Die Heimkehr der Herde
Der Papst besucht Frankreich, und Hunderttausende jubeln ihm zu. Ist das eine Nachricht? Mehrerlei fiel jedenfalls auf. Erstens, der oberste Brückenbauer kommt in ein Land, das seit mehr als 120 Jahren strikt laizistisch organisiert ist, weshalb der französische Staat Jahr für Jahr seine Schulabgänger entlässt, ohne dass die irgendeine Form von Religionsunterricht kennengelernt hätten; weshalb zweitens der hohe Anteil junger Menschen unter den päpstlichen Jubelmassen ins Auge stach, was wiederum drittens in scharfem Kontrast zur Beliebtheit der Politchargen in Frankreich steht. Hoffnung im Jahr 2026 stiftet ausgerechnet das Oberhaupt der katholischen Kirche.
Findet auch die Presse, zum Beispiel La Tribune aus dem Gastgeberland: »Dass ein Papst, der sich für Frieden, Flüchtlinge und die Vergessenen des Kapitalismus einsetzt, Hoffnung weckt, ist ein Grund zur Freude. Er präsentiert sich in einer Zeit, in der Techzauberlehrlinge und Kriegstreiber das bedrohen, was die Würde und Größe der Menschheit ausmacht.«
Und The Irish Times von der sehr katholischen Insel notiert zufrieden: »Der viertägige Besuch von Papst Leo XIV. in dem weitgehend säkularen Staat (…) war ein Vorstoß in ein neues, weniger vertrautes Frankreich, das ihn jedoch mit offenen Armen empfing. (…) Trotz des säkularen Zeitgeistes und des Aufstiegs der französischen Rechtsextremen fanden die Botschaften des Papstes für Frieden und Inklusion (…) bei einem großen Teil der französischen Öffentlichkeit eindeutig Anklang.«
Rzeczpospolita aus dem nicht minder katholischen Polen entdeckt sogar die segensreichen Wirkungen, die Robert Prevost auf seiner Reise für die Europäische Union haben könnte: »In Metz wird er seine Pilgerreise durch Frankreich beenden. Robert Schuman ist mit dieser Stadt verbunden, der Außenminister, der am 9. Mai 1950 seinen Plan zum Aufbau der europäischen Gemeinschaft vorstellte. Dieses Datum gilt als Beginn der europäischen Integration. Der Papst möchte dort die Bedeutung der EU hervorheben und dem populistischen Nationalismus entgegentreten.«
Die erodierende liberale Mitte benötigt inzwischen einen Gottesmann, der ihr Halt geben soll in dieser schweren Zeit: »Dem Papst ist es gelungen, mit seiner Botschaft in die zutiefst säkularisierte französische Gesellschaft vorzudringen. (…) Etwas ist in Bewegung geraten in dem politisch zerrissenen Land«, schreibt die FAZ und hat noch nicht genug: »Wie der polnische Papst seinerzeit entscheidend dazu beitrug, den Kommunismus zu Fall zu bringen, so besteht die Hoffnung, dass der amerikanische Papst in seiner Heimat und im Westen jene Kräfte stärken könnte, die für Demokratie, Frieden und Recht einstehen.« Amen. (brat)
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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