US-Privatmilizen auf Menschenjagd
Von Lars Pieck
Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) hat bereits zehn private Firmen für ihr Kopfgeldprogramm zur Aufspürung von Migranten engagiert. Unter ihnen finden sich frühere Vertragspartner von Geheimdiensten und Militär, Privatdetektive, die auf physische Überwachung spezialisiert sind, sowie ein großer privater Gefängniskonzern. Im November startete die ICE ein Beschaffungsverfahren für sogenannte »Skiptracing«-Dienste, bei denen die Firmen digitale Ermittlungswerkzeuge und Vor-Ort-Überwachung einsetzen, und dafür Prämien erhalten. Ziel sei es, bis zu 1,5 Millionen Migranten ins Visier zu nehmen. Die beteiligten Unternehmen haben bislang mehr als eine Million US-Dollar verdient, und bis zum Vertragsende 2027 könnten die Einnahmen auf über eine Milliarde US-Dollar steigen, wie aus Unterlagen hervorgeht, die von The Intercept geprüft wurden.
Der Boom für Auftragnehmer des Staates fällt in eine Phase, in der die Trump-Regierung Abschiebungen priorisiert und das Budget der ICE um ein Vielfaches erhöht hat. Den größten potentiellen Gewinn aus dem Kopfgeldjägerprogramm könnte »Capgemini Government Solutions« erzielen: Die in McLean, Virginia, ansässige Beratungsfirma des Bundes dürfte über 365 Millionen US-Dollar erhalten. Capgemini arbeitet seit Jahren für das Verteidigungs- und das Heimatschutzministerium und erbringt unter anderem Geheimdienstleistungen für die ICE. Ebenfalls profitieren könnte »Bluehawk LLC« aus Florida, ein langjähriger Pentagon- und Geheimdienstauftragnehmer, der über 200 Millionen US-Dollar aus dem Programm erhalten könnte. Das Unternehmen bietet Informationsbeschaffung, Analyse und Spionageabwehr als Dienstleistung an und wird künftig auch für das Heimatschutzministerium tätig sein. Nach seiner Beteiligung im Krieg gegen den Terror richtet Bluehawk seinen Fokus nun auf Abschiebungsoperationen, unterstützt von ehemaligen hochrangigen Sicherheitsbeamten wie Ronald Burgess, früherer Direktor der Defense Intelligence Agency, und Dell Dailey, einst Leiter des Joint Special Operations Command nach dem 11. September.
Auch weitere Auftragnehmer ohne klassischen Ermittlerhintergrund profitieren von dem Programm. »Government Support Services«, ein Unternehmen, das bundesweit Hausmeister-, Platzwart- und Sicherheitspersonal für Behörden vermittelt, könnte durch das Programm bis zu 55 Millionen US-Dollar einnehmen. »Constellation Inc.«, das bereits Verwaltungsaufträge für das Heimatschutzministerium übernommen hat, rechnet zudem mit möglichen Einnahmen von bis zu 58 Millionen US-Dollar aus der Kopfgeldjagd.
»SOS International«, oder SOSi, ein weiterer erfahrener Militärdienstleister, erhielt einen Auftrag von bis zu 123 Millionen US-Dollar zur Kopfgeldjagd, das Programm wurde im November bekanntgegeben. Das Unternehmen ist ein langjähriger Militärdienstleister, dessen bisherige Arbeit vom Betrieb einer großen Militärbasis im Irak bis hin zu Propagandakampagnen im Ausland reicht.
Weitere beteiligte Unternehmen entstammen dem klassischen Milieu privater Ermittlungsdienste. So etwa »Gravitas Investigations«, das durch den Auftrag mehr als 32 Millionen US-Dollar einnehmen könnte. Das Unternehmen wirbt mit »umfassenden Überwachungsdiensten« und der Fähigkeit, Zielpersonen mittels digitaler Recherche und physischer Observation aufzuspüren.
Zuletzt ist »BI Incorporated« zu nennen, eine auf die Verfolgung von Migranten spezialisierte Kopfgeldjägerfirma und Tochter des privaten Gefängniskonzerns »GEO Group«. Der Konzern konnte seit Trumps Wiederwahl und dem Finanzierungsboom für Abschiebungen deutliche Vermögenszuwächse verzeichnen. Mit lukrativen Verträgen für Aufspüren und Inhaftierung von Migranten könnte allein das Kopfgeldprogramm bis 2027 rund 121 Millionen US-Dollar einbringen. Auf diese Weise profitiert die GEO Group in gleich mehrfach von der laufenden Abschiebungskampagne der Regierung.
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