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21.04.2026
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Ein Unbeugsamer ist nicht mehr
Tibor Zenker unerwartet gestorben. Er war ein Streitbarer, der seine Standpunkte konsequent vertrat
Auch in schwierigen Zeiten stand er fest an Kubas Seite. Tibor Zenker war wie immer klar und kämpferisch, als er am 6. März die Rede des kubanischen Botschafters in Österreich, Pablo Berti Oliva, im politischen Zentrum »Jura Soyfer« der Partei der Arbeit (PdA) einleitete : »Der Imperialismus und der Kapitalismus werden untergehen. Der Sozialismus wird siegen. Das ist eine historische Gewissheit unserer Menschheitsepoche.« Es war eine der letzten Reden des Vorsitzenden der Partei, die sich 2005 zunächst als Kommunistische Initiative (KI) von der KPÖ getrennt hatte.
Tibor Zenker ist unerwartet am 16. April 2026 im Alter von 50 Jahren in seinem Zuhause im niederösterreichischen Wolkersdorf gestorben. Er und sein Zwillingsbruder Jan wurden am 7. März 1976 in Wien geboren. In den 1990ern besuchte er das Gymnasium in Klosterneuburg und engagierte sich in der dortigen Ortsgruppe der Sozialistischen Jugend (SJ), dem inoffiziellen Verband der SPÖ. Er war ideologisch federführend an der Wiederbelebung der Stamokap-Strömung in der SJ beteiligt und nahm einen Sitz im SJ-Landesvorstand ein.
Schon bald wurde die ideologische Bildung auf Grundlage der Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus für viele jüngere SJ-Genossen ein wesentlicher Baustein ihrer Politisierung. Zenker vermochte es, komplexe theoretische und ideologische Zusammenhänge verständlich zu erklären. Seine Vorträge waren fester Bestandteil der Schulungsarbeit, etwa der Oster- und Winterschulen der SJ-Stamokap in Rothe Au sowie des Europacamps am Attersee.
Die Verteidigung des Marxismus und dessen Leninsche Weiterentwicklung waren der rote Faden seines politischen Lebens. So erkannte er, dass eine Erneuerung der Sozialdemokratie auf marxistischer Grundlage chancenlos sei, und es zog ihn nach der Jahrtausendwende in die KPÖ.
Mit seinen früheren SJ-Genossen verband ihn weiterhin der gemeinsame Kampf im Rahmen der Friedens- und Neutralitätsarbeit: Bündnisse gegen die EU-Militarisierung, gegen die Aufweichung der Neutralität und für einen antiimperialistischen Standpunkt blieben sein Fokus.
In der KPÖ spielte er in der Auseinandersetzung mit der Parteiführung in den Jahren 2003/04 eine wichtige Rolle. Er war Mitbegründer der »Kommunistischen Initiative zur Erneuerung der KPÖ«, die den Versuch unternahm, die KPÖ wieder zu einer marxistisch-leninistischen Partei der Arbeiterklasse zu machen. Dies gelang nicht. Zenker verließ mit etlichen Mitstreitern die Partei und gründete die KI maßgeblich mit. Aus ihr erwuchs später die PdA, deren Vorsitzender er ab 2019 war. Daneben engagierte er sich im Wiederaufbau der kommunistischen Weltbewegung.
Neben seinem organisationspolitischen Wirken leistete Zenker durch seine Publikationen einen bedeutenden Beitrag zur marxistischen Theoriedebatte. Die Kritik an der EU fasste er in seinem Buch »Der Imperialismus der EU«, das in drei Bänden von 2006 bis 2014 erschien, zusammen. Bereits zuvor veröffentlichte er »Stamokap heute: Vom gegenwärtigen Kapitalismus zur sozialistischen Zukunft« (2005), daneben »Was ist Faschismus?« (2006), »Österreich 1938: Hintergründe, Vorgeschichte und Folgen des ›Anschlusses‹« (2008) und »Über die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse« (Zenker/Bruckner/Lang, 2013). 2023 war er an der Herausgabe einer Sondernummer der theoretischen Zeitschrift Einheit & Widerspruch zur Geschichte der kommunistischen Bewegung in Österreich beteiligt.
Zenkers Tod ist gleichermaßen ein politischer wie menschlicher Verlust. Es ging ein Freund, Genosse, Intellektueller und Kunstschaffender. Er war ein Streitbarer, der seine Standpunkte konsequent verteidigte und argumentierte.
Das kleine marxistische Spektrum im Land wird durch Zenkers Ableben noch ärmer. Mit seiner Einschätzung Anfang des Jahrtausends, wonach die moderne Sozialdemokratie ihre Nützlichkeit für die arbeitenden Menschen endgültig verwirkt hat, sollte er recht behalten: »Unser Werkzeug ist der Marxismus-Leninismus«, wie er noch am 6. März betonte. Zenker hinterlässt seine Lebensgefährtin Gabi sowie seinen Sohn Simon, seine Tochter Judith und seinen Stiefsohn Jakob.
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