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Aus: Ausgabe vom 03.02.2026, Seite 3 / Ansichten

Gefeierter Diktator des Tages: Tenzin Gyasto

Von Hagen Bonn
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Hörbuchsprecher Tenzin Gyasto in seiner Rolle als tibetanischer Heiliger (Dharamsala, 17.11.2025)

Wenn Sie es als unbescholtener Bürger gern zu Ruhm und Ehre bringen möchten, sind die Aussichten dazu eher trübe. Hilfreich ist dagegen, »gezielte Tötungen ausländischer Bürger« anzuordnen. Barack Obama hat das als US-Präsident 542mal getan und damit etwa 2.500 Menschen ermordet. Zusammen mit den US-Angriffskriegen gegen Afghanistan, Irak und Syrien hatte er sich den Friedensnobelpreis 2009 redlich verdient, finden Sie nicht?

Oder möchten Sie lieber eine Blutdiktatur mit Lagerhaftsystem leiten und eine Pogromnacht gegen Juden verantworten, in der 1.300 Menschen getötet und 30.000 verhaftet wurden? Für diese Verbrechen handelte sich Adolf Hitler die Auszeichnung »Man of the Year« (1938) des Time-Magazins (USA) ein.

Jetzt hat es wieder einer aus der Liga der Schurken zu Ruhm und Ehre gebracht. Er heißt Tenzin Gyasto und ist verantwortlich für folgende Schandtaten: strukturelle Gewalt gegen Kinder, sexualisierte Gewalt an Kindern und Veruntreuung von Spendengeldern. In seiner Funktion als theokratischer Diktator herrschte er über ein System feudaler Leibeigenschaft, das erst 1959 durch die volksdemokratische Regierung Chinas beendet wurde.

Dieser Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, Chef des tibetanischen Buddhismus, müsste eigentlich Gendün Drub heißen, der wurde 1391 geboren. Und Tenzin ist nur die kontinuierliche Wiedergeburt des Geistes von Gendün in verschiedenen Formen, verursacht durch Karma. Was Karma ist? Das fragt man lieber eine Eintagsfliege.

Den Grammophone Award (Grammy), das musikalische Pendant zum Oscar, erhielt der 90jährige in der Nacht auf Montag für ein Hörbuch, denn: »Die Erzählung des tibetischen spirituellen Führers fesselte die Abstimmenden mit ihrer tiefen Weisheit und ihrer sanften Vortragsweise und bot den Zuhörern eine tief meditative Erfahrung, die über das typische Hörbuchformat hinausgeht.«

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