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Sudan

»Al-Faschir ist ein erschütterndes Beispiel«

Der Krieg in Sudan trifft vor allem die Zivilbevölkerung. Angriffe zerstören medizinische Versorgung. Ein Gespräch mit Mohamed E. Ahmed

Foto: Mudathir Hameed/dpa
Von Einschüssen durchlöchert: Auto vor einem Wohnhaus in Omdurman (27.8.2024)

Vor einem Jahr stürmten die Paramilitärs der RSF die Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaats Norddarfur, Al-Faschir. Wie ist die Lage aktuell?

Die Lage im Sudan ist katastrophal. Seit April 2023 herrscht Krieg zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces, den RSF. Dieser Krieg hat Millionen Menschen vertrieben und eine der schwersten humanitären Krisen unserer Zeit ausgelöst. Besonders dramatisch ist die Situation in Darfur und Kordofan. Die Zivilbevölkerung ist Angriffen, Hunger, Vertreibung und sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Krankenhäuser werden angegriffen, die medizinische Versorgung bricht zusammen, und humanitäre Hilfe erreicht viele Menschen nicht ausreichend. In den vergangenen Tagen gab es erneut tödliche Angriffe auf Zivilisten.

Al-Faschir ist ein besonders erschütterndes Beispiel. Die Weltgesundheitsorganisation dokumentierte allein am 29. Oktober 2025 die Tötung von 460 Patientinnen und ihren Begleitpersonen in einem Geburtskrankenhaus. Ein Ort, an dem Menschen Hilfe und Schutz suchen sollten, wurde zum Schauplatz eines Massakers.

Sie sind seit längerem in der Gruppe »Talk about Sudan« aktiv und rufen zum Jahrestag zu einer Demonstration in Berlin auf. Was fordern Sie?

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Ich habe »Talk about Sudan« in Hamburg gegründet, weil ich nicht akzeptieren möchte, dass das Leid der sudanesischen Bevölkerung unsichtbar bleibt. Wir fordern den Schutz der Zivilbevölkerung und ungehinderten humanitären Zugang sowie die Aufklärung von Kriegsverbrechen und die strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen. Es muss untersucht werden, auf welchen Wegen Waffen und militärische Ausrüstung aus europäischen Staaten, Großbritannien oder den USA in den Handel und damit in den Krieg gelangt sind. Wenn wir über Massaker sprechen, müssen wir auch darüber sprechen, wer die Kriegsparteien unterstützt und welche wirtschaftlichen und politischen Interessen dahinter stehen.

Die Unterstützung der RSF durch die Vereinigten Arabischen Emirate ist gut belegt. Welche Rolle spielt die Bundesregierung?

Diese trägt hier eine besondere Verantwortung. Im April gab es eine internationale Konferenz in Berlin, bei der es um humanitäre Unterstützung und politische Perspektiven ging. Gleichzeitig steht die internationale Hilfe unter erheblichem Finanzierungsdruck, und das Welternährungsprogramm warnte, dass seine Nahrungsmittelvorräte im Sudan bei ausbleibender Finanzierung bis Oktober vollständig aufgebraucht sein könnten. Nur wenige Monate später empfing Bundeskanzler Friedrich Merz den Präsidenten der Emirate, Mohammed bin Sajid Al Nahjan, zu einem Staatsbesuch. Beide Regierungen vereinbarten am 10. September eine engere Zusammenarbeit und sprachen sich in ihrer gemeinsamen Erklärung auch für ein umfassendes Waffenembargo für Sudan aus. Auf der einen Seite behaupten sie, dass sie den Krieg beenden wollen. Auf der anderen Seite werden die Ressourcen und Waffen am Ende des Tages weiter geschmuggelt und geliefert.

Aus dem revolutionären Aufstand, der die Herrschaft Omar Al-Baschirs beendet hat, sind die Resistance Committees und Emergency Response Rooms entstanden. Welche Relevanz haben diese Basisorganisationen?

Während der Revolution von 2018 und 2019 organisierten Menschen in ihren Nachbarschaften den Widerstand gegen die Diktatur und kämpften für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit. Sie bauten lokale Netzwerke auf, mobilisierten zu Protesten und zeigten, dass politische Veränderungen von der Gesellschaft selbst ausgehen können. Aus diesem Netzwerk und der Tradition gemeinschaftlicher Selbstorganisation sind Strukturen hervorgegangen, die heute im Krieg lebenswichtig sind. Die Emergency Response organisiert Gemeinschaftsküchen, verteilt Lebensmittel, unterstützt medizinische Einrichtungen und hilft Vertriebenen. Ihre Bedeutung wurde 2025 auch durch die Verleihung des »Right Livelihood Award«, der häufig als »Alternativer Nobelpreis« bezeichnet wird, international gewürdigt. Gleichzeitig dürfen wir diese Freiwilligen nicht romantisieren. Sie sind selbst gefährdet und brauchen nicht nur unsere Solidarität, sondern konkrete Hilfe und die Möglichkeit, selbst über ihre Zukunft zu entscheiden.

→ Demonstration: 29. Oktober, 16 Uhr, Oranienplatz, Berlin-Kreuzberg

Mohamed Elfatih Ahmed lebt in Hamburg und hat dort die Gruppe »Talk about Sudan« mitgegründet.

Themen:
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Erschienen in der Ausgabe vom 28.10.2026, Seite 3, Ausland

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