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Aus: Ausgabe vom 14.04.2026, Seite 3 / Ausland
Bildung und Abwanderung in Nepal

Wie erreicht man in Nepal Bildungsgerechtigkeit?

Die neue Regierung muss die bisher vernachlässigten Regionen deutlich mehr unterstützen, sagt Phurba Chheten Pradhan
Interview: Thomas Berger
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Schulkinder im Klassenraum der Jeevan-Jyoti-Sekundarschule im nepalesischen Distrikt Kanchanpur (Punarbas, 5.8.2022)

Der Himalayan Trust Nepal ist eine der renommiertesten Nichtregierungsorganisationen des Landes. Können Sie kurz das Profil der Arbeit dieser Organisation umreißen?

Uns gibt es als Organisation schon seit 1960. Unser Team von etwa 45 Mitarbeitern ist mit Projekten und Unterstützungsangeboten im ganzen Land aktiv, die zusammen mit verschiedenen Partnern aus dem In- und Ausland umgesetzt werden. Vor allem zwei Säulen machen unsere Arbeit aus – Gesundheitssektor und Bildung. Ich selbst bin seit drei Jahren für den Himalayan Trust tätig, koordiniere vor allem die Schülerpatenschaften für derzeit rund 300 Kinder und kümmere mich um die Genehmigung der Projektanträge bei den Lokalverwaltungen, damit wir die Ziele umsetzen können. Um Patenschaften für etwa 100 Kinder kümmern wir uns zusammen mit dem Verein Kinderhilfe Nepal aus Deutschland, der uns seit 2022 als Partner hat.

Wie sieht die Hilfe im Bildungsbereich konkret aus?

Wir ermöglichen mit diesen Patenschaften einen gesicherten Schulbesuch der Mädchen und Jungen, in der Regel an staatlichen Schulen. Für viele arme Familien wäre das ohne diese Unterstützung ein Problem. Die Jüngsten besuchen die erste Klasse, die Ältesten stehen in Klassenstufe 12 kurz vor dem Abschluss – und ein paar werden dann auch noch im Studium weiter gefördert. Etwa zehn Kinder werden pro Jahr nach einem klaren Auswahlprozess neu ins Programm aufgenommen.

Nepals Bildungssystem ist im Binnenvergleich, etwa zwischen Kathmandu und den abgelegenen Gebieten, sehr uneinheitlich aufgestellt. In der Hauptstadt dominieren teure Privatschulen, in den Dörfern fehlt es oft an einfacher Substanz. Was hat sich verändert, welche Fortschritte gibt es?

Ich bin jetzt 32. Seit meiner eigenen Schulzeit, für die ich mit sechs, sieben Jahren aus den westlichen Bergen nach Kathmandu kam, gab es nur wenig große Änderungen. Ja, die Zahl privater Schulen hat deutlich zugenommen. Oft ist das Bildungsangebot dort deutlich besser – aber eben auch zu weit höheren Kosten. Auf dem Lande sieht es hingegen teils schlimmer als früher aus, was Probleme der Abwanderung angeht. Es gibt Dörfer, da leben fast nur noch Familien mit ganz jungen Kindern und die Alten, der Rest ist abgewandert. Wir merken dies auch an Schulen abgelegener Orte, in denen von uns unterstützte Kinder lernen und wo die Gesamtschülerzahl kontinuierlich abnimmt. Tatsächlich sind auch etliche der Familien von Patenkindern Tagelöhner, ziehen wegen der Arbeitsangebote immer wieder um. Für diese Mädchen und Jungen ist es sehr schwer, sich jedes Jahr an eine neue Umgebung, eine neue Schule anzupassen und dann auch noch halbwegs gute Leistungen im Unterricht bringen zu sollen. Wir versuchen, wenn da Probleme auftreten, mit zusätzlicher Hilfe bestmöglich zu unterstützen.

Was lässt sich tun, um diese Abwanderung innerhalb Nepals und ins Ausland bis in die Golfstaaten zumindest zu reduzieren?

Dafür müssen mehr fundierte Jobperspektiven vor Ort geschaffen werden, gerade für die Jugend, wenn sie frisch mit der Schule fertig ist. Auch das Bildungssystem bleibt reformbedürftig, was eine qualifizierte Eignung der jungen Leute für den heimischen Arbeitsmarkt angeht. Wir haben nach der Einführung der föderalen Strukturen seit 2015 einige Verbesserungen gesehen, dass die Regionalverwaltungen Entwicklungen auf den Weg zu bringen versuchen. Ganz oft fehlt den zuständigen Stellen aber das nötige Geld, um Krankenhäuser, Schulen oder Straßen zu bauen. Da muss sich bei der Finanzausstattung der unteren Ebenen mehr bewegen.

Welche Hoffnungen setzen Sie in die neue Regierung, die gerade ihr Amt angetreten hat?

Wir erwarten keine Wunder, Veränderungen brauchen ihre Zeit. Wenn es aber in absehbarer Zukunft weniger Korruption und mehr greifbare Fortschrittsakzente gibt, wäre das schon mal wichtig. Es sind bei der Wahl am 5. März viele sehr geeignet scheinende Kandidaten ins Parlament gewählt worden. Nun müssen die aber liefern. Ich möchte mir nicht ausmalen, was im Land passiert, wenn die beträchtlichen Erwartungen erneut enttäuscht werden.

Phurba Chheten Pradhan arbeitet als Projektkoordinator beim Himalayan Trust Nepal, der einst von Mount-Everest-Erstbezwinger Edmund Hillary initiiert wurde

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