicksalsgemeinschaft verlorengegangen« ist.

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Ist denn der Gefühlsverlust beim Deutschen oder beim Franzosen stärker ausgeprägt? Sicher ist für deutsche Gazetten, dass die Absage ans gemeinsame Projekt vor allem Macron anzulasten ist. Die NZZ: »Besonders unerquicklich ist dabei die Rolle Emmanuel Macrons. (…) Frankreichs Präsident hat offenkundig weder die eigene Industrie disziplinieren noch sie zu einem europäischen Kompromiss bewegen können.«

Die Nürnberger Zeitung: »Dieses Scheitern ist auch eine persönliche Schlappe für Macron. Der einst so furios gestartete französische Präsident erscheint zunehmend machtlos, auch hinsichtlich der deutsch-französischen Partnerschaft, die er stets so hochhielt.«

Und schließlich noch einmal die Süddeutsche Zeitung: »Dass Macron bei solch einem zentralen europäischen Projekt wie dem Kampfjet nicht vorankam, ist nicht untypisch für ihn und seine Ära: viel geredet und wenig geschafft.«

Ostentativ gelassen hingegen die FAZ: Die Absage an FCAS »ist weder ein deutsch-französisches noch ein europäisches Drama«. Jetzt bestehe gegen eine starre binationale Industriepolitik mehr »Freiraum für unternehmerische Initiativen und mehr Wettbewerb«. Übersetzt: Hier wird einem deutschen Alleingang das Wort geredet. Passend, dass die Zeitung aus Frankfurt am Main als erste von einer Absichtserklärung deutscher Rüstungsschmieden berichtete, wonach ein entsprechender Kampfjet in Eigenregie entwickelt werden solle. (brat)

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.06.2026, Seite 2, Ansichten

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