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Hindunationalismus

Modis verhageltes Jubiläum

Indiens Opposition mobilisiert gegen Wahlbetrug

Foto: Bhawika Chhabra/Reuters
Auch die Präsidentin der Indischen Studentenvereinigung beteiligte sich an den Protesten (Neu-Delhi, 4.10.2026)

So hatte sich Narendra Modi sein 25jähriges Dienstjubiläum sicher nicht vorgestellt. Den zweiten Tag in Folge war die indische Hauptstadt auch am Mittwoch Schauplatz wütender Demonstrationen des politisch breit gefächerten, oppositionellen INDIA-Bündnisses. Die Teilnehmer forderten die sofortige Absetzung des Chefs der Nationalen Wahlbehörde, Gyanesh Kumar. Von ihm war bekanntgeworden, dass er die Wählerregister zugunsten der regierenden Indischen Volkspartei (BJP) frisiert hatte. Zum zweiten Mal wurden bei den Protesten Oppositionsführer Rahul Gandhi vom Indischen Nationalkongress nebst weiteren Abgeordneten festgenommen und abgeführt – eine Ungeheuerlichkeit in dem 1,5-Milliarden-Einwohner-Land, das oft als »größte Demokratie der Welt« gefeiert wird.

Modi hatte am 7. Oktober 2001 seinen Parteifreund Keshubai Patel als Chefminister des Bundesstaats Gujarat abgelöst, nachdem dieser über eine Korruptionsaffäre gestürzt war. Dem bis dahin »unbeschriebenen Blatt« Modi gelang ein steiler Aufstieg bis ins höchste Regierungsamt – bei dem er eiskalt über Leichen ging. 2002 war er laut einer Undercoverrecherche der Zeitschrift Tehelka eine treibende Kraft, als Hindunationalisten in Gujarat wochenlang Jagd auf Muslime machten, wobei Tausende hingemetzelt und Hunderttausende vertrieben wurden. Nachdem er die Mehrheit der Gujaratis mit seiner Politik rassistischer Aufwieglung hinter sich gebracht hatte, hing sich der neoliberale Modi sodann das Mäntelchen des ökonomischen Visionärs um.

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Doch nach zweieinhalb Amtszeiten als Premier beginnt sich das Blatt zu wenden. Schon vor dem Urnengang 2024 hatte die Opposition Wahlfälschung beklagt. Ende 2025 zündete Rahul Gandhi dann eine »Wasserstoffbombe«: Er präsentierte Hinweise, dass die Wahlkommission Millionen BJP-Anhänger doppelt registriert hatte. Doch der »Tropfen zuviel« war im September ein Bericht der Zeitung Indian Express, wonach Kommissionschef Kumar ohne Absprache mit den anderen Behördenmitgliedern insbesondere muslimische Wahlberechtigte aus den Listen gestrichen hatte. Der Forderung der aktuell 25 INDIA-Parteien nach einem Rücktritt Kumars hat sich auch die »Kakerlakenvolkspartei« (CJP) angeschlossen, eine von Jugendlichen getragene Bewegung, die Korruption im Bildungswesen beklagt. Für Freitag ist die nächste Großdemonstration in Delhi angekündigt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.10.2026, Seite 7, Ausland

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