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Saint Patrick’s Day

Taoiseach mit Tunnelblick

Saint Patrick’s Day: Irlands Premier im Weißen Haus, Sinn Féin bleibt aus Protest gegen Kriegspolitik fern

Foto: IMAGO/ABACAPRESS
Unbeirrt: Micheál Martin feiert auch in diesem Jahr mit dem Kriegsverbrecher (Washington, 12.3.2025)

Der diesjährige Saint Patrick’s Day steht abermals unter dem Zeichen außenpolitischer Spannungen zwischen den USA und Irland. Traditionell lädt der US-Präsident den irischen Premierminister und führende Parteivertreter sowie irisch-US-amerikanische Wirtschaftstreibende zu einem Empfang am 17. März ins Weiße Haus. Doch seit Jahren ist das Verhältnis angespannt. Der Grund: die US-Unterstützung für Israels Genozid in Gaza. Als neutraler Staat pflegt Irland eine historisch enge Beziehung zu Palästina.

In diesem Jahr finden die Feierlichkeiten vor dem Hintergrund des US-Kriegs gegen Iran statt. Taoiseach (irische Bezeichnung für den Regierungschef) Micheál Martin müsse bei seinem Treffen mit Donald Trump »auf einem schmalen Grat balancieren«, erklärte dessen Vorgänger Leo Varadkar vergangene Woche beim öffentlich-rechtlichen RTÉ. »Er will nichts sagen oder tun, was Irland schaden könnte«, so der Abgeordnete der rechtsliberalen Fine Gael über den Parteichef der konservativen Fianna Fáil. Aber die irische Bevölkerung »wird wollen, dass er die Gelegenheit nutzt, um etwas zu sagen«. Die überwiegende Mehrheit der Iren lehnt den Krieg der USA und Israels gegen Iran ab. Auch Umfragen in den größten Tageszeitungen zeigen, dass sie sich deutliche Worte von Martin gegenüber Trump wünschen. Doch diese könnten die engen Handelsbeziehungen zwischen den USA und Irland gefährden, was vor allem irischstämmige US-Unternehmer, die besonders stark in der Bauwirtschaft vertreten sind und dadurch enge Kontakte zu Trump pflegen, versuchen zu vermeiden.

Für den britischen Guardian ist der diesjährige Besuch daher ein »Minenfeld«, in das sich die irische Delegation begibt. Wie schon im vergangenen Jahr werden Vertreter der irisch-republikanischen Partei Sinn Féin (SF) nicht daran teilnehmen. Das gab Ende Februar Parteichefin Mary Lou McDonald unter Verweis auf den anhaltenden Genozid in Gaza und die Lage in der Westbank bekannt. Allerdings erklärte der US-Botschafter in Dublin, Edward S. Walsh, auf Nachfrage der Irish Times, dass »kein Mitglied der Sinn Féin ins Weiße Haus eingeladen« worden sei und es auch nicht zu erwarten sei, dass eines eingeladen werde. Statt von der SF-Regierungschefin Michelle O’Neill wird Nordirland wieder von ihrer unionistischen Stellvertreterin Emma Little-Pengelly vertreten. Auch die Vorsitzende der liberalen Regionalpartei Alliance, Naomi Long, und die sozialdemokratische SDLP-Vorsitzende Claire Hanna werden den Veranstaltungen mit Trump im Weißen Haus aus Protest fernbleiben.

Die irische Regierung hat sich bisher wenig deutlich zu der Eskalation in Westasien geäußert und lediglich erklärt, dass es kein UN-Mandat für den Krieg gebe. Zuwenig für ein neutrales Land, meint die Opposition aus SF, Sozialdemokraten und Trotzkisten. Sie fordern, dass Martin sich der irischen Präsidentin Catherine Connolly anschließt, die den Krieg einen »brutalen Angriff auf das Völkerrecht« nannte.

Martin betonte am Montag gegenüber RTÉ dagegen die Bedeutung der Beziehungen zwischen Dublin und Washington und hob den Handel sowie die Investitionen zwischen beiden Ländern hervor. Irland ist mittlerweile der fünftgrößte Investor in den USA. Er wolle sich auf die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern konzentrieren. Doch bereits während der ersten Veranstaltungen des Taoiseach über das Wochenende in den USA konnte er den politischen Fragen nicht entkommen. In Philadelphia beharrte Martin am Sonntag auf Nachfrage von Journalisten darauf, dass der Flughafen Shannon im Westen Irlands nicht von US-Flugzeugen genutzt werde, die an Bombenangriffen auf Iran beteiligt seien. Er sagte, es habe wiederholte Versuche gegeben, Shannon mit dem Gazakrieg und dem aktuellen Krieg im Iran in Verbindung zu bringen, was absolut falsch sei: »Wir haben keine stichhaltigen Beweise dafür, dass unser Luftraum für Angriffe auf den Iran genutzt wird.« Aufnahmen der vergangenen beiden Wochen von irischen Antikriegsaktivisten zeigen allerdings vermehrt US-Militärflugzeuge, die Shannon nutzen.

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.03.2026, Seite 6, Ausland

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