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Krieg von allen Seiten
Die Konflikte zwischen Saudi-Arabien und den jemenitischen Ansarollah sowie zwischen Äthiopien und Eritrea spitzen sich zu
Zwölf Tote, mindestens 309 Verletzte: Ein Raketenangriff hat am Sonnabend den internationalen Flughafen »König Khalid« in der saudischen Hauptstadt Riad getroffen. Einschläge wurden an den Inlandsterminals drei und vier gemeldet. Reuters spricht vom schwersten Beschuss dieser Art seit mehr als einem Jahrzehnt. Zu den Toten gehören vier Saudis und acht Ausländer, darunter ein US-Bürger. Der Flugbetrieb wurde eingestellt, für Riads Schulen Fernunterricht angeordnet. Der Flugbetrieb sollte mindestens bis Sonntag abend ruhen.
Es war der dritte Angriff binnen einer Woche. Bei den vorherigen waren laut Reuters vier Menschen getötet, ein Passagierflugzeug schwer beschädigt worden. Die Saudi-Diktatur macht die jemenitischen Ansarollah (»Huthis«) dafür verantwortlich. Die Bewegung bekannte sich bislang nicht dazu, sprach aber erneut Warnungen aus, die saudischen Flughäfen und den Luftraum des Landes zu nutzen. Ausgenommen sind Reisen nach Mekka und Medina. US-Präsident Donald Trump erwägt eine Beteiligung der USA an den saudischen Luftangriffen auf die Ansarollah.
Auch nahe dem Airport von Dammam, der Riad als Ausweichflughafen dient, schlug ein Geschoss ein. Die Attacken zeigen bereits wirtschaftliche Folgen: Die Börse in Riad verlor am Sonntag einen Prozentpunkt, der Aramco-Ölkonzern 0,6. Die Ansarollah könnten nach Einschätzung von AP den Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab Al-Mandab unterbrechen, was eine weitere Schwächung der saudischen Wirtschaft zur Folge hätte.
Die Raketenangriffe auf Saudi-Arabien gehen mit Geländegewinnen der Ansarollah am Boden in Jemen einher. Im September hatten sie die jemenitische Hafenstadt Mokka und den Bezirk Dhubab an der Meerenge Bab Al-Mandab eingenommen. Am 4. Oktober startete die jemenitische Regierung in Aden die Gegenoffensive »Morgenröte Jemens«. Die Regierung in Aden wird immer wieder als »international anerkannt« bezeichnet – allerdings hat sie seit langem keine demokratische Legitimation mehr und ist komplett von Riad abhängig.
Die Erfolgsmeldungen widersprechen sich seitdem: Riad verkündete die Rückeroberung von Mokha und Dhubab. Ein Sprecher der von Saudi-Arabien abhängigen Regierung in Aden erklärte dagegen, erst die Hälfte des Gebiets am Bab Al-Mandab sei zurückerobert, wie der britische Guardian berichtete. Laut NZZ rückten die Truppen lediglich wenige Kilometer vor. Die Ansarollah meldeten 22 zerstörte Panzerfahrzeuge. Auch saudische Luftangriffe brachten keine Entscheidung. Die »Regierungstruppen« behaupten, 1.150 Ansarollah-Kämpfer getötet zu haben – unabhängig bestätigt ist das nicht. Bei Bombardierungen Sanaas wurden Zivilisten getötet.
Saudi-Arabien ist es nicht gelungen, aus den rivalisierenden Gruppen im Jemen eine schlagkräftige Armee zu formen. Die saudische Luftwaffe beherrscht zwar den Luftraum, doch gegen die dezentral operierenden Kräfte der Ansarollah erweist sich die Luftüberlegenheit als weitgehend wirkungslos. So ist die Großstadt Tais im Südwesten Jemens trotz starken saudischen Bombardements erneut von den Ansarollah eingeschlossen. Mit der Eroberung der Ortschaft Turba haben sie Anfang Oktober die letzte wichtige Verbindung zu den von Saudi-Arabien gestützten Gebieten gekappt. Die Ansarollah beherrschen zudem die Höhen um die Stadt. Folge: Der Benzinpreis verdreifachte sich, Lebensmittel verteuern sich drastisch. Seit der Eskalation sind laut Internationaler Organisation für Migration mehr als 200.000 Menschen geflohen, überwiegend aus Tais. Ein Verlust von Tais wäre für Riad ein schwerer Rückschlag. Die Ansarollah könnten anschließend ihre Kräfte auf die Ölstadt Marib konzentrieren.
Am gegenüberliegenden Ufer des Roten Meeres droht zugleich der nächste Krieg. Äthiopien wirft Eritrea vor, mit Truppen bis zu 60 Kilometer tief in den Norden des Landes eingedrungen zu sein. Addis Abeba beruft sich gegenüber dem UN-Sicherheitsrat auf sein Recht zur Selbstverteidigung. Eritrea bestreitet die Vorwürfe und spricht von einer Kriegserklärung. Reuters konnte den Grenzübertritt nicht unabhängig bestätigen.
Im Hintergrund steht Äthiopiens Anspruch auf einen Zugang zum Roten Meer. Seit Eritreas Unabhängigkeit 1993 ist das Land vom Meer abgeschnitten und für seinen Außenhandel auf Dschibuti angewiesen. Ministerpräsident Abiy Ahmed fordert seit Jahren einen eigenen Zugang, insbesondere zum ehemaligen äthiopischen Hafen Assab.
Seit Ende September kämpfen Rebellen in Nordäthiopien gegen die Regierung. Addis Abeba beschuldigt Eritrea, sie zu unterstützen. Am Sonnabend rückten äthiopische Truppen in die Grenzstadt Adigrat ein, nachdem sich eritreische Einheiten nach Angaben der Konfliktbeobachtungsstelle ACLED zurückgezogen hatten. Damit drohen an beiden Seiten des Roten Meeres Kriege zu eskalieren: Während die Ansarollah die Schiffahrt durch den Bab Al-Mandab bedrohen, strebt Äthiopien eine Rückkehr zum Roten Meer an.
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