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Guatemala: Tausende nehmen an kämpferischem Abschied von ermordetem linkem Aktivisten und Anwalt Foppa teil
Tausende Menschen haben sich bei Dauerregen am Dienstag (Ortszeit) von Juan Francisco Solórzano Foppa verabschiedet. Der Rechtsanwalt und linke Aktivist wurde am Sonnabend morgen in Guatemala-Stadt bei einem Fußballspiel seines Sohnes erschossen. Durch die Schüsse starb auch ein Unbeteiligter, mehrere Personen wurden verletzt. Foppa war der Öffentlichkeit in Guatemala als unerschrockener Kämpfer gegen Korruption bekannt. Er ermittelte während seiner zwölfjährigen Arbeit für die Generalstaatsanwaltschaft unter anderem im Korruptionsfall La Línea, der 2015 zu Massenprotesten geführt hatte und in den die damalige Staatsspitze um Expräsident Otto Pérez Molina involviert war.
Das Gedenken begann mit einer Maya-Zeremonie auf dem Zentralen Platz vor dem Nationalpalast. Mehrere Redebeiträge würdigten Foppas Engagement als Anwalt und Aktivist. Als im November 2023 mehrere Studentenaktivisten in einer konzentrierten Aktion wegen des Konflikts mit der korrupten Universitätsleitung festgenommen wurden, »war Foppa der erste, der uns die Hand reichte«, erklärte eine damals kriminalisierte Studentin. Die Familie Foppa sei eine »historische Familie«, »Revolutionäre seit drei Generationen – und in den Zeiten des revolutionären Volkskrieges auch mit der Waffe in der Hand«, erklärte ein anderer Aktivist.
Seine Mutter Silvia Solórzano ging in ihrer Ansprache ebenfalls auf die Lebensgeschichte der Familie ein, damit »die Anwesenden Juan Francisco verstehen. Meine Mutter, die Großmutter von Juan Francisco (die Schriftstellerin Alaíde Foppa, jW), wurde von der Armee entführt, zwei meiner Brüder fielen im Kampf, auch der Vater von Juan Francisco (Carlos López Arévalo, bekannt als Comandante Camilo, Kommandeur des Ejército Guerrillero de los Pobres, jW) fiel in den Kämpfen in Ixil. Ich war auch im bewaffneten Kampf. Juan Francisco wurde in Nicaragua geboren und wuchs in Kuba auf. Dort lernte er eine andere Vision kennen und eine Erziehung, die ihn das Sprechen lehrte. Das konnte er nach unserer Rückkehr nach Guatemala nutzen. Er hat unser Familienerbe immer hochgehalten.« Sie schloss mit den Worten »La lucha sigue« (der Kampf geht weiter). Nach der Zeremonie fand die Beisetzung auf dem Friedhof Los Parques in der an Guatemala-Stadt angrenzenden Stadt Mixco statt.
Trauerfeier und Beerdigung fielen auf den 20. Oktober – an diesem Tag wird in Guatemala traditionell der Revolution von 1944 gedacht, die die damalige Diktatur beendete. Ein kämpferischer Demonstrationszug mit Tausenden Teilnehmern begann parallel zur Ehrung von Foppa im Viertel Zone 8 und endete im Parque Central. In fast allen Demonstrationsblöcken wurden Transparente mit dem Konterfei von Foppa geschwenkt. Die größten Blöcke stellte das Komitee für Bauerneinheit (CUC) und die Coca-Cola-Gewerkschaft STECSA. Auch bei der STECSA ist der Mord an Foppa Thema. »Dieser 20. Oktober ist nicht wie jeder andere«, erklärte Edgar Giovanni Cruz von der Gewerkschaft im Gespräch mit jW. »Vor den Wahlen 2027 müssen wir uns ernsthaft über die Sicherheit Gedanken machen, sonst wird das, was am Sonnabend geschah, wieder normal.«
Über die Hintergründe des Mordes ist bisher wenig bekannt. Der sozialdemokratische Präsident Bernardo Arévalo sagte in einem Interview mit Medienvertretern in Anwesenheit von Familienangehörigen »umfangreiche Ermittlungen und jegliche Unterstützung« zu. Während der Ehrung hing die Nationalfahne auf dem Platz der Verfassung auf Halbmast, und auch Arévalo war zeitweise bei der traditionellen Totenwache anwesend.
Am Sonnabend hatte die Polizei zwei Tatverdächtige festgenommen. Die beiden Brüder Rigoberto und Daniel Zaqueo Choc Toz wurden zehn Minuten nach der Tat acht Kilometer entfernt auf einem Motorrad verhaftet. Nach Polizeiangaben sollen sie eine Waffe mit sich geführt haben. Die Zeitung La Hora berichtete jedoch unter Berufung auf »Justizorgane«, diese sei ihnen von der Polizei untergeschoben worden. Nach Angaben von La Hora und weiteren Medien hatte die Staatsanwaltschaft selbst die Freilassung gefordert, die am Sonntag erfolgte.
Foppa, der in den vergangenen Jahren selbst zweimal kurzzeitig inhaftiert und kriminalisiert worden war, hatte in seiner juristischen und publizistischen Arbeit immer wieder den »Pakt der Korrupten« angegriffen. So wird die in Guatemala mächtige Allianz aus Unternehmern, meist rechten Politikern und organisierter Kriminalität bezeichnet. Gegen sie vorzugehen war eines der zentralen Versprechen Arévalos bei seinem Wahlsieg 2023. In den vergangenen Monaten konnte die Regierung Erfolge vorweisen: Vom »Pakt« unterwanderte Justizorgane wurden neu besetzt.
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