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Islamismus

Neulich in Fürstenwalde

Hamza hat für mich als Dankeschön Dattel-Honig-Kuchen gebacken. »Ach, das war doch nicht nötig, Hamza«, wehre ich vorsichtig ab und bemerke, wie mir das Wasser beim Anblick der Leckerei im Mund zusammenläuft. Wäre er nicht mein großväterlicher Freund, würde ich glatt glauben, er wolle mich mit Diabetes beiseiteschaffen. Aber so ist es nicht, denn alles kam so:

Hamza hat einen kleinen Garten und ich einen Bandscheibenvorfall, was mein Freund nicht weiß, als er mich anruft und fragt, ob ich seinen Garten umgraben könnte, er sei halt nicht mehr der Jüngste. Und er wolle demnächst einiges pflanzen. Da ich in Deutschland-Nahost wohne und den hiesigen Staat nur allzugut kenne, überlege ich kurz und sage sehr eindringlich: »Das geht auf keinen Fall, denk doch an deinen Sohn in Kabul und die Sachen, die er dort vergraben hat!« Schnell legte ich auf, schaue zur Uhr und mach’ mich auf den Weg zu Hamzas Garten.

Satte 31 Minuten später prescht der Verfassungsschutz (Zivilauto), eine Abteilung der Bundespolizei und ein Kommando mit Räumgerätschaften in die Gartensiedlung. Wieder eine halbe Stunde später stehe ich vor Hamzas Tür und sage: »Übrigens, dein Garten ist umgegraben. Wozu sind denn sonst Freunde da?«

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.09.2024, Seite 11, Feuilleton

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