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Antifaschismus

Was unterscheidet die Arbeit heute von früher?

Die Erinnerungsarbeit wird schwieriger, es leben immer weniger Zeitzeugen, berichtet Matthias Behring

VVN
Foto: Müller-Stauffenberg/IMAGO

Am 17. September feiert der schleswig-holsteinische Landesverband der VVN-BdA sein 80jähriges Bestehen. Wie ist es 1946 zur Gründung gekommen?

Unmittelbar nach der Befreiung bildeten sich in mehreren Städten antifaschistische Komitees, aus denen die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – VVN – in Schleswig-Holstein hervorging. Die erste Generation der Aktiven setzte sich aus Überlebenden der Konzentrationslager und Gefängnisse sowie Widerstandskämpfern zusammen, die gelernt hatten, über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten, um zu überleben. Zu den prägenden Persönlichkeiten gehörten Curt Posener, einer der ersten Landesvorsitzenden der VVN und jüdisch-kommunistischer Widerstandskämpfer, sowie der Kommunist und Widerstandskämpfer Karl-Heinz Lorenzen aus Flensburg und der Widerstandskämpfer Fritz Bringmann von der KPD aus Lübeck. Ebenso waren in diesen antifaschistischen Komitees Vertreter aus SPD, Gewerkschaften und der Kirche engagiert.

Was spielte bei der Tätigkeit dieser Gründergeneration die Hauptrolle?

Nach dem Krieg ging es erst einmal darum, den überlebenden Opfern des Faschismus im Alltag zu helfen, zum Beispiel bei der Wohnungssuche oder im Umgang mit den Behörden. Die Gründungsgeneration sah es aber auch als ihre Pflicht an, die Verbrechen der Faschisten zu dokumentieren und die Bevölkerung aufzuklären. In den 50ern war dann der Protest gegen die Remilitarisierung der Bundesrepublik und die Stationierung von Atomwaffen ein zentrales Thema der VVN. Und sie hat sich intensiv mit der mangelhaften Entnazifizierung befasst.

Wann trat diese Generation in den Hintergrund?

Die VVN öffnete sich Anfang der 70er Jahre für die nachfolgende Generation, die den Faschismus nicht mehr selbst erlebt hatte, sich aber antifaschistisch engagieren wollte. So kam es 1971 zur Namenserweiterung VVN-BdA, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten.

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Was unterscheidet die heutige Arbeit von der in früheren Jahrzehnten?

Manches ist komplizierter geworden. Nachdem 2019 dem Bundesverband die Gemeinnützigkeit entzogen wurde – was später zurückgenommen wurde –, gab es ja viele Neueintritte. Das ist gut und dadurch sind wir breiter aufgestellt. Aber wir müssen jetzt auch innerverbandlich differenzierter mit bestimmten Problemen umgehen, etwa wenn es um das Thema Israel geht. Aber der Gesamtkonsens ist immer noch die qualifizierte antifaschistische Arbeit. Was auch schwieriger wird, ist die Erinnerungsarbeit. Es leben eben immer weniger Zeitzeugen, die in die Schulen gehen und von ihren Erfahrungen im Faschismus berichten können. Marianne Wilke, die zwölf Jahre lang Vorsitzende unseres Landesverbandes war und 2023 verstorben ist, war da eine ganz wichtige Zeitzeugin, die Schüler und Jugendliche über die Zeit des Faschismus auf eine authentische Weise aufgeklärt hat.

Aktuell stellt die Finanzverwaltung erneut die Gemeinnützigkeit des Bundesverbands der VVN-BdA in Frage. Wie bewerten Sie das?

Das ist ein genereller Versuch, Nichtregierungsorganisationen, die sich für Demokratie, Freiheit und für soziale Gerechtigkeit engagieren, einzuschüchtern. Es trifft jetzt uns, aber es hat ja vorher ATTAC und auch andere schon getroffen. Aber das ist jetzt eine Kampagne, um zu sagen, Leute, wir kriegen euch klein. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch da versuchen, eine Solidarität hinzubekommen gegen diese Verbote.

Glauben Sie, dass Vereine und Gruppen wie die VVN-BdA durch den Aufstieg der AfD, der sich auch im Wahlsieg in Sachsen-Anhalt zeigt, zusätzlich unter Druck geraten?

Davon kann man ausgehen. Aber auch wenn die AfD nicht an die Regierung kommt – sie hat die anderen Parteien ja schon dazu getrieben, ihre Agenda in weiten Teilen zu übernehmen. Nehmen wir mal die Abschiebung der Menschen, die hier Asyl haben und auch schon integriert sind. Da muss die AfD nicht erst an der Regierung sein. Das passiert auch so. Der vorauseilende Gehorsam ist das Problem.

Was planen Sie bei Ihrer Jubiläumsveranstaltung am 17. September?

Es soll eine Gedenkfahrt mit dem Traditionssegler »Albin Köbis« geben, bei der wir der Opfer der Bombardierung in der Neustädter Bucht 1945 gedenken. Und der dänischen und deutschen Fischer, die Verfolgten die Flucht ermöglichten. Ferner gilt dieses Gedenken auch den elf Matrosen, die noch nach der Teilkapitulation wegen Meuterei hingerichtet wurden, und den fünf Widerständlern, die Helgoland in den letzten Kriegstagen vor der Zerstörung durch englische Bomber retten wollten. Im Schiffahrtsmuseum Flensburg wird es dann einen Festabend geben, bei dem Ulrich Schneider, früherer Bundessprecher der VVN-BdA und Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer, ein Einführungsreferat halten wird. Danach soll zusammen mit den Podiumsteilnehmern aus den Bereichen Gewerkschaft, Kirche, Sozialverband und Jugendorganisationen und den Gästen nach möglichen Handlungsperspektiven für ein gemeinsames Engagement für eine Welt des Friedens und der Freiheit und gegen das Vergessen gesucht werden. Für die musikalische Begleitung sorgen Kutlu Yurtseven von der Microphone Mafia und Joram Bejarano.

Matthias Behring ist Vorsitzender des Landesverbandes der VVN-BdA in Schleswig-Holstein.

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.09.2026, Seite 2, Inland

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