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Verbotene Frucht des Tages: Ananas

Foto: Manfred Segerer/IMAGO
Italiener geht’s nicht

Wer sich in Tokio ins Kaiten-Zushi verirrt, findet schon mal ein Würstchen auf dem Nigiri. Oder eine Frikadelle. Machen die einfach, schmeckt doch. Und keiner hat Angst, dass Japan deswegen untergeht. Soviel Gelassenheit sieht man in Italien selten. Oder im australischen Brisbane, wo ein italienstämmiger Koch entlassen wurde, weil er sich geweigert hatte, eine Pizza Hawaii zuzubereiten. Davide Tamburella heißt der Mann, BBC berichtete. Ananas nebst Tomatensoße und Schinken, der Pizzaboden wird zum Kampfboden. Der gefeuerte Koch sprach von einer »Beleidigung der italienischen Kultur« und will die Geschäftsleitung aufgefordert haben »zu prüfen, wie wichtig es für Italiener ist, keine Ananas auf eine Pizza zu legen«.

Irgendwas ist da im Busch mit Italien und seinem Vermächtnis. Vor zweieinhalb Jahrhunderten schon bespottete Lessing den italienischen Nationalstolz, indem er die Nachkommen der alten Römer mit Wespen verglich, die im Kadaver eines einst stolzen Rosses sich für dessen würdige Erben halten. Ist Italien von Cicero, Vergil und Ovid gebrochen worden, noch ehe es da war? Und was haben die Etrusker dazu zu sagen? Denen gehört doch eigentlich die Toskana.

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Wer nicht enden will wie Giovanni Falcone, sollte sich nicht zwischen einen italienischen Koch und seinen Topf stellen. Weiß auch Alberto Grandi. In mehreren Büchern hatte der Historiker die Küche Italiens entzaubert, viele nationale Küchenheiligtümer seien Invented tradition, vermittelt durch US‑Einflüsse. So wurde die Pizza in ihrer heutigen Form von Auswanderern in den USA entwickelt, die Carbonara (mit und ohne Sahne) von GIs erfunden und sei der heute geschützte Parmigiano Reggiano nicht älter als 100 Jahre. Grandi erhielt Morddrohungen. Und hatte doch nicht mal, wie Gordon Ramsay, aus der Carbonara durch Zusatz von Pilzen und Erbsen eine Rainbow-Pasta gemacht.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.11.2026, Seite 3, Ansichten

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