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30.04.2026
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Wie hat das Volk auf den US-Angriff reagiert?
Venezuela: Carlos Conde sieht nach der Aggression Washingtons auch Chancen für politische Mobilisierung
Wie ordnen Sie die Ereignisse vom 3. Januar ein, und was war das eigentliche Ziel der Angriffe?
Man muss das im Rahmen einer internationalen Lageanalyse betrachten: Wir erleben gerade die Zuspitzung der Krise des globalen kapitalistischen Systems. Der Angriff auf die Souveränität Venezuelas, die Bombardements und die Entführung des Präsidentenpaares Nicolás Maduro und Cilia Flores sind Zeichen der Verzweiflung eines sterbenden Imperialismus. Die USA merken, dass ihre hegemoniale Macht schwindet, während ein neuer, unaufhaltsamer Block an Stärke gewinnt. Um diesen Machtverlust auszugleichen, versuchen sie mit Gewalt, Lateinamerika wieder in ihren Hinterhof zu verwandeln – mit Methoden, die an die dunkelsten Zeiten im 20. Jahrhundert erinnern.
Wie hat das venezolanische Volk auf die Entführung des Präsidentenpaares und die Bombardierung von Caracas reagiert?
Es war eine großangelegte Operation; über 150 Flugzeuge, Helikopter und Drohnen verletzten unseren Luftraum, und die Detonationen in den militärischen Zielzonen von Caracas waren ohrenbetäubend. Selbstverständlich ist der Imperialismus uns technologisch und in der Schlagkraft überlegen, was zum Tod von über 100 patriotischen Soldaten – darunter 32 kubanische Genossen – führte. Doch trotz dieser Aggression hat das Volk sofort reagiert. Die Menschen sind zum Miraflores-Palast und zur Plaza Bolívar geströmt, um ein Lebenszeichen des Präsidenten zu fordern. Wir verfügen heute über 299 organisierte kommunale Bezirke mit eigenen Milizen, die seit der Ära Chávez genau für diesen Moment des antiimperialistischen Kampfes ausgebildet wurden. Auch wenn der 3. Januar militärisch eine taktische Niederlage war, wird die Resilienz und die Organisation unseres Volkes am Ende zu einem strategischen Sieg führen.
Wie bewerten Sie den Zustand der bolivarischen Revolution nach dem Angriff?
Trotz der offensichtlichen Krise bietet dieser Moment auch politische Chancen. Wir stehen vor einer fundamentalen Widerspruchslage: Imperialismus gegen Nation. Um diesen Konflikt zu lösen, reicht es nicht aus, dass nur die revolutionären Sektoren ihre Kräfte bündeln. Wir müssen eine neue historische Allianz schaffen. Dazu rufen wir alle Sektoren auf, die sich gegen die terroristische Einmischung der USA und die Entführung unseres Präsidenten stellen. Unser Ziel ist es, ein breites Bündnis zu schaffen, das die Interessen der Nation vertritt, also Unabhängigkeit, Souveränität und Selbstbestimmung. Wir setzen auf den Weg des Friedens, um die Kraft zu sammeln, damit wir den imperialistischen Druck nachhaltig bekämpfen können.
Wie genau organisiert sich die Volksmacht angesichts dieser Bedrohung, und wer ist Teil dieses Widerstands?
Unsere Organisation findet primär auf kommunaler Ebene statt – dort, wo der Widerstand gegen den Imperialismus verwurzelt ist. Das Fundament bilden die Consejos Comunales (Gemeinderäte, jW) und die Comunas. Diese verfügen über eigene autonome Strukturen, wie das kommunale Parlament oder die Vertreter der Arbeitsausschüsse. Das Besondere heute ist, dass sich das Bündnis erweitert hat: Neben den traditionellen Kräften schließen sich nun auch Akteure an, die früher nicht Teil dieses Prozesses waren, etwa Nachbarschaftsvereinigungen und Eigentümergemeinschaften. Sie haben verstanden, dass die Verteidigung des Landes jeden betrifft.
Welche Botschaft haben Sie an die Internationalisten in Deutschland und Europa?
Die Völker Europas müssen genauer hinschauen und dürfen nicht nur den Medien vertrauen, die im Dienst des Imperialismus und des Kapitals stehen. Wir sehen den Mut des palästinensischen Volkes, die Widerstandsfähigkeit Kubas trotz mehr als sechs Jahrzehnten Blockade, den Widerstand Nicaraguas oder Irans und natürlich unsere bolivarische Revolution in Venezuela. All das verbindet ein gemeinsames Prinzip: die Selbstbestimmung der Völker und die Achtung des Völkerrechts. Angesichts des Vormarschs von Imperialismus und Faschismus müssen sich die Völker der Welt organisieren und gemeinsam Widerstand leisten. Der proletarische Internationalismus ist dabei unsere universelle Sprache.
Carlos Conde ist Stadtrat von Caracas für den Partido Comunista de Venezuela (PCV) um Henry Parra, der von den staatlichen Institutionen anerkannt wurde
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