Denkzettel
Friedensnobelpreis an Navi Pillay
Das war ein mehrfacher Salto rückwärts, den das Nobelpreiskomitee mit der Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises an Navi Pillay hingelegt hat. Man erinnere sich: Im vergangenen Jahr ging der Preis an die ultrarechte gescheiterte venezolanische Putschistin María Corina Machado, die unverändert auf einen Umsturz in Caracas hinarbeitete. Dass sie den Friedensnobelpreis bekam, war im Herbst 2025 Wasser auf die Mühlen von US-Präsident Donald Trump, Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro zu stürzen. Dass Machado ihre Preismedaille später Trump schenkte, war konsequent: Die Auszeichnung, die immerhin die Vokabel »Frieden« im Namen trägt – und schon so häufig für propagandistische Ziele des Westens eingespannt worden war –, war endgültig zum PR-Material für westliche Gewaltpolitiker der chauvinistischsten Art verkommen.
Mit Pillay hat das Nobelpreiskomitee diesmal ziemlich in jeder Hinsicht das Gegenbild zu den ultrarechten weißen Umstürzlern ausgezeichnet, die im vergangenen Jahr jubeln durften. Eine Antiapartheidsaktivistin aus Südafrika, die unter anderem Nelson Mandela verteidigte, die nach dem Ende der Apartheid zur ersten nichtweißen Richterin am Obersten Gerichtshof Südafrikas aufstieg; eine frühere Richterin am Internationalen Strafgerichtshof, den die Trump-Administration genauso beseitigen möchte, wie sie Pillays Herkunftsland von G20-Treffen ausschließt und es mit Sanktionen belegt: Klarer kann man – im bürgerlichen Rahmen, versteht sich – kaum in Opposition zum Weißen Haus gehen. Dass Pillay von 2008 bis 2014 als UN-Menschenrechtskommissarin ein Amt bekleidete, das Trump ebenfalls am liebsten abschaffen würde, passt ins Bild.
Last but not least: Pillay gehörte der dreiköpfigen Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats an, die 2025 zu dem Schluss kam, Israel verübe im Gazastreifen in der Tat einen Genozid. Ihren Blick auf die strukturelle Gewalt gegen Palästinenser in Israel und den besetzten Gebieten teilt Pillay mit so vielen, die Apartheid am eigenen Leib erfahren haben. Nebenbei: Auf eine Ehrung in Deutschland hatte die frischgebackene Friedensnobelpreisträgerin deshalb nie eine Chance. Als sie 2020 in Berlin die Otto-Hahn-Friedensmedaille zugesprochen bekam, sagte der Senat, unter Druck geratend, die Preisverleihung kurzerhand ab: Pillay sei, hieß es zur Begründung, Antisemitin.
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