Käsespätzle mit Salat
Figuren:
Nulldeutsche (Chor)
Bundestrainerengel
Kanzlermaus
Marienkäfer
Ort: Eine Lichtung im Nulldeutschen Wald irgendwo zwischen Münster und Helmstedt, Kassel und Lüneburg
Zeit: 2026
Nulldeutsche: (weinend) Nie hatten wir Dialekt oder Folklore. Kurz hatten wir Rasse. Jetzt haben wir gar nichts mehr. Nicht einmal mehr Geld oder Arbeit.
Der Himmel bricht auf, gleißendes Licht. Es steigt ein Engel mit kantigem Kiefer herab. In seiner linken Hand ein Fußball, in seiner rechten eine Deutschland-Fahne. Seine strahlenden Zähne blenden die verängstigten Menschen.
N: Wer bist du, gleißender Lichtbringer?
Bundestrainerengel: Ich ließ Millionen hinter mir, um Millionen zu dienen. Ich bringe euch Zuversicht und Siege. Ich bin der neue Bundestrainer.
N: Heil dir, Funkelzahn aus Wolkenhöh, wir brauchen dich inwendiger als bittre Arzenei! Stolz wollen wir sein, wir waren’s 16 Jahre nicht!
Marienkäfer: (brüllt, keiner hört’s) … Oder waren’s 81?
B: In Engeland weilt’ ich zuletzt und bei den Roten Bullen. Nun kam ich von den Seraphinen, die Elf zu leiten und zu grienen. Ich lass das Führen nicht den Falschen. Fürchtet euch nicht: Ich bin normal und Demokrat, ich liebe Spätzle und Salat.
Kanzlermaus: (piepst) Lauscht, was er verkündet, hört nicht den Falschen zu! Er ist die Mitte, so wie ich.
N: Wir haben auch Hunger, großer Trainer!
B: Wenn ihr mich liebt, so liebt ihr euch selbst. Lasst mich walten, meckert nicht!
K: (fiept): Genau!
B: In meine Elf kommt, wer was leistet. Einer von uns sein, das heißt siegen. Es zählt nicht Farbe, zählt nicht Stamm, die Fahne hoch und stehet stramm! (bleckt die Zähne) Jetzt haltet den Rand und seid dankbar, sonst flatter’ ich nach Katar. Dann bleibt euch nur die Kanzlermaus.
M: (brüllt wieder, keiner hört’s) Glaubt ihm nicht! Er ist der Engel des Normalisierungspatriotismus, der Engel des Leistungspatriotismus.
N: Nimm an unsere Gaben und führ uns zur Weltmeisterschaft. Wir wollen nie mehr meckern, nie Fragen stellen. Die Maus ist grau, ihr Fell ist kahl, du bist der Hoffnung Sonnenstrahl! (Eine riesige Platte Käsespätzle wird hereingetragen)
Spätzle kauft man am besten gekühlt im Supermarkt. Oder man rührt 300 g Mehl, 3 Eier, etwas Salz, 150 ml Wasser und etwas Muskat zusammen. Dann presst man den Teig irgendwo durch, am besten durch einen Spätzlehobel oder ein Sieb, und direkt ins kochende Wasser. Großmütter, wie die vom Bundestrainerengel, schaben sie auch vom Brett, das bedarf Übung und Technik. Hat man also einen Berg Spätzle vor sich, brät man diesen in Butter an, eine leichte Bräune darf sein. Mit Pfeffer, Salz und Muskat würzen. Währenddessen einige Zwiebeln in feinen Ringen in viel Butter mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker goldbraun braten, dann auf Küchenpapier abtropfen lassen, damit sie kross werden. Zu den heißen Spätzle 200 g Käse geben und von der Platte nehmen, schmelzen lassen. Es eignet sich eine Mischung aus Emmentaler und strengen Bergkäsen. Röstzwiebeln und Schnittlauch drüber. Einen einfachen grünen Salat zur Seite.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
