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Stadtteilküche in Frankfurt am Main

Mit Eintopf und Pasta gegen Verarmung

Frankfurt am Main: Immer mehr Stadtteilküchen organisiert. Linke appelliert an Kommune

Foto: foodthatsleft.de

In Bornheim herrschte gute Stimmung. Wie auch schon bei früheren Stadtteilküchenveranstaltungen wollten am Freitag im Osten von Frankfurt am Main wieder viele Menschen beim Schälen und Schneiden von Gemüse und Obst mitmachen. Als schließlich ein dampfender Eintopf sowie Salate an etwa 270 Menschen verteilt waren, sind die Aktivisten Hugh und Meera von der Aktionsküche »Food, that’s left« entspannt drauf. Der Name verbindet den Anspruch, ein soziales Angebot von links zu machen und Lebensmittelverschwendung zu bekämpfen.

Hugh ist Mitbegründer der Initiative und gelernter Koch. Mit der mobilen Küche kennt er sich aus: Schon Tage zuvor telefoniert er rege, um Lebensmittel kurz vor Ablauf des Verfallsdatums bei Supermarktketten und Lebensmittelindustrie zu retten. Der gebürtige Australier reist mit der Aktionsküche durch die Republik. Er war bei der Besetzung im Fechenheimer Wald gegen den Autobahnausbau seit 2021 dabei. Zuletzt war Hugh mit einer »Küche für alle« beim antimilitaristischen Protestcamp »Shut Elbit Down« in Ulm. Das ist seine Art, den Protest gegen das israelische Rüstungsunternehmen sowie gegen deutsche Waffenlieferungen an Israel zu unterstützen.

Das Projekt Stadtteilküche wird von verschiedenen Initiativen und der Partei Die Linke in ganz Frankfurt vorangetrieben. Die Kochaktionen sollen dazu beitragen, dass Menschen sich beim gemeinsamen Zubereiten und Essen im jeweiligen Viertel näherkommen. Alexis Passadakis von Die Linke sieht darin ein wirksames Mittel gegen steigende Lebensmittelpreise, zunehmende Verarmung, aber auch gegen die Faschisierung der Gesellschaft sowie gegen Einsamkeit. Das Retten der Lebensmittel wirke auch gegen den Klimakollaps, sagte der Stadtverordnete am Freitag im Gespräch mit junge Welt. In Bornheim gab es »Öffentliche Nahverpflegung«, ÖNVP abgekürzt, knapp drei Wochen lang und an einzelnen Projekttagen. Derzeit ist alles kostenlos, später soll man für eine Portion 1,50 Euro zahlen.

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In Riederwald, einem anderen östlichen Stadtteil, ist man weiter: Eine halbe Million Euro sind für 2027 in den Haushalt eingestellt. Die Initiative darf dort Räume eines ehemaligen Restaurants nutzen. Weil das neuerlich unter Denkmalschutz gestellt wurde, soll dort nur Essen aufgewärmt und nicht gekocht werden dürfen. Die städtische Wohnungsgesellschaft ABG, der die Räume gehören, müsse entsprechende Ablüftungen und Vorkehrungen einbauen, fordert Passadakis. »Kundige Berater zu Küchen in Gebäuden aus der Gründerzeit und Bankentürmen bestätigen, dass es möglich ist.« Dafür gelte es zu kämpfen. Es ist vorstellbar, dass das klappt.

Da das Projekt so gut angenommen wurde, erschien selbst der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef von der SPD zum Gemüseschnippeln und Essen. Im Westen der Stadt, etwa in Höchst, wurden zur Rettung weggeworfener Lebensmittel erste selbstorganisierte Stadtteilküchen ins Leben gerufen. Dort fehlen noch feste Räumlichkeiten und verlässliche städtische Finanzierung. Einen Antrag der Linkspartei dazu hat der dortige Ortsbeirat nun verabschiedet.

Die Werbephase läuft. Tage vor der freitäglichen Aktion war in Bornheim überall dafür plakatiert worden. Nicht jedem gefällt, dass Die Linke in Frankfurter Stadtteilen so präsent ist. Plakate wurden abgerissen. Fast egal, hier funktioniert Mund-zu-Mund-Propaganda. Allerdings ist man noch auf der Suche nach Räumen. Das Bistum Limburg will welche der Heilig-Kreuz-Kirche verkaufen. Es stehe der Stadt gut an, hier zuzuschlagen und die Räume für eine Stadtteilküche zu nutzen, drängeln die Aktivisten.

Eine von ihnen ist Santina. Sie erzählte am Freitag gegenüber jW die Geschichte des sogenannten antifaschistischen Nudelessens: Die erste »Pastasciutta Antifascista« habe anlässlich des Endes der Mussolini-Herrschaft 1943 in Rom stattgefunden. Die italienischen Faschisten hätten das »Arme-Leute-Essen« gehasst, referiert Santina. Als sich die Nachricht vom Sturz des Faschismus verbreitete, sei das öffentlich gefeiert worden. »Die Stadtteilküchen sind mit originär linker Geschichte verknüpft, das kann die Bewegung hier voranbringen«, erklärte die Aktivistin.

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.11.2026, Seite 4, Inland

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