Wahrheitsfreund des Tages: Pete Hegseth
Was er nur andenkt, wird faulig-verschmiert, sein Verstand läuft nie offen, sondern stets maskiert. Sogar wenn er lügt, lügt er. So weit Tucholsky über den Verteidigungsminister der USA, 54 Jahre vor dessen Geburt. Kann man einen Menschen kennen, ehe man ihn kennt? Kann man überhaupt einen Menschen kennen? Pete Hegseth, Fachmann für kreativen Umgang mit dem, was man andernfalls Wahrheit nennt, glaubt zumindest, dass Polygraphen da weiterhelfen.
Als im Juli berichtet wurde, dass Washington im Krieg gegen den Iran seine Munition rationiere, wiesen die Sprecher des Pentagon, angewiesen von Hegseth, diese Berichte zurück. Donald Trump zudem erklärte, dass die USA über »riesige Mengen« Munition verfügen. Nun hat Hegseth in seinem Ministerium Untersuchungen eingeleitet. Mittels Lügendetektor sollen rund 50 Mitglieder des Planungs- und Beratungsstabs im Pentagon Tests absolvieren. Ziel der Übung: herausfinden, wer geplaudert hat. Es gehe, so Sprecher Sean Parnell, um »Leaks geheimer Informationen zur nationalen Sicherheit«.
Eine kleine, aber dichte Logikwolke zieht sich zusammen über dem Gebäude mit den fünf Ecken. Entweder waren, wie ursprünglich behauptet, die Berichte nicht korrekt, dann gab es auch keinen Verrat geheimer Informationen. Oder sie waren korrekt, dann ist die Behauptung, sie seien nicht korrekt gewesen, falsch. Ein wenig lustig ist es schon, dass Menschen, die in der Sache wenigstens einmal gelogen haben, sich jetzt auf die Suche nach der Wahrheit machen. Hegseth selbst wird übrigens nicht getestet. Es wäre auch sinnlos. Der Polygraph ermittelt die Lüge anhand von abweichenden physiologischen Reaktionen, er arbeitet also mit einem Basiswert, der den Menschen im Zustand seines Ehrlichseins erfasst. Ein Mensch, der immer lügt, dürfte gute Chancen haben, als ehrlich durchzukommen.
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