Kürbisknödel mit Kernölcreme
Nach dem US-Import-Gruselfasching haben Sie vielleicht einige Leichen der Art orange Riesengurke im Keller. Halloween gehört sich sowieso, meiner Meinung nach, in Deutschland verboten – ebenso die SOS-Kinderdörfer, Rentner, Gen-Z und Wolf Biermann. Die handeln alle nach dem Prinzip »Spuk oder Spende« und schmeißen mit faulen Eiern, wenn man ihnen kein Zuckerl gibt. Wie Sie wissen, habe ich vor zwei Wochen ja eine Kürbiscremesuppe kredenzt, und tatsächlich ist mir mit etwas Plastikfolie der halbe Kürbis im Kühlschrank nicht einmal weggeschimmelt. Toastbrot, ich esse es nie, steht auch noch rum, sieht blond und gesund aus. Ich habe ja die Vermutung – Achtung, Verschwörungstheorie! –, dass unser braves, heimisches Toastbrot von der US-Lebensmittelindustrie gehackt wurde. Es nimmt nämlich langsam, aber sicher die Eigenschaften des berüchtigten »Wonderbread« an, einem amerikanischen Klassiker, der ewig lebt und nie verschimmelt. Das beweist mir auch, dass die Russen nicht im Spiel sind, sonst würde das Brot ja sofort schimmeln. Steirisches Kürbiskernöl steht auch noch im Kühlschrank, Eier, Butter, die Petersilie auf dem Balkon lebt unerklärlicherweise noch, muss der Klimawandel sein. Wenn jetzt bei Ihnen im Resthirn auch der Verwertungsterror tobt, hilft Ihnen künstliche Intelligenz. Zutaten eingeben und Rezept vorschlagen lassen, die billig erzeugten Fotos wässern den Mund. Und ganz ehrlich, wissen Sie überhaupt noch, was Ihnen schmeckt?
Ich habe mir unter Zuhilfenahme neuronaler und algorithmischer Gedankenflüsse ein ökonomisch wie ökologisch meiner Lage entsprechend sinnvolles Gericht ausgedacht: Kürbisknödel mit Kernölcreme. 200 g geschälten und gewürfelten Kürbis im Backofen bei 180 Grad 25 Minuten lang rösten, bis er weich ist, dann pürieren. 250 g trockenes Weißbrot (Chemo-Toast wird unter normalen Bedingungen nie trocken, Sie können es evtl. im Backofen dörren) mit 200 ml Milch und zwei gequirlten Eiern übergießen, 15 Minuten ziehen lassen. Drei Schalotten fein hacken, in Butter anschwitzen, abkühlen lassen und mit gehackter Petersilie, Salz, weißem Pfeffer und etwas Muskatnuss zur Brotmasse geben. Auch das Kürbispüree dazu und zu einem Knödelteig vermengen. Mit Mehl oder Milch lässt sich der Teig verändern – er sollte ungefähr so feucht sein, dass Sie mit nassen Händen noch eine stabile Kugel formen können. Ins Zentrum jedes Knödels rohe oder knusprige Speckwürfel geben, 25 Minuten lang in siedendem Salzwasser ziehen lassen. Das Wasser sollte leicht wallen, aber nicht sprudeln. Für die Soße eine halbe Knoblauchzehe in Butter anschwitzen, dann mehlieren und mit 200 ml Brühe ablöschen, etwas einreduzieren lassen. 150 g Frischkäse einrühren, von der Platte nehmen und mit drei EL Kürbiskernöl aufmixen. Servieren Sie die Knödel auf der Soße, gerne mit geriebenem Parmesan oder Bergkäse bestreuen, sowie mit Kürbiskernen, ein paar Tropfen Öl und gehackter Petersilie.
Tatsächlich war das eine Heidenarbeit – vom Denken bis zum Kochen –, und obwohl das ganz gut geschmeckt hat, fiel mir beim Anblick der Knödel ein: Ich hätte einfach noch mal die Suppe machen können.
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