Docker streiken in Haifa
Von Burkhard Ilschner
Der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern: Seit Sonntag sind bereits rund vier Fünftel der Arbeiter und Angestellten der israelischen Reederei Zim Integrated Shipping Services (Zim) in Haifa in einen Streik getreten. Sie lehnen die geplante Fusion ihres Unternehmens mit Deutschlands Hapag-Lloyd – am Sonntag angekündigt, am Montag überraschend unterschrieben – ab, weil sie um ihre Existenzen fürchten. Ja, Zims Vorstandsvorsitzender Eli Glickman freute sich lauthals, man habe seit 2021 außerordentliche Dividenden in Höhe von 5,7 Milliarden US-Dollar an Aktionäre ausgeschüttet; und er versprach den Anteilseignern bei Vollzug des geplanten Geschäfts einen weiteren, sogar zweistelligen Milliardenbetrag.
Aber die Zim-Beschäftigten sehen das anders, fühlen sich übergangen und sehen ihre Jobs in Gefahr. In den Folgetagen hat der Arbeitskampf bereits auf die Seehäfen von Haifa und Aschdod übergegriffen, mehrere Schiffe der Reederei liegen vor Anker oder am Kai und warten – bislang vergeblich – auf Abfertigung. Und noch am Mittwoch drohten Betriebsrat und Gewerkschaft mit weiterer Ausweitung: Man werde das Unternehmen »notfalls lahmlegen«, zitierte das maritime »Portal Hansa« einen Gewerkschaftssprecher.
Anders als bei Ankündigung der Zim-Übernahme durch Hapag-Lloyd vermutet, geht es den Streikenden nicht primär um Sicherheitsbedenken wegen der arabischen Minderheitsbeteiligung an der Hamburger Großreederei, sondern vor allem um ihre ureigensten Arbeiterrechte: Fast 900 der knapp mehr als 1.000 Zim-Beschäftigten könnten, so die Befürchtung des Betriebsrats, im Zuge des Hapag-Lloyd-Deals ihre Jobs verlieren. Und das liegt an der etwas komplizierten Strukturierung der geplanten Fusion.
Bekanntlich sind die Schiffe von Zim in jüngerer Vergangenheit in anderen Häfen wiederholt nicht regulär abgefertigt worden, wegen Rüstungstransporten oder aus Protesten im Zuge von Palästina-Solidarität. Das ist die eine Seite – die andere ist, dass der Staat Israel der Reederei eine besondere Bedeutung für die Versorgung des Landes im Krisenfall zuerkennt, weshalb ein nicht bezifferter Unternehmensanteil vom Staat selbst gehalten wird, um eben diese strategische Funktion gewährleisten zu können. Um dies aber abzusichern, haben Zim und Hapag-Lloyd sich anscheinend einen Trick ausgedacht.
Wie die Hamburger selbst mitteilten, wollen sie zwar 100 Prozent der Zim-Aktien für 35 US-Dollar pro Anteilsschein erwerben – ein Gesamtvolumen von mehr als vier Milliarden –, zuvor aber soll Israels besonderer Staatsanteil ausgegliedert und an Israels größten Private-Equity-Fonds übereignet werden: FIMI Opportunity hält multiple Beteiligungen in Elektronik-, Metall-, Software-, Energie-, Luftfahrt- oder Rüstungsbranchen – und soll künftig unter dem Namen New Zim mit 16 modernen Schiffen ein ausgegliedertes Liniengeschäft betreiben, um die wichtigsten strategischen Handelsrouten zu bedienen. Das soll »die globale maritime Konnektivität für den Staat Israel stärken und sichern«, zugleich aber »nahtlos mit dem globalen Netzwerk von Hapag-Lloyd« verbunden bleiben.
Ob das jedoch funktioniert, bleibt abzuwarten: Dieses Konzept bedarf nicht nur der Zustimmung der israelischen Regierung, der ZIM-Aktionäre und diverser Regulierungsbehörden, sondern eben auch einer Übereinstimmung mit der Gewerkschaft – denn die fürchtet, dass für New Zim nur noch etwas mehr als 100 Beschäftigte benötigt würden; der Zusicherung von Hapag-Lloyd zur Arbeitsplatzsicherheit traut man nicht so recht. Das Versprechen der Hamburger, man werde »aus den außergewöhnlichen Talenten bei Zim und Hapag-Lloyd – in Israel und weltweit – das bestmögliche Team formen«, weckt bei den Beschäftigten wenig Vertrauen.
Und noch eines ist riskant: Laut Handelsblatt befährt Hapag-Lloyd erst seit rund zwei Wochen wieder die Routen durch das Rote Meer und den Suezkanal – nach fast zwei Jahren Pause wegen der Angriffe der jemenitischen Ansarollah. Wie die aber auf eine Reederei reagieren, die derart eng mit Israel kooperiert, bleibt abzuwarten.
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