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DR Kongo

Rückkehr als Warlord

DR Kongo: Der zum Tode verurteilte Expräsident Joseph Kabila wird Anführer einer von Ruanda unterstützten Bewegung

Foto: Moses Sawasawa/AP Photo/dpa
Expräsident Kabila (M.) eröffnet eine neue Runde im mörderischen Kampf um die DR Kongo (Goma, 12.10.2026)

Der Sohn scheint es dem Vater gleichtun und mit Waffengewalt die Macht erobern zu wollen. Am Montag wurde der kongolesische Expräsident Joseph Kabila zum Chef einer neuen Rebellenkoalition unter der Bezeichnung »Front für die Neugründung der Nation« (FRN) ernannt. Die Gruppierung erklärte dazu auf einer Pressekonferenz, die in der Residenz Kabilas in der Stadt Goma abgehalten wurde, ihr Ziel sei es, die »Widerstandskräfte« zu bündeln, um »die Tyrannei« in der Demokratischen Republik (DR) Kongo zu beenden. Man werde dieses Ziel »mit allen Mitteln, auch mit militärischer Gewalt«, verfolgen. Kabila selbst sagte bei der Vorstellung nach Medienberichten kein Wort.

Vor bald dreißig Jahren hatte sein Vater Laurent-Désiré Kabila, ein im Osten der heutigen Demokratischen Republik (DR) Kongo agierender Rebellenchef, der im Jahre 1965 noch Che Guevara persönlich kennengelernt hatte, das seit ebenjenem Jahr amtierende Regime des alternden, korrupten und »prowestlichen« Marschalls Mobutu Sese Seko in der Hauptstadt Kinshasa gestürzt. Das war im Mai 1997. Mobutu starb kurz darauf im marokkanischen Exil. Mehr als dreißig Jahre lang hatte Laurent-Désiré Kabila zuvor mit Waffen im Ostkongo gekämpft. Zuletzt hatte er sich bei seinem Vormarsch auf Kinshasa auf die Nachbarstaaten Ruanda und Uganda als Verbündete stützen können.

Doch auch wenn Laurent-Désiré Kabila irgendwann tiefere marxistische Überzeugungen gehegt hat, eine über die damals zum Zeitgeist gehörende Rhetorik von Befreiungsbewegungen hinausgehende revolutionäre Überzeugung ließ er nicht mehr erkennen. Ohnehin konnte er nicht lange an der Macht bleiben: 2001 ermordete ihn ein Leibwächter – die genauen Hintergründe bleiben ungeklärt. Joseph Kabila wurde kurz darauf sein Nachfolger und blieb von 2001 bis Anfang 2019 als Staatspräsident an der Macht. Er arrangierte sich mit den internationalen Großmächten, versuchte dabei allerdings, von der Konkurrenz zwischen den USA und China um die reichen Rohstoffvorkommen des Landes zu profitieren. In seinen achtzehn Amtsjahren hatte er mehrere Bürger- und Stellvertreterkriege mit Beteiligung von Regionalmächten von Ruanda bis Angola zu bewältigen, die Hunderttausende das Leben kosteten.

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Nun will Joseph Kabila also wie dereinst der Vater vom Osten des riesigen Landes aus auf die Bajonette gestützt ganz nach oben zurückkehren. Die Kontinuität zwischen der neuen bewaffneten Gruppierung und der ihr vorausgehenden Rebellenkoalition, der »Bewegung des 23. März« – französisch abgekürzt »M 23« –, ist dabei offenkundig. Kabila als ihr Chef wird drei Vizevorsitzende haben, die alle aus der »M 23« kommen: Sultani Makenga, bislang Chef von »M 23« und auch jetzt noch militärischer Befehlshaber, sowie Bertrand Bisimwa und Corneille Nangaa. »M 23« hatte, gestützt auf ruandische Truppen, die de facto die DR Kongo attackierten, im Januar 2025 zunächst Goma erobert und in den Folgemonaten weite Teile Ostkongos besetzt. Unter der Ägide der US-Regierung, die eine stabile Rohstoffzufuhr aus der Region sichern will, einigten sich die DR Kongo und Ruanda im August dieses Jahres auf einen »Fahrplan« für Friedensverhandlungen. Doch bleibt der Konflikt lediglich auf dem 2025 erreichten Status quo eingefroren.

Kabila hatte im Winter 2018/19 eine friedliche Machtübergabe an seinen Nachfolger, den jetzigen Staatspräsidenten Félix Tshisekedi, akzeptiert. Dahinter stand allerdings das Kalkül, den vermeintlich schwachen Politiker kontrollieren und im Staatsapparat die Oberhand behalten zu können. Kabilas Partei FCC (Gemeinsame Front für den Kongo) hatte einen Großteil der Parlamentssitze inne und schloss eine Art Koalitionsabkommen mit Tshisekedis damaliger Partei »Cach« (Kurs auf die Veränderung). Doch seit 2020 versuchte Tshisekedi zunehmend, eigene Ambitionen anzumelden. Daraufhin zerbrach der Pakt.

In der letzten Maiwoche 2025 hatte die Rebellenbewegung »M 23« das Eintreffen Joseph Kabilas in Goma angekündigt. Schon damals hatte sich angedeutet, dass Kabila auf dem Weg der bewaffneten Rebellion an die Macht zurückstreben könnte. Einen Tag zuvor hatte damals der kongolesische Senat die Aufhebung der parlamentarischen Immunität Joseph Kabilas beschlossen, was den Weg zu einer Anklage wegen »Hochverrats« öffnen sollte. Denn schon im April desselben Jahres war er durch die amtierende Regierung verdächtigt worden, sich mit den Rebellen taktisch oder strategisch verbünden zu wollen. Dieser Schritt dürfte Kabilas seither zu beobachtende Flucht nach vorne beschleunigt haben. Im September vorigen Jahres wurde er in Abwesenheit zum Tod verurteilt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.10.2026, Seite 7, Ausland

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