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Kinderkrankheit

Neue Masernkrise in Bangladesch

128 Tote, fast 10.000 Infizierte: Regierung und UNO starten Notimpfkampagne

Foto: IMAGO/ABACAPRESS
In weiten Teilen des Landes musste eine Notipmfkampagne gestartet werden (Dhaka, 6.4.2026)

Bangladesch hat gegenwärtig mit dem schlimmsten Masernausbruch seit über einem Jahrzehnt zu kämpfen. Mehr und mehr Menschen erkrankten oder starben im März an der hochansteckenden Infektionskrankheit. Um die Epidemie einzudämmen, plant die neue Regierung von Premierminister Tarique Rahman im Bündnis mit UN-Gliederungen eine umfassende Impfkampagne.

Das Kinderhilfswerk UNICEF hat am Mittwoch ein Lagebild veröffentlicht. Demnach seien 128 Menschen mutmaßlich an den Folgen der Krankheit gestorben. Mindestens 9.883 weitere seien infiziert, 81 Prozent davon Kinder – und zwar in 56 von 64 Provinzen des Staates mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Welt. 72 Prozent aller Fälle entfielen auf ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Kinder, »was auf erhebliche Lücken im Impfschutz hindeutet«. Die nationalen Vorräte an Masern-Röteln-Impfstoffen seien indes erschöpft und das Gesundheitswesen schwerst überlastet, woraus »eine erhöhte Ansteckungsgefahr für gefährdete Kinder« resultiere. Für die am 5. April 2026 eingeleitete Notfallkampagne würden 2,4 Millionen US-Dollar benötigt.

Wie sehr das Gesundheitssystem durch die Masernepidemie überlastet ist, war am 29. März der Zeitung Prothom Alo zu entnehmen. Sie berichtete von den gravierenden Zuständen im Krankenhaus für ansteckende Krankheiten in Dhaka, das über die Hauptstadt hinaus als erste Adresse für der Behandlung von Masern und Windpocken, aber auch von Aids, Tollwut und Blutvergiftung gilt. Normalerweise seien dort acht Betten speziell für Masernpatienten reserviert. Aufgenommen habe die Klinik bis dato aber schon 117 bestätigte Masern- oder Verdachtsfälle. Auf verschiedenen Etagen sollen Mütter in überfüllten Korridoren um die erkrankten Kinder in ihren Armen gebangt haben. Solche Szenen erinnern an die Schreckensbilder, die die Welt während der Coronapandemie in Atem hielten.

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Vergangenen Montag behauptete Gesundheitsminister Sardar Mohammed Sakhawat Husain vor dem Parlament abermals, was als Verlautbarung schon seit geraumer Zeit durch die staatstragenden Medien geht: Schuld an der Misere wären vor allem die politischen Unruhen Mitte 2024. Damals hatten von Studenten angeführte Massenproteste die langjährige Regierungschefin Scheich Hasina Wajed zum Rücktritt gezwungen. Tatsächlich ist die jetzige Regierung, die erst im Februar ihr Amt antrat, nicht für die niedrige Impfquote verantwortlich. Unbestreitbar ist auch, dass eine für Juni 2024 angesetzte Sonderimpfkampagne wegen der politischen Turbulenzen ausgefallen war und von der Interimsverwaltung unter Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus nicht nachgeholt wurde. Auf die von ihm versäumten Bestellungen führen Fachleute auch den aktuellen Impfstoffmangel zurück.

Zugleich verdichten sich die Indizien, dass die Masernepidemie ihren Ursprung in den Flüchtlingslagern bei Cox’s Bazar im Südosten des Landes nahm. Dort haben 2017 rund 1,1 Millionen Rohingya Zuflucht gefunden, die vor den Greueltaten der Armee Myan­mars hatten fliehen müssen. Letztere hatte die muslimische Minderheit im Zuge einer Offensive gegen eine kleine Rebellengruppe mit Morden, Massenvergewaltigungen und Brandschatzung vertrieben. Im vom Bürgerkrieg erschütterten Myanmar und insbesondere Rakhine, der Heimatregion der diskriminierten Rohingya, ist der Impfschutz weit weniger umfassend, als er es bis 2024 bei den Kindern in Bangladesch war. Dass in den heillos überfüllten Camps, deren Infrastruktur seit Jahren eher schlecht als recht funktioniert, eine höhere Infektions- und Verbreitungsgefahr droht, lässt sich nicht leugnen. 190.000 Kinder leben dort unter widrigen Bedingungen. Schon 2017 sei von dort eine Masernwelle ausgegangen, erinnerte The Daily Star.

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.04.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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