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23.05.2026
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Heizt Gas Kriege und Gewalt an?
Klimacamp im Ruhrgebiet: Konzerne und Regierungen gehen über Leichen, um an den Energieträger zu kommen, sagt Fran Leitner
Das Bündnis Ende Gelände und Aktive anderer Organisationen wenden sich gegen den Ausbau der Gaskraftwerke in Hamm im Ruhrgebiet: von Sonntag an mit einem Klimacamp und einer Demonstration am Sonnabend, dem 30. Mai. Warum jetzt Aktionen gegen Gas?
Vielen scheint gar nicht bewusst zu sein, dass Gas ein enormer Klimakiller ist, letztlich eine genauso schmutzige Energie wie Kohle. Von der Förderung bis hin zu den Verbrauchern entweicht Methan, das als Treibhausgas wirkt. Über einen Zeitraum von 20 Jahren ist es etwa 80mal klimaschädlicher als CO2. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant insgesamt 20 Gaskraftwerke bundesweit, davon fünf in NRW, eins in Hamm. Die Regierung will von einer fossilen Energie auf eine andere umsteigen.
Die Versorgungssicherheit mit Energie sei gefährdet, Gas werde als Übergangstechnologie benötigt, meinen die Unionsparteien.
Stets ist von Problemen die Rede, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht, jedoch nie von den Risiken. Die EU hat der US-Regierung zugesagt, bis zum Jahr 2028 Energieprodukte im Wert von 750 Milliarden US-Dollar aus den USA zu importieren. Präsident Trump macht seinerseits keinen Hehl mehr daraus, was er unternimmt, um Gas und Öl aus dem Ausland zu beschaffen. Erst gab es den Angriff auf Venezuela, dann auf den Iran: Überall dort, wo es enorme Öl- und Gasvorkommen gibt. Die Gier danach ist maßgeblich für Kriege verantwortlich. Dafür müssen Menschen sterben, werden vertrieben und müssen leiden. Derweil explodieren hier Strom- und Ölpreise. Reiche macht uns mit ihrer Politik abhängig von Entscheidungen brutaler Faschisten.
Heizt Gas also Kriege und Gewalt an?
Allerdings. Und wo Gas konkret gewonnen wird, wird die Bevölkerung drangsaliert. Beim Fracking werden Chemikalien in die Erde gepresst, das Grundwasser wird verschmutzt. Das geschieht in den USA vor allem dort, wo arme schwarze Menschen wohnen. Ökosysteme werden zerstört, die Gesundheit der Menschen wird gefährdet. Auch deshalb müssen wir jetzt entscheiden, Batteriespeicher auszubauen. Da Wind- und Solarparks nicht ständig Strom liefern, müssen Speicher diese Schwankungen ausgleichen.
Schauen wir auf ein anderes Projekt der Bundesregierung. Laut Befürwortern verspricht das neue Gebäudemodernisierungsgesetz angeblich »Freiheiten« für Verbraucher. Sehen Sie das anders?
Von wegen Freiheit: Das Gesetz bedeutet, weiterhin gezielt Gasheizungen einzubauen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher stellt das ein Problem dar. Wer in Mietwohnungen lebt, hat keinerlei Einfluss darauf, muss aber ständig steigende Öl- und Gaspreise zahlen. Wer auf Solarenergie und Wärmepumpe gesetzt hat, wird ebenso über Netzentgelte zur Kasse gebeten. Viele Menschen haben Angst, weil sie überhaupt nicht abwägen können, welche Kosten auf sie in der Zukunft zukommen werden, damit sie nicht im Kalten sitzen.
Der Ausbau der teuren Anlagen passiert quasi auf Kosten aller?
Genau. Die drastisch steigenden Preise werden auf alle umgelegt, damit die Konzerne Profite machen können. Ministerin Reiche verantwortete ehemals in der Chefetage der Eon-Tochter Westenergie große Teile des deutschen Gas- und Stromnetzgeschäfts. Jetzt macht sie Lobbypolitik für die Konzerne.
Warum organisieren Sie Ihren Protest in Form eines Camps?
Beim Klimacamp kommen Akteurinnen und Akteure zusammen, um sich zu vernetzen. Wir organisieren ein Miteinander, gestalten Workshops. Wir teilen uns in kollektive Dienste ein: Es gibt eine Küche für alle, Toilettendienst, oder die Aufgabe, Menschen aufzufangen, denen es nicht gut geht, etwa weil sie von Aktionen kommen und Repression erleben mussten. Ende Gelände wird in den kommenden Tagen zivilen Ungehorsam wagen. Wir gehen an Orte der Zerstörung, wo Gaskraftwerke gebaut werden und blockieren öffentlichkeitswirksam. Wir freuen uns über alle, die ins Camp kommen und mitmachen.
Sie veranstalten auch Aktionstrainings.
Die Trainings sind wichtig, damit alle Menschen sicher in Aktionen gehen und wieder herauskommen können. Unser Konsens: Von uns wird keine Eskalation ausgehen, unsere Aktionen richten sich nicht gegen Menschen, sondern gegen die aggressive Politik der Konzerne. Thematisiert wird auch, wie wir vorgehen, wenn die Polizei mit uns kommunizieren will.
Fran Leitner spricht für das Klimabündnis Ende Gelände
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