Masernausbruch plus Überschwemmungen
Bangladesch: Viele Tote nach Erdrutschen. Einstige Flutungskanäle fehlen. Das Dengue-Risiko wächst
Nach Monsunregenfällen in Bangladesch haben Überschwemmungen und Erdrutsche bis Mitte der Woche mindestens 56 Menschenleben gefordert. Weit über 10.000 Einwohner des südasiatischen Landes mussten ihre Heimatorte und Stadtviertel verlassen und harren nun in 329 Notunterkünften aus. Am schlimmsten betroffen ist der Distrikt Cox’s Bazar im Osten, in dem auch die Lager der insbesondere 2017 aus dem benachbarten Myanmar geflüchteten Rohingya liegen. Allein in dieser Region gab es nach amtlichen Angaben schon 31 Tote, davon 13 Rohingya.
Allerdings sieht es in anderen Gegenden kaum besser aus. In der Hauptstadt Dhaka können Züge wegen teils unter Wasser liegender Gleise nicht fahren. Auf überfluteten Straßen geht es nur langsam voran. Die Katastrophe in Dhaka, erinnert die Zeitung The Daily Star, ist jedoch zum Teil hausgemacht: Die Stadt galt einst als Venedig Südasiens mit bis zu 100 Kanälen. Zu Kolonialzeiten begann man aber mit deren Beseitigung. Bei der Unabhängigkeit waren noch gut 50 übrig, heute seien lediglich 26 intakt, um überschüssiges Wasser zügig ableiten zu können.
Sonakshi Dey, Bangladeschs Landesdirektorin der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rote-Halbmond-Gesellschaften (IFRC), sprach gegenüber dem Singapurer Nachrichtenportal Channel News Asia (CNA) von mehr als 10.700 zerstörten oder beschädigten Wasserversorgungs- und Sanitäranlagen. »Die Lage ist sehr ernst. Das Hauptproblem ist, die Menschen überhaupt zu erreichen, weil die geographisch-topographischen Gegebenheiten des Landes sehr schwierig sind«, so Dey am Dienstag. Hinzu kommt, dass die IFRC und nationale Gesundheitseinrichtungen seit März mit einem umfassenden Masernausbruch zu kämpfen haben, der sich zuletzt erneut verstärkte. Durch die hinzugekommene Überschwemmung werden die Hilfsressourcen rar.
Auch die Gefahr von Cholera- und Dengue-Ausbrüchen wächst. Das Dengue-Risiko hat durch den Klimawandel, unter dem Bangladesch bereits stärker als andere Länder leidet, ohnehin zugenommen, wie erste Studien belegen. »Durch den Einfluss von El Niño steigen Temperaturen, verändern sich Regenfälle, und die Luftfeuchtigkeit nimmt zu. Diese Umweltveränderungen schaffen Bedingungen, die die Brutaktivität der Aedes-Moskitos begünstigen und damit das Risiko der Verbreitung von Dengue steigern«, erklärte Mushtuq Husain, Experte für öffentliche Gesundheit, diese Woche der Dhaka Tribune.
2023 war bei weitem das heftigste Dengue-Jahr mit 321.000 Fällen in den Krankenhäusern und über 1.700 Todesopfern. Diesmal hatte sich der Erreger, der sonst weitgehend auf die Großstädte wie Dhaka beschränkt war, landesweit ausgebreitet, analysierte das Wissenschaftsmagazin The Lancet im darauffolgenden Jahr. Eine weitere, aktuelle Studie, am 9. Juni bei MDPI veröffentlicht, verweist auf die Verstetigung relativ hoher Dengue-Zahlen. Statt nach dem Peak 2023 wie gewohnt deutlich zu sinken, gab es auch 2024 noch 101.000 Infizierte und 575 Todesfälle. Auf nahezu gleichem Niveau gab es voriges Jahr dann 102.000 Fälle und 412 Tote. Die Mücken beißen außerdem offenbar häufiger als früher.
In »normalen« Jahren lässt sich das Dengue-Risiko mit geeigneten Präventionsmaßnahmen im Kampf gegen stehende Wasserflächen verkleinern. Doch mit den Überflutungen aktuell wächst die Angst vor einer neuen großen Welle. Das Restwasser, das noch länger auf den Straßen, auf Baustellen und in den Wohngebieten steht, sei ein idealer Brutplatz für die Aedes-Mücken, warnt nicht nur die Zeitung The Age. Das Bangladesh Shishu Hospital etwa verzeichne seit Tagen eine steigende Zahl von Patientinnen und Patienten mit dem Verdacht einer Dengue-Infektion, so das Blatt.
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