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Lohnabhängige aus Myanmar

Menschenhandel in Singapur

Falsche Jobversprechen, vorenthaltene Löhne. Besonders betroffen sind Lohnabhänge aus Myanmar

Foto: IMAGO/YAY Images

Die Liste an Beschwerden ist lang – sie reicht von versprochenen Jobs, die gar nicht existieren, über nicht ausbezahlten Lohn bis hin zu fragwürdigen Tätigkeiten, die mit dem ursprünglichen Arbeitsplatzangebot nichts zu tun haben. NGOs, die sich im Stadtstaat Singapur um migrantische Arbeitskräfte aus Myanmar kümmern, schlagen Alarm: Die Fälle von betrügerischen Machenschaften, denen die Arbeitssuchenden ausgesetzt sind, haben in den zurückliegenden Jahren deutlich zugenommen.

Eine der Anlaufstellen für Betroffene ist die Humanitarian Organisation for Migration Economics (HOME), die einige aktuelle Fallbeispiele am 12. März über das Nachrichtenportal Channel News Asia (CNA) publik gemacht hat. So berichtete eine junge Frau, mit der die CNA-Reporter sprachen, sie habe über eine Vermittlungsagentur, die dafür 4.500 US-Dollar kassierte, eine Anstellung in einem Schönheitssalon erhalten. Bei Ankunft in Singapur erfuhr sie, dass dieser angeblich vorübergehend geschlossen sei. Statt dessen sollte sie nun in einem Massagestudio tätig werden. Dort wurde sie nach kurzer Zeit gefeuert, als sie sich weigerte, sexuelle Dienste zu erbringen. Doch auch ein von der Agentur vermittelter alternativer Job habe sich als ähnlich dargestellt. Als die junge Frau sich abermals weigerte, sei ihr Lohn willkürlich um 60 Prozent gekürzt worden.

Migrantische Arbeitskräfte in Singapur, dem einzigen Industriestaat Südostasiens mit enormem sozialen Gefälle im Vergleich zu sämtlichen Nachbarn in der Region, haben allgemein unter Betrugsversuchen und mitunter Repressalien ihrer Jobanbieter zu leiden. Menschen aus Myanmar sind besonders anfällig, unter die Räder zu kommen: Sie können nicht so einfach zurück in ihre vom Bürgerkrieg zerrissene Heimat, in der zudem eine Militärdiktatur herrscht. Ferner sind die Angehörigen im Heimatland besonders auf die monatlichen Überweisungen angewiesen. Dass es kein formales Arbeitsabkommen mit Singapur gibt, in dem grundlegende Aspekte geregelt sind, bringt myanmarische Arbeitsmigrantinnen und -migranten zudem in eine schwierige Lage, wenn sie sich gegen Rechtsverstöße effektiv wehren wollen.

Um wie viele myanmarische Staatsbürger in der Inselmetropole es sich handelt, ist nicht ganz klar. Einige Schätzungen gehen von etwa 80.000 aus, doch CNA oder ein Artikel des unabhängigen Nachrichtenportals Irrawaddy vom Februar 2025 sprechen sogar von bis zu 200.000. Fakt ist, dass das Militärregime aufgrund von Zwangsrekrutierungen die Ausreise zuletzt erschwerte: Einwohner, die unter die Altersgrenze für den Militärdienst fallen (Männer 18 bis 35, Frauen bis 27 Jahre), dürfen das Land nicht mehr verlassen.

Unter migrantischen Arbeitskräften in der Altenpflege in Singapur stellen Menschen aus Myanmar inzwischen die drittgrößte nationale Gruppe, wie aus einer Studie des Asia Research Institute (ARI) hervorgeht. Auch Bauwirtschaft, Gastronomie und Reinigungsbranche sind Hauptbeschäftigungsfelder. Hinzu kommen Haushaltshilfen in größerer Zahl.

Zu falschen Angaben über die Tätigkeit gesellen sich andere Skandale. So hätten sich einige Vermittlungsagenturen offenbar ein Geschäftsmodell zugelegt, wonach die Beschäftigten schon nach kurzer Zeit unter fadenscheinigen Gründen eine Kündigung erhielten. Die Agentur könne dann lukrativ eine neue Vermittlung für den Arbeitsplatz vornehmen und erneut die Vermittlungsgebühr einstreichen, so HOME-Direktorin Stephanie Chok gegenüber CNA. Solche Praktiken decken sich mit anderen Erfahrungen. So berichteten zwei Männer laut der NGO Transient Workers Count Too, sie hätten jeweils 4.000 US-Dollar Vermittlungsgebühr bezahlt – den von ihrer Agentur versprochenen Job als Küchenhilfe habe es aber gar nicht gegeben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.03.2026, Seite 8, Betrieb & Gewerkschaft

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