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Warum sind Sie gegen eine Linke an der Regierung?
Berlin: Mitgliedervernetzung an der Basis befürchten Kompromisse bei wichtigen Positionen, sagt Amelie Scull Vogt
25,7 Prozent für Die Linke in Berlin. Einerseits verzeichnen gerade die als links geltenden Bezirksverbände gute Ergebnisse, andererseits scheint sich die Parteispitze – auch angesichts der Hetzkampagne gegen den Landesverband – auf Kompromisse zum Zwecke möglicher Koalitionen vorzubereiten. Ist das nun ein Erfolg der Parteilinken oder des Regierungslagers?
Die Linke ist gewählt worden, weil sie für soziale Gerechtigkeit eintritt und die Lebenssituation der Berlinerinnen und Berliner verbessern will. Ich glaube nicht, dass das Ziel, mitzuregieren, eine große Rolle gespielt hat.
Vielleicht nicht bei der Wahlentscheidung. Aber wem gibt das Ergebnis jetzt Rückenwind? Könnte die Parteispitze die Zugewinne von anderen Parteien – insgesamt 112.000 Stimmen von Grünen, SPD und CDU – nicht als Erfolg ihrer gemäßigten Linie verstehen?
Diese Wählerwanderung ist zustande gekommen, weil mit der derzeitigen Politik sehr viele Enttäuschungen einhergegangen sind. Genauso wie der reformorientierte Flügel davon Rückenwind bekommt, erhalten auch die Linken in der Partei den Auftrag, ihre Werte nicht aufzuweichen, weil Die Linke als Arbeiterpartei gewählt worden ist. Dass die Partei da standhaft bleibt, ist auch das Ziel der Vernetzung »Linke in der Linken«, kurz LIDL. Wir wollen eine starke Linke, die sozialistisch und unangepasst ist.
Als LIDL stellen Sie sich gegen eine Regierungsbeteiligung. Warum?
Wir sind ein loser Zusammenschluss von linken Parteimitgliedern, keine geeinte Strömung. Alle gemeinsam lehnen wir eine Regierungsbeteiligung in der jetzigen politischen Situation ab. LIDL ist jedoch eine pluralistische Vernetzung. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum man eine Regierungsbeteiligung ablehnt. Zum Beispiel meinen manche, dass wir in Berlin ein Haushaltsloch in Milliardenhöhe haben und dass man dieses mitverwalten, also Kürzungen umsetzen müsste, wenn man mitregiert. Andere lehnen ein Regieren zusammen mit prokapitalistischen Parteien ganz ab.
Bei welchen Themen erwarten Sie im Fall einer Regierungsbeteiligung Kompromisse?
Wir haben beispielsweise die Sorge, dass es weitere Angriffe auf die Palästina-Solidarität gibt, um sich SPD und Grünen anzupassen. Aber Neukölln und Wedding haben diese Wahl gerade wegen ihres mit den Palästinensern solidarischen Standpunkts gewonnen. Außerdem fürchten wir, dass die Vergesellschaftungsforderungen aufgeweicht werden. Ich persönlich will, dass Die Linke eine Arbeiterpartei ist, eine Lobby der Arbeiterinnen. Dann kann sie keine Kompromisse mit Parteien machen, die die Interessen des Kapitals im Sinn haben. Das ist ein Antagonismus, der nicht miteinander vereinbar ist. Deswegen bin ich für eine starke Linke in der Opposition, statt in der Regierung.
Die Parteiführung könnte das Ergebnis so interpretieren, dass die Wählerinnen und Wähler eben eine Linke an der Regierung wollen.
Vom Wahlergebnis ist das nicht abzuleiten. Es gibt viele Stimmen an der Basis, auch solche, die sich für den Wahlerfolg eingesetzt haben, sich aber gegen eine Regierungsbeteiligung aussprechen. Die Partei wurde für das gewählt, wofür sie steht. Wenn das in einer Koalition aufgeweicht wird, dann kriegen die Wähler genau das, was sie nicht wollen.
Wie stark ist Ihre Position innerhalb der Partei?
Das ist ganz unterschiedlich, wir haben aber noch viel Potential. Als LIDL planen wir einige Veranstaltungen, die den Diskurs anregen und die Basis mobilisieren sollen. Gemeinsam mit vielen anderen mischen wir uns jetzt aktiv ein – beispielsweise auf Landesparteitagen.
Ist da nicht zu vermuten, dass sich das Regierungslager durchsetzt?
Als Vernetzung haben wir das Ziel, das zu verhindern. Falls wir damit nicht durchkommen sollten, werden wir weiter dafür kämpfen, dass Die Linke ihre Standpunkte nicht aufweicht. In dem Fall fordern wir transparente Verhandlungen. Und dann werden wir auch den Kampf organisieren, um opportunistische Ausschlussverfahren zu verhindern, etwa aufgrund von Palästina-Solidarität.
Amelie Scull Vogt ist aktives Mitglied der Vernetzung »Linke in der Linken« (LIDL) und der Linksjugend Solid Neukölln.
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Wolfgang Schlenzig aus Berlin-Mariendorf 29. Sept. 2026 um 11:13 UhrGrundsätzlich hat LIDL Recht. Wenn aber die Linke in die Regierung geht, müssen sie und ihre Koalitionspartner, wenn sie wirklich Geldquellen für die öffentliche Hand erschließen wollen, eine Menge Kompetenz in ökonomischen und rechtlichen Bereichen zusammenbringen. Denn diese Quellen gibt es, wenn konsequent gegen Spekulantentum, Steuerhinterziehung und Eigentumsmissbrauch, was täglich überall sichtbar ist, auf Basis der geltenden Gesetzgebung vorgegangen wird. Das haben vorherige Senate aus Angst und wegen Kunkelei nicht gemacht. Aber eben Vorsicht. Die Eigentümer werden mit teuren Anwälten klagen, und die Beamten, die im Senat von früher noch auf ihren Stühlen sitzen, werden es hintertreiben wollen. Diese Zustände zu beseitigen, die Gegenwehr auszuhalten, und zu gewinnen, muss eines der vornehmsten Ziele der neuen Berliner Regierung sein.
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Thomas Ewald aus Nidderau 28. Sept. 2026 um 14:10 UhrEgal, ob die wahlpolitisch erfolgreiche Linke in Berlin mitregiert oder nicht, sie wird im Alltag ankommen und sich dazu verhalten müssen. »Berlin und Mieten sollen ja bezahlbar« werden. Die »strukturelle Unterfinanzierung« der Gemeinden und Städte führt zwangsläufig zu immer größeren »Haushaltslöchern«. In hessischen Landgemeinden und Städten gibt es zahlreiche Kommunal-Haushalte 2026 (!) die deshalb von den Kommunal-Aufsichten noch immer nicht genehmigt wurden. Zahlreiche hessische Kommunen reagieren jetzt – nach den Landtagswahlen – deshalb mit Haushalts- und Einstellungssperren. Die (vorher öffentlich nicht diskutierten) Haushaltskonsolidierungen sehen Kürzungen zahlreicher „freiwilliger Leistungen“ vor und verteuern das Leben in den Städten und Gemeinden zusätzlich durch Steuererhöhungen. So planen die Parteien (ohne die bei uns mit knapp 8 Prozent vertretene AfD) auch in meiner Heimatgemeinde Nidderau eine Verdoppelung der Grundsteuer. Der Grundsteuerhebesatz wird von 733 Prozent auf 1.400 Prozent erhöht. Das sind in meinem Fall dann 100 Euro Grundsteuer monatlich! Trotz aller Kürzungen und massiver Steuererhöhungen sind dann die Haushaltsprobleme der Stadt noch immer nicht gelöst. – Auch Die Linke in Berlin, wenn sie klassisch »sozialdemokratische« Politik für die Armen und Nichtbegünstigten betreiben möchte, muss dicke Bretter bohren (ob als Regierungs- oder Oppositionspartei!). Angesichts der Kriegs- und Rüstungsfinanzierung (trotz massig in Anspruch genommenen »Sondervermögen«-Schulden) hat Die Linke mit knapp 26 Prozent Wahlzustimmung jetzt eine riesige Verantwortung und bekommt von den »Systemparteien« das »leere Portmonee« gereicht. Zusätzlich wirken die Verschlechterungen bei Gesundheitsleistungen, Rente, Pflege und die immens erhöhten Energiepreise belastend auf die schmalen Etats der Armen und Nichtbegünstigten. Die Linke (auch und besonders in Berlin) wird in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren politisch und inhaltlich stark gefordert sein – bei Strafe des Unterganges. Ich wünsche uns deshalb viel Erfolg!
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Michael Knoche aus Kelkheim 26. Sept. 2026 um 08:26 UhrAlles klar. Dann bin ich mal gespannt, wie und wann die Genossinnen und Genossen Deutsche Wohnen & Co. enteignen wollen. Nach der Revolution?
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Hans Hermann Kindervater aus Bergisch Gladbach 25. Sept. 2026 um 12:11 UhrWenn man solche Mitglieder wie Frau Vogt in der Partei hat, braucht man keine Parteigegner. Das erledigen Mitglieder wie Frau Vogt auch noch. Irgendwie erinnern mich die Aussagen bzw. »Argumente« von Frau Vogt an das Verhalten kleiner Kinder.
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Die Partei Die Linke soll regieren wollen und zwar alleine. Sie soll ein öffentliches Treffen mit der SPD und den Grünen organisieren, bei dem das Maximalprogramm der Partei vorgestellt wird. Dort wird Die Linke fragen, ob die SPD und die Grünen eine reine Linke-Minderheitsregierung unterstützen (d. h. die gesamte Senatsverwaltung, wobei auf Arbeitsebene eine Zusammenarbeit mit Teilen der anderen zwei Parteien nicht ausgeschlossen ist). Lehnen die SPD und die Grünen den Vorschlag ab? Dann können SPD und Grünen mit der CDU regieren, und die Linke mobilisiert für Neuwahlen.
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Dagmar 25. Sept. 2026 um 06:26 UhrDie Linke in der Opposition um nicht aufzuweichen wegen Palästina-Solidarität. Was ist mit dem Kampf gegen Sozialabbau auf Grund von Kriegsvorbereitung? Das scheint bei der Linken kein Thema zu sein. Das Wort Krieg und Ukraine erscheint bei der Linken nicht, genau da scheiden sich die Geister und das BSW wäre die bessere Lösung gewesen
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