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Epidemie

Denguefieberwelle in Südasien

Mehr als 100.000 Infizierte in Sri Lanka. Mückenplage in Bangladesch breitet Krankheit aus

Foto: Mohammad Ponir Hossain/Reuters
Kinder mit Denguefieber in Bangladesch (Dhaka, 7.10.2026)

In Südasien beginnt mit dem Abflauen der Monsunzeit erneut die Hochsaison für das Denguefieber. Während die Lage in Indien – dem bevölkerungsreichsten Land des Subkontinents – in diesem Jahr noch entspannt ist, lassen vor allem die Infektionswellen in Bangladesch und Sri Lanka aufhorchen. In Sri Lanka wurde in den letzten Septembertagen bereits die Marke von 100.000 Infizierten überschritten, sieben Provinzen gelten als Hochrisikogebiete. Betroffen ist das ganze Land, wenngleich sich gut die Hälfte der bisherigen Fälle auf die Westprovinz konzentriert, in der auch die Hauptstadt Colombo liegt. Östlich der beiden dortigen Bezirke Gampaha und Colombo – mit je rund 20.000 Fällen – liegt Kandy in der Zentralprovinz mit etwa 7.700 Krankheitsfällen an dritter Stelle, listete der sri-lankische Daily Mirror Ende September amtliche Zahlen des Gesundheitsministeriums auf.

Gravierender ist die Lage jedoch in Bangladesch: Dort sind bisher bereits 289 Menschen am Denguefieber gestorben, der September war mit 148 Todesfällen der tödlichste Monat. In einer für die Regierung des US-Präsidenten Donald Trump bemerkenswerten Geste sprangen die USA dem südasiatischen Land ob der Krise zur Seite und haben der Regierung in Dhaka 500.000 Schnelltestkits zur Verfügung gestellt. Sie sollen nun schnellstmöglich landesweit in den Kommunen zum Einsatz kommen. Derzeit werden fast 5.800 Patienten in den Kliniken behandelt, so die Dhaka Tribune vom Mittwoch. Besonders in den großen Krankenhäusern der Hauptstadt ist das Personal wegen einer schweren Masernepidemie jedoch seit Monaten völlig überlastet.

Dem Singapurer Nachrichtenkanal Channel News Asia sagte der medizinische Insektenforscher Kabirul Bashar von der Jahangirnagar University in Dhaka Anfang Oktober: »Unser Prognosemodell besagt, dass sich die Lage über den Oktober weiter verschärfen wird.« Nach seinen Ausführungen besteht ein entscheidender Unterschied zur Vergangenheit: In den Jahren zuvor waren die Denguefieberausbrüche weitgehend auf die urbanen Ballungsräume, gerade die Hauptstadt Dhaka, beschränkt. Inzwischen seien die Asiatischen Tigermücken, die den Erreger übertragen, aber fast in alle Winkel des Landes vorgestoßen und stellten dort eine reale Gefahr dar.

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Ärzte in Südasien, die bislang lediglich zur Prävention mahnen konnten und Infizierte notdürftig mit Schmerzmitteln behandelten, setzen ihre Hoffnung für die Zukunft in den ersten Impfstoff gegen das Denguefieber, der im Juli auch in Indien zugelassen wurde. Dort gab es in den Jahren von 2021 bis 2025 über eine Million offiziell nachgewiesene Infektionen und mehr als 1.500 Todesfälle. Allein 2023 und 2024 gab es mit 290.000 beziehungsweise 233.000 Krankheitsfällen besonders heftige Ausbrüche. Das Mittel Qdenga ist ein Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Erregern, der gleich gegen alle vier Varianten des Virus Schutz bietet. Bisher schützte eine überstandene Infektion zwar gegen einen Virenstamm, nicht aber gegen die drei anderen Denguefiebervarianten.

Entwickelt wurde Qdenga vom japanischen Pharmakonzern Takeda, der zu den 20 größten Unternehmen der Branche weltweit zählt. In der Europäischen Union erhielt Qdenga bereits Ende 2022 die allgemeine Zulassung und ist in der BRD seit Anfang 2023 auf dem Markt. In Indien hat sich Takeda für die lokale Produktion und Vermarktung mit einem Generikahersteller aus Hyderabad zusammengetan. Tatsächlich soll das Produkt aber erst in der ersten Jahreshälfte 2027 verfügbar sein. Für den diesjährigen Ausbruch ist das allerdings zu spät.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.10.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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