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IG Metall und Schiffbauindustrie

Kritik an maritimer Strategie der EU

IG Metall und Schiffbauindustrie fordern »entschlossenen Aktionsplan« nach Signalen aus Brüssel

Foto: Marcus Brandt/dpa
Hauptsache kriegstüchtig: Ein im Bau befindliches U-Boot liegt in der Werft von Thyssen-Krupp Marine Systems in Kiel

Um das Vertrauen in die Politik ist es bei wesentlichen Teilen der maritimen Wirtschaft offenbar schlecht bestellt: Gut anderthalb Wochen, nachdem die EU-Kommission eloquent zwei so genannte Strategiepapiere zu Seeschiffahrt und Hafenwirtschaft präsentiert hatte, haben sich am Montag die Schiffbauindustrie und die in ihren Betrieben verankerte IG Metall sozialpartnerschaftlich zu Wort gemeldet – und die Brüsseler Behörde kräftig abgewatscht. Bewertungen wie »Unentschlossenheit«, »Zurückhaltung« und »keine neuen Ansätze« sind eindeutig das Gegenteil von Lob. Wenn der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) und die IGM gemeinsam von der Politik einen »entschlossenen Aktionsplan« für die maritime Industrie einfordern, bedeutet das ja nur, dass die besagten Strategiepapiere eben diesem Anspruch bislang nicht genügen.

Aber man ist ja höflich und vor allem beißt man nicht in die Hand, von der man letztlich auch Förderung erwartet. Also lobt VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken zunächst einmal die Strategiepapiere der EU-Kommission als »ein starkes Signal«; unter anderem, weil Brüssel darin anerkenne, »dass Schiffbau und Meerestechnik systemrelevant« seien »für Europas wirtschaftliche Sicherheit, Verteidigungsfähigkeit und technologische Souveränität«. Nur müsse dem jetzt dringend »pragmatisches, ergebnisorientiertes Handeln« folgen, mahnen VSM und IGM gemeinsam: Veränderte sicherheitspolitische Anforderungen, energiepolitische Transformationen und nachhaltige Technik markierten entscheidende Punkte. Die Branche sei führend in Hightechsegmenten, lobt man sich selbst, habe exzellente Produktionstechnik und Forschungseinrichtungen der Spitzenklasse sowie erstklassige Ausbildungsstrukturen in vielen hochspezialisierten Unternehmen – Deutschland sei in Europa »die führende Industrienation (…) in der gesamten Wertschöpfungskette von Schiffbau und Meerestechnik«.

Das muss nach Auffassung beider Verbände sowohl im europäischen Maßstab als auch in Deutschland selbst stärker politisch berücksichtigt werden. Die »geopolitische Lage« habe sich nun mal verändert – wenn Europa der maritimen Industrie einen starken Rahmen bieten wolle, müsse dieser »die realen Bedingungen im globalen Markt« erkennen und zur Grundlage machen. Jüngst waren ja die aktuellen Brüsseler Bestrebungen einer stärkeren »Made in Europe«-Orientierung wegen diverser Abschwächungsversuche hier und da kritisch bewertet worden; VSM und IG Metall Küste zeigen sich auch hier wieder höflich und begrüßen zwar die jüngsten diesbezüglichen Signale der EU-Kommission nachdrücklich, verknüpfen dies aber mit klaren Forderungen, gestützt unter anderem auf die Haltung von EU-Kommissar Stéphane Séjourné: Der hatte jüngst verlangt, durch europäische Beihilfen oder Fördermittel begünstigte Unternehmen müssten gewährleisten, dass wesentliche Teile ihrer Produktion auf europäischem Boden stattzufinden hätten.

Auf nationalem Feld unterstreichen VSM und IGM einerseits eine gute Auftragslage mit hoher Auslastung sowohl in den Werften selbst als auch bei den mehr als 3.000 Zulieferern im gesamten Bundesgebiet. Bei entsprechender politischer Unterstützung sei bis 2035 eine Umsatzverdopplung in der Branche möglich, heißt es beim VSM, während die IGM Küste von einem drastischen Beschäftigungszuwachs schwärmt: In fünf Jahren könnten allein bei den Werften 20.000 Menschen arbeiten, 5.000 mehr als heute. Ausdrücklich verweist man dabei aber auch auf das Marinesegment und die bis Ende des Jahrzehnts angestrebte stärkere Einsatzbereitschaft im NATO-Verbund. Beide Verbände fordern übrigens von der 14. Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) Ende April in Emden »konkrete industriepolitische Weichenstellungen«. Das wird spannend, denn bislang zeichneten sich die NMK eher durch blumige Unverbindlichkeiten aus.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.03.2026, Seite 5, Inland

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