Bewacher des Tages: Marokkanische Soldaten
In Ceuta ist vor dem Besuch des spanischen Königs Felipe kommende Woche Ordnung schaffen angesagt. Zu Wochenbeginn wurde der Badestrand der Exklave in einer Großaktion der Polizei geräumt. Die mehr als 3.000 Marokkaner, die sich dort seit dem ungeregelten Grenzübertritt Zehntausender im Juli aufgehalten hatten, mussten ihre improvisierten Unterkünfte aufgeben. Dabei machten die Einsatzkräfte eine Entdeckung, die erklärt, warum viele der Geflüchteten sich bisher geweigert hatten, sich registrieren zu lassen oder wieder nach Marokko zurückzukehren.
Die Polizei konnte bei der Räumung nämlich zahlreiche Angehörige der marokkanischen Streitkräfte identifizieren. Sie seien nach Ceuta geflohen, weil sie die Zustände in der Armee und in Marokko nicht mehr ertrügen, schreibt dazu die Infoseite Afrik.com. Das widerlege »die offizielle Geschichte von einem ›illegalen Zustrom von Zivilpersonen‹«. Mit dem Aufgreifen der Deserteure habe Spanien zudem eine »gravierende Schwachstelle in der Befehlsstruktur des Nachbarlandes« offengelegt. Es zeige sich, »dass die ›Festung Europa‹ nicht mehr nur Benachteiligte anzieht, sondern auch jene, die zu ihrer Bewachung eingesetzt sind«.
Am Mittwoch wurde Spanien auf einem EU-Gipfel der Mittelmeerländer im kroatischen Split aufgefordert, die Geflüchteten zügig abzuschieben. Wie sich herausstellt, ist das nicht so einfach möglich: Liefert Madrid die Deserteure aus, sind ihnen drastische Strafen gewiss. Andernfalls müsste es aber ihren Aufenthaltsstatus aufwendig und langwierig prüfen. Eines steht dabei fest: An der Tragödie von Ceuta, bei der mehr als hundert Menschen ums Leben kamen, trägt Rabat eine Mitschuld. Selbst wenn es nicht der Drahtzieher der Massenflucht war, wofür jedoch vieles spricht, hat es Verhältnisse zu verantworten, die die Marokkaner zu Verzweiflungstaten veranlassen.
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