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Kurz vorm Einknicken

Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie

Von Mirko Knoche
Foto: Marijan Murat/dpa

Wenn sie jetzt einknickt, dann war es das. Leider ist das nicht ausgeschlossen. Um den Frontalangriff der Monopolkapitalisten abzuwehren, müsste die IG Metall in die vollen gehen. Doch zu tief sitzt die Furcht vor Werkschließungen, zu groß ist die Angst vor der eigenen Courage. Eine mächtige erste Warnstreikwelle hätte ein Startsignal setzen können, aber die Beteiligung ist im Vergleich zur Tarifbewegung 2024 deutlich zurückgegangen.

Und so geben die Hauptamtlichen in der gerade laufenden dritten Verhandlungsrunde zu großen Stücken bereits nach. In Baden-Württemberg schlug IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch am Donnerstag vor, dass die Beschäftigten in manchen Sektoren Investitionen künftig weitgehend selbst mit Lohnverzicht bezahlen sollen – gemeint ist vor allem die Autoindustrie. Das ging bislang noch nie gut aus.

Wenn Südwestmetall-Boss Peter Krause sagt, das Treffen habe sich »gelohnt«, gibt er damit an, die Gegenseite über den Tisch gezogen zu haben. Vorsorglich nahmen die Chefverhandler beider Seiten aus dem zweiten Pilotbezirk NRW bereits daran teil. Ob sie am Montag in der zuletzt getakteten bezirklichen Runde in der Frage den Sack zumachen? Resch hatte bereits angekündigt, ihr Vorstoß sei breit abgestimmt. Zum Beispiel wurde am Freitag in Niedersachsen und auch an der Küste darüber verhandelt – noch ohne Abschluss allerdings.

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Und was kommt danach? Schnelle Einigung – Klappe zu, Affe tot? Noch bleibt die Frage der Bezahlung offen für die Betriebe, die im Aufwind sind – allen voran in der Waffenindustrie. Und da hat Gesamtmetall so gut wie nichts geboten. Eine Einmalzahlung von einem Prozent eines Jahresgehalts Mitte 2027 plus eine 1,3prozentige Lohnerhöhung erst ein weiteres Jahr später.

Wenn die IG Metall das auch noch akzeptierte, wäre das endgültig ein Gesichtsverlust. Allein deshalb wird sie von den Metallkapitalisten in der diesjährigen Lohnrunde mit nicht ganz so wenig Peanuts wie angeboten abgespeist werden können. Deshalb ist eine vierte Verhandlungsrunde vonnöten. Und danach sieht es momentan noch aus. War es das also tatsächlich nicht?

In Wahrheit ist die Metallgewerkschaft in der Krise, seit die Betriebsfürsten in der westdeutschen, besonders der schwäbischen Autoindustrie 2003 den Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland offen sabotierten. Damals entbrannte ein Machtkampf um die Führung und es ging ein Riss durch die IG Metall – nicht zwischen oben und unten, sondern quer mittendurch. Davon hat sie sich nie wieder erholt.

Denn die Niederlage im Osten 2003 war der letzte Erzwingungsstreik bis zum heutigen Tag. Ohne den wäre dem besagten Frontalangriff aber kaum beizukommen und den scheut die Gewerkschaft wie der Teufel das Weihwasser. Eine weitere Pleite will sie nicht organisieren. Doch da beißt die Katze sich in den Schwanz. Denn, wir wissen es, wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, der hat es schon.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.11.2026, Seite 3, Ansichten

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