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Autoindustrie

VW gibt chinesischen Markt auf

Volkswagen: Absätze brechen weiter ein. Verluste von 5,82 Milliarden Euro im dritten Quartal. Neue Exportstrategie präsentiert

Foto: Florence Lo/File Photo/REUTERS
Wohin damit? E-Autos im Anhui-Werk in Hefei

»In China, for China« war gestern. Statt dessen gilt bei Volkswagen nun das Motto »In China, beyond China«. Sprich: Der Konzern will weiterhin in der Volksrepublik Autos entwickeln und produzieren, verkauft werden sollen diese aber auf anderen Märkten. Damit reagiert das Management auf drastische Absatzeinbrüche. Allein im dritten Quartal dieses Jahres sind die Verkaufszahlen in der Region um 38,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf gut 400.000 Autos zurückgegangen.

Das Management macht dafür vor allem die schwierigen Marktbedingungen verantwortlich. »Der Gesamtmarkt in China ist im freien Fall«, führte VW-China-Chef Ralf Brandstätter gegenüber dem Handelsblatt an. Die Verbraucher sorgten sich um ihre Jobs und hätten wenig Vertrauen in die Zukunft. Tatsächlich sind die Pkw-Verkaufszahlen laut dem Branchenverband China Passenger Car Association (CPCA) von Januar bis September markenübergreifend um 21,7 Prozent zurückgegangen. Allerdings geht mit gut 16 Prozent ein erheblicher Teil des Einbruchs auf das Konto von Volkswagen.

Neben dem Absatzrückgang im Inland zeigen die CPCA-Zahlen, dass die Autoexporte aus der Volksrepublik boomen. Im September sprangen die Exportzahlen demnach um 73,7 Prozent nach oben. Chinesische Hersteller drängen vermehrt nach Europa und in den globalen Süden. Für das Gesamtjahr 2026 geht der Verband davon aus, dass rund zwölf Millionen Pkw ausgeführt werden. Das entspräche einem Zuwachs um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei haben insbesondere die chinesischen Hersteller Chery, BYD, Geely und SAIC die Nase vorn – allen protektionistischen Maßnahmen wie den exorbitanten Einfuhrzöllen der EU und der USA zum Trotz.

An diesem Boom will VW künftig stärker partizipieren, um die Verluste auf dem chinesischen Binnenmarkt auszugleichen. Die Idee: von den günstigen Bedingungen für Technologieentwicklung und Produktion in China profitieren und dann von dort aus in andere Regionen exportieren, vor allem nach Südamerika. »Noch vor Ende dieses Jahrzehnts wird Südamerika die erste Region sein, die in China entwickelte Technologien in ihr lokales Portfolio aufnimmt«, verlautbarte der Konzern an seinem Forschungs- und Entwicklungsstandort im ostchinesischen Hefei.

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Bislang exportiert Volkswagen aus China jährlich bloß einige wenige Fahrzeuge in Länder wie Kasachstan und Usbekistan sowie den Nahen Osten. Neben Südamerika will der Konzern künftig unter anderem Südostasien und Afrika stärker als Absatzmärkte für in China entwickelte und fabrizierte Pkw ins Visier nehmen. Auch in diesen Regionen mussten die Wolfsburger zuletzt zweistellige Absatzeinbrüche wegstecken. Die Trendwende soll nun kostengünstige und schnell entwickelte Technologie aus den chinesischen Produktionsstätten bringen.

Gemeint sind Technologien wie das jüngst präsentierte Vega-System, das vollständig in China entwickelt wurde und Elektronikarchitektur, Fahrzeugplattformen sowie ein Fahrerassistenzsystem enthält. Laut VW-Manager Brandstätter ist Vega das Ergebnis rasant und kosteneffizient entwickelter Spitzentechnologien, die schnell integriert und skaliert werden können. Dadurch würden die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und neue Geschäftsmöglichkeiten über China hinaus eröffnet. VW-Boss Oliver Blume betrachtet die Volksrepublik daher künftig vor allem als »Produkt- und Technologiezentrum für unsere globalen Märkte«.

Weltweit belief sich der Absatzrückgang aller Marken unter dem VW-Dach in den ersten drei Quartalen 2026 auf satte 14,3 Prozent. Im ersten Halbjahr war das Konzernergebnis nach Steuern um fast ein Drittel auf 3,1 Milliarden Euro geschmolzen. Laut dem am Donnerstag präsentierten Quartalsbericht wurden von Juli bis September 5,82 Milliarden Euro verbrannt, nachdem bereits im Vorquartal ein Verlust von gut einer Milliarde verbucht werden musste. Bereits im September musste die Unternehmensleitung die Prognose senken: Von rund 315 Milliarden Euro Jahresumsatz dürfte demnach bestenfalls ein Prozent als operativer Gewinn übrigbleiben.

Verantwortlich für den Rückgang sind neben dem Scheitern in China auch eine milliardenschwere Abschreibung bei Porsche sowie weiterhin steigende Kosten für den vermurksten Konzernumbau.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.10.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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