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Dogan-Konzern verkauft Hürriyet

Die international wohl bekannteste türkische Tageszeitung Hürriyet (Freiheit) steht zum Verkauf. Auch die Fernsehsparte der in vielen Bereichen aktiven Dogan-Yayin-Holding wird veräußert. Konzernchefin Arzuhan Dogan Yalcindag hat die US-Investmentbank Goldman Sachs mit der Abwicklung beauftragt. Bis zum 1. Februar sollen erste Gebote eingehen. Kaufinteresse sollen bislang der US-Medienkonzern Time Warner sowie die Finanzinvestoren KKR und TPG gezeigt haben.

Hintergrund der Transaktion ist eine im September 2009 gegen den Dogan-Konzern verhängte Rekordsteuerstrafe in Höhe von 2,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen soll eine 20prozentige Beteiligung des deutschen Axel-Springer-Konzerns an seiner Fernsehsparte nicht korrekt versteuert haben.
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Der aufgrund seiner Wirtschafts- und Medienmacht gerne als »türkischer Berlusconi« titulierte Konzernpatriarch Aydin Dogan, den Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan schon mal mit Gangsterboß Al Capone verglich, vermutet politische Motive hinter der weiterhin vor Gericht verhandelten Steuerstrafe. Dogan-Medien hatten sich wiederholt kritisch zur islamisch-konservativen Regierung geäußert und etwa über einen Spendenskandal der Regierungspartei AKP berichtet. Auch im letzten EU-Fortschrittsbericht war die Steuerstrafe gegen Dogan als Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei gewertet worden.

Jahrzehntelang war jede türkische Regierung auf die Unterstützung der Dogan-Medien, zu denen neben der nationalistisch ausgerichteten Hürriyet sieben weitere Tageszeitungen wie die liberale Radikal und die laizistische Milliyet sowie mehrere TV-Sender gehören, angewiesen. Dagegen schuf sich die Ende 2002 an die Macht gekommene AKP mit Hilfe des milliardenschweren Wirtschaftsimperiums des in den USA lebenden islamischen Ordensführers Fethullah Gülen einen eigenen Medienapparat. Inzwischen hat die zur Gülen-Bewegung gehörende Tageszeitung Zaman die täglich mit einer halben Million Auflage erscheinende Hürriyet als auflagenstärkstes Blatt überrundet
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Erschienen in der Ausgabe vom 07.01.2011, Seite 13, Feuilleton

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