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Aus: Ausgabe vom 27.02.2026, Seite 5 / Inland
300 Millionen Dollar zusätzlich

Übernahme wird teuer für Hapag-Lloyd

Deal zwischen Hapag-Lloyd, israelischer Reederei ZIM und Gewerkschaft. Streik nicht vom Tisch
Von Burkhard Ilschner
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Container mit den Logos von Hapag-Lloyd und ZIM im Hamburger Hafen

Die Arbeiter und Angestellten der israelischen Reederei Zim Integrated Shipping Services (ZIM) in Haifa, Tel Aviv und Aschdod haben am Mittwoch ihren Proteststreik gegen die geplante Übernahme ihres Unternehmens durch Hapag-Lloyd beendet – vorerst. Die Hamburger Reederei wird für ihr Vorhaben mindestens 300 Millionen US-Dollar mehr auf den Tisch legen müssen als vorgesehen – bislang waren 4,2 Milliarden im Gespräch. Die ZIM-Beschäftigten waren in den Ausstand getreten, weil sie in Folge der Übernahme um ihre Jobs fürchteten. Das soll nun abgefedert werden – mit einem Kompromiss, den Hapag-Lloyd, ZIM-Vorstandschef Eli Glickman und Vertreter der Gewerkschaft ausgehandelt haben.

Von den derzeit rund 1.000 Mitarbeitern der israelischen Reederei sollen, wie zuvor geplant, etwa 120 in jenes neue Unternehmen wechseln, das unter dem Namen New ZIM unter der Trägerschaft des größten Private-Equity-Fonds FIMI Opportunity für den Staat Israel die wichtigsten strategischen Handelsrouten bedienen und so im Krisenfall notwendige Versorgungsaufgaben gewährleisten soll. Weitere rund 400 ZIM-Beschäftigte sollen umziehen in den geplanten neuen israelischen Hauptsitz, den Hapag-Lloyd gründen will. Für die verbleibenden knapp 500 Mitarbeiter, die im Zuge der ZIM-Übernahme durch die Hamburger Reederei freigestellt oder vorzeitig in Rente geschickt werden, ist die genannte Summe von mindestens 300 Millionen US-Dollar bestimmt – für Abfindungszahlungen sowie einen noch nicht exakt bezifferten Bonus, der im Zuge des Reedereiverkaufs ausgeschüttet werden soll.

In Erwartung dieses Kompromisses – die endgültige Unterzeichnung scheint noch auszustehen – ist der Streik ausgesetzt worden, etwa 400 Beschäftigte sind am Mittwoch bereits an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt, der Rest – so berichtet das israelische Wirtschafts- und Techportal Calcalist – arbeite von zu Hause aus. Übrigens erhalten alle ZIM-Mitarbeiter für die Streiktage die volle Bezahlung zuzüglich ausstehender Gehaltserhöhungen. Auf schnellen Blick scheint diese Einigung für die Beschäftigten äußerst vorteilhaft zu sein; möglicherweise mussten ZIM und Hapag-Lloyd zustimmen: Laut Calcalist hat der Gewerkschaftsvorsitzende Oren Caspi dem Blatt erklärt, Glickman habe deutlich gemacht, dass ein oder zwei Wochen Ausfallzeiten zum Zusammenbruch des Unternehmens führen könnten.

Zuvor hatte sich der Arbeitskampf der ZIM-Beschäftigten in bestimmten Bereichen verschärft. So berichtete der in Florida beheimatete Infodienst Maritime Executive zu Wochenanfang, Streikende hätten das ZIM-Vorstandsmitglied Yair Seroussi von den von ihnen besetzt gehaltenen Firmenstandorten ausgesperrt. Seroussi soll derjenige gewesen sein, der für ZIM die Übernahmeverhandlungen mit Hapag-Lloyd geführt hat. Calcalist hatte parallel berichtet, die israelische Aufsichtsbehörde habe den geplanten Deal noch vor dessen offizieller Bekanntgabe zu blockieren versucht. Auch die Knesset wird sich noch mit dem Vorhaben auseinandersetzen. Und die Gewerkschaft droht trotz genannter Einigung mit erneutem Generalstreik – weil der Deal in Israel insgesamt wegen der Hapag-Lloyd-Anteile der Saudis und der Katarer kritisch gesehen wird. Das seien »Feinde Israels«, so Caspi, er sei nicht bereit, denen »eine derart kritische Infrastruktur zu überlassen«.

Israels Wirtschaftszeitung Globes publizierte zu Wochenbeginn ein Gespräch mit dem ehemaligen Banker Samer Haj-Yehia, der als Berater von Hapag-Lloyd die Gespräche mit Seroussi geführt habe: Demnach waren die Hamburger bereits vor mehr als zwei Jahren an ihn herangetreten, um den Deal einzufädeln. Damals sei aber die Zeit noch nicht reif gewesen, erst als der Milliardär Idan Ofer als ehemaliger Haupteigner seine Aktien verkauft hatte, habe er eine echte Chance gesehen. Anfangs war noch von internen Probleme bei ZIM die Rede, die die Verhandlungen erschwert haben sollen – laut Haj-Yehia handelte es sich dabei um den Versuch von CEO Glickman, selbst Haupteigner von ZIM zu werden: Nur scheint er nicht genug geboten zu haben.

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