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Wohnungskrise Spanien

Gnadenlos für den Profit

Spanien: Die Zwangsräumung der Wohnung einer Rentnerin löst Protest aus

Foto: David Canales/ZUMA Press Wire/imago
Überwältigt: Eine Solidaritätskampagne begleitet Maricarmen (Madrid, 22.9.2026)

In Madrid ist eine 87jährige Frau am Mittwoch gegen ihren Willen aus der Wohnung getragen worden, in der sie 70 Jahre lang gelebt hatte. Eine Richterin hatte zuvor die Zwangsräumung angeordnet, obwohl die auf den Rollstuhl angewiesene Maricarmen immer pünktlich ihre Miete gezahlt hatte und mehrmals vor Gericht gegangen war.

Hintergrund: ein legaler Trick des Immobilienunternehmens Urbagestión. Der ursprüngliche Mietvertrag war noch während der Diktatur von Francisco Franco von Maricarmens Vater abgeschlossen worden. Als er starb, musste die Mutter einen neuen Vertrag unterschreiben, da Frauen in der Franco-Zeit nicht geschäftsfähig waren. Nach ihrem Tod ging dieser Vertrag wiederum auf Maricarmen über. Dessen Gültigkeit bestreitet nun die Firma Urbagestión, welche die Wohnung gekauft hatte. Um Maricarmen zu verdrängen, erhöhte sie die Miete von 500 auf 2.650 Euro, was für die Rentnerin unmöglich aufzubringen ist.

In Solidarität mit der Betroffenen versammelten sich am Mittwoch Hunderte Menschen vor der Wohnung, um die Räumung zu verhindern – darunter Nachbarn, Politiker und lokale Prominente. Viele von ihnen hatten in der Nacht vor dem Haus gezeltet. Ein anonymer Spender hatte in letzter Minute sogar angeboten, den erhöhten Mietpreis und die bestehenden Schulden zu übernehmen, was Urbagestión jedoch ablehnte.

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Die Polizei rückte schon in den frühen Morgenstunden an und sperrte erst den Zugang zum Haus und darauf zur gesamten Straße. Videos auf dem X-Account der Tageszeitung El País zeigen, wie Beamte Aktivisten schlagen und treten, die sich der Menschenkette um die Wohnung anschließen wollten. Nachdem die Demonstranten gewaltsam entfernt worden waren, brach die Polizei die Haustür ein, um Zugriff auf die Wohnung zu bekommen. Pressevertreter wurden aus der Sperrzone verwiesen.

Enrique Santiago, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Spaniens (PCE) und Abgeordneter des regierenden Sumar-Bündnisses, sowie Irene Montero, EU-Abgeordnete der linken Podemos-Partei, waren ebenfalls vor Ort. Santiago erklärte gegenüber dem linken Nachrichtenportal Diario Público, dass rechte Kräfte im Kongress sich konsequent weigerten, Vorschläge gegen die Wohnungskrise anzunehmen. Des weiteren beschuldigte er den sozialdemokratischen PSOE von Ministerpräsident Pedro Sánchez, »nicht genug Mut« zu haben, um gegen Spekulation vorzugehen.

Fernando de los Santos, Sprecher des Mieterverbands, beklagte im Fernsehen, es sei nicht nachvollziehbar, warum so viele öffentliche Mittel eingesetzt würden und ein derart großer Polizeieinsatz stattfinde, damit ein »Geierfonds« wie Urbagestión eine Rentnerin aus ihrer Wohnung vertreibe, nur um dann mit der Immobilie zu spekulieren – »vielmehr müssen wir alle diese Firmen aus unseren Städten verbannen«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.09.2026, Seite 6, Ausland

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