Öhrchen mit Pistazchen und Garnelchen
Endlich ist das 20. Jahrhundert vorbei, es dauerte nur ungefähr 187 Jahre. Zumindest im Hinblick auf eine Geschichte der Mimesis hat es sich nun mit der vielgeschundenen Moderne. 1839 entstand die erste Fotografie, 2026 ist sie bald völlig wertlos. Gucken Sie sich mal die neusten Videos auf Youtube an, komplett von Haushalts-KIs generiert – da ringen UFC-Kämpfer mit Dinosauriern, und ich persönlich kann und will nicht mehr unterscheiden, ob das »echt« ist oder nicht. Mit dem Ton verhält es sich ähnlich. Die älteste Aufnahme ist vom 9. April 1860, 2025 schaffte es bekanntlich die komplett virtuelle Band The Velvet Sundown in die korrumpierten Idiotencharts der Streamingdienste.
Das Internet schafft sich zumindest als Bildungsspähre selbst ab, es wurde in dieser Hinsicht nur 35 Jahre alt. Komplett in Echtzeit emulierbare und personalisierte Inhalte sind ebenso wenig vertrauenswürdig wie Staaten, Kirchen oder andere Autoritäten, die gewohnheitsmäßig Authentizitätssiegel ausgeben. Worauf also noch Wert legen, wenn Sie weder Ihren Augen noch Ohren mehr trauen können? Nun ja, im gustatorischen wie olfaktorischen Bereich befinden wir uns noch in primitiveren Sphären der Mimesis. Zwar können viele das vegane Hacksteak nur noch anhand der CO2-Bilanz vom Tönnies-Torture-Tartar unterscheiden, der Nutri-Score lockt mit bunten Farben zusätzlich ins La-La-Land einer gesunden Ernährung. Dennoch liegt der Unterschied zwischen dem Geschmack einer echten Schwarzkirsche und der einer gevapten selbst Zigarettenstopfern auf der Zunge. Kleine Fortschritte gab es zuletzt im Bereich »Cola«: ein Youtuber namens Labcoatz entschlüsselte anhand von Massenspektrometrie und intensiven Geschmacktests wohl als erster die Rezeptur des Marktführers. Alleine durch Referentialität tut sich die KI allerdings noch schwer mit Geschmack und Geruch, es fehlt objektive Sprache. Um sich als Mensch zur synästhetischen Wahrheit hin zu emanzipieren, sollten Sie also Ihr Feierabendmahl selbst kochen. Das folgende Rezept ist extrem lecker und kommt mit nur wenigen Zutaten aus:
200 g Orecchiette (oder andere kurze Pasta wie Casarecce) al dente kochen, abseihen und vom Kochwasser eine Tasse aufheben. Währenddessen 200 g Garnelen schälen und halbieren. Bitte heben Sie die Schalen auf, rösten sie jetzt mit Olivenöl und 1 Knoblauchzehe scharf an und gießen das Ganze mit Wasser zu einem schnellen Fond an, den Sie ordentlich salzen. Etwas ziehen lassen, dann die Karkassen absieben. Die Garnelenkörper mit 2 Knoblauchzehen als ganze scharf anbraten, aus der Pfanne nehmen, beiseitestellen. Von 50 g Pistazienkernen die eine Hälfte fein mahlen, die andere Hälfte etwas gröber lassen. Sie können das mit einer Küchenmaschine oder einem Mörser erledigen. Nun wird’s sehr cremig und das ganz ohne Sahne: Die feine Hälfte der Pistazien mit den Nudeln, etwas Fond und etwas Nudelwasser in der Pfanne rühren. Mit wenig Flüssigkeit anfangen und nach Gefühl nachgießen. Gebratene Garnelen, Abrieb einer Zitrone und Petersilie unterheben, leicht pfeffern und mit dem Rest der Pistazien bestreuen. Echt echt und echt gut.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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