Bergbau vergiftet Myanmar
Norden des Landes wird Hotspot beim Abbau seltener Erden. Schwere Folgen für Mensch und Umwelt
Entwaldete und zerlöcherte Berghänge, teils regelrechte Mondlandschaften, dazu kontaminierte Böden und Flüsse sowie zu befürchtende Gesundheitsauswirkungen auch in weit entfernten Gebieten: Myanmar sorgte international vor allem durch den brutalen Bürgerkrieg für Schlagzeilen, doch im Hintergrund der komplexen politischen Konflikte vollzieht sich noch eine andere Katastrophe, ausgelöst durch den Boom bei der Gewinnung von seltenen Erden. Deren Abbau, der im Norden des Landes schon seit längerem etabliert ist und immer neue Gebiete beansprucht, verursacht schwerwiegende Umweltverschmutzung und -zerstörung.
Noch immer gilt China als Platzhirsch bei den begehrten Mineralien, tatsächlich hat die Vormachtstellung gerade bei der Verarbeitung praktisch Monopolcharakter. Doch in der Volksrepublik selbst ist man mehr und mehr darauf bedacht, die Umweltauswirkungen zu minimieren. Myanmar hingegen steht als Abbaugebiet hoch im Kurs. Das Land gilt nach verschiedenen Angaben, etwa der Heinrich-Böll-Stiftung, mittlerweile als Abbaugebiet Nummer eins für die schweren seltenen Erden Dysprosium und Terbium. 60 Prozent des weltweiten Angebots stammen demnach aus dem Norden des Landes. Sie sind Grundstoffe für Dauermagneten, die in verschiedenen Anwendungsbereichen – vom Windturbinenbau über die Elektroautobranche bis hin zum Rüstungssektor – zum Einsatz kommen.
Im nördlichen Kachin-Staat, einem der Landesteile der zahlreichen ethnischen Minderheiten, befinden sich mehrere der weltweit mutmaßlich ergiebigsten Lagerstätten. In deren Zentrum liegen die Kleinstädte Chipwi und Pangwa. Zunächst wurden die Ortschaften von einer mit der Militärjunta verbündeten lokalen Miliz kontrolliert. Bei Kämpfen zwischen 2023 und 2024 gelang der Kachin Independence Army (KIA), einer der größten bewaffneten Organisationen der ethnischen Minderheiten, die Einnahme. Nach nur kurzer Unterbrechung wurde die Förderung wiederaufgenommen. Die KIA und chinesische Vertreter verständigten sich bei Verhandlungen im Dezember 2024 in Kunming auf eine Wiederöffnung der Grenze und ein Steuersystem für die Rohstoffexporte.
Laut Angaben des US-Thinktanks Stimson Centre, die sich mit anderen Quellen decken, hat allein in dieser Region die Zahl der aktiven Bergwerke von 130 im Jahr 2020 auf 370 bis Ende 2024 zugenommen. Die Denkfabrik ISP-Myanmar schrieb ihrerseits im März 2025, die Exporte nach China hätten sich seit dem Putsch auf einen Wert von 3,6 Milliarden US-Dollar verfünffacht. Zwischen 2017 und 2024 sollen demnach rund 290.000 Tonnen seltene Erden ins Nachbarland gegangen sein – Myanmar ist damit längst Chinas Hauptlieferant. Seit 2021 habe die KIO, der politische Arm der KIA, zudem in dem von ihr kontrollierten Bhamo-Distrikt etliche Förderlizenzen erteilt, heißt es in einer 2024 publizierten dreiteiligen Studie in Kooperation der University of Warwick und des Kachinland Research Centre.
Das Umweltschutzportal Mongabay nannte im vorigen Oktober 513 Abbaustellen, darunter 40 neue, deren giftige Rückstände in die umliegenden Flüsse Mekong, Salween und Irrawaddy gelangen würden. Damit sind von den Auswirkungen auch Gebiete etwa im Norden Thailands, gerade im Distrikt Chiang Rai, betroffen, wo teilweise der Fischfang im Kok, einem Zufluss zum Mekong, nicht mehr möglich ist. »Alle drei Wasserproben sind mit Arsen kontaminiert. Aber es gibt auch weitere Belastungen mit Schwermetallen wie Kadmium, Chrom und Quecksilber«, sagte der Toxikologe Wan Wiriya von der Universität Chiang Mai, der im Beisein von Reportern der Deutschen Welle (DW) Proben aus dem Flusswasser untersucht hatte. Der Aktivist Saeng Lee forderte Blutuntersuchungen, »um zu wissen, welche toxischen Substanzen schon in unsere Körper gelangt sind. Wir wissen ja nicht einmal, wann das begonnen hat. Und wir nutzen das Wasser jeden Tag, essen den Fisch.« Von der KIO selbst verhängte Umweltauflagen würden kaum Abhilfe schaffen, berichtete Ende Januar das myanmarische Nachrichtenportal Burma News International.
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